Der Hallenfußball erlebt eine kleine Revolution

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Grätschen ist in der Halle künftig verboten.

HAMM - Während die Fußballvereine in den Ligen in die wohlverdiente Winterpause gehen, beginnt fast gleichzeitig die „Saison“ der Hallenturniere – in diesem Jahr müssen sich dabei alle Beteiligten auf ein neues Regelwerk einstellen.

„Die neuen Regeln ziehen große Veränderungen für uns alle nach sich, daran müssen wir uns erst einmal gewöhnen“, meint Torsten Perschke, Vorsitzender des Kreisschiedsrichterausschusses Unna/Hamm. Die schwerwiegendste Änderung für die Spieler ist das absolute Verbot von Grätschen im Zweikampf. Lediglich zum Abbblocken eines Schusses bleibt es für Verteidiger und Torhüter weiterhin erlaubt. Entscheidet der Unparteiische dennoch auf Strafstoß, wird dieser auf die drei Meter großen Tore aus sechs und nicht mehr aus sieben Metern geschossen.

Auch das Abstützen auf der Bande wird vom Schiedsrichter geahndet. Beim „fliegenden Wechsel“ müssen sich die Akteure auf engem Raum begegnen, ansonsten wird auch dies bestraft.

Der Torwart darf beim Abstoß nicht mehr mit dem Fuß spielen, sondern nur noch werfen oder rollen. An der Auslinie wird der Ball jedoch nicht mehr eingerollt, hier wird er eingekickt. Dabei muss die gegnerische Mannschaft einen Mindestabstand von fünf Metern einhalten – genauso beim Ab-, Eck- und Freistoß. Ist der Ball nach einer Unterbrechung freigegeben, muss er innerhalb von vier Sekunden wieder ins Spiel gebracht werden. Geschieht dies nicht, geht das Spielgerät an den Gegner.

Auf die Turnierleitung kommt mit Einführung der effektiven Spielzeit die Aufgabe zu, in der letzten Minute jeder Halbzeit ohne Timeout-Zeichen des Schiedsrichters die Zeit anzuhalten, wenn das Spiel unterbrochen ist. Das gilt bei jedem Pfiff des Unparteiischen, aber auch, wenn der Ball im Aus landet.

Das Spiel mit der Bande und mit dem alten Hallenfußball bleibt vorerst – bis zum 1. Juli 2015 – erlaubt. Ab da an wird die Auslinie des Handballfeldes auch die des Hallenfußballs sein.

Die Nutzung der alten Bälle wird dann ebenfalls nicht mehr möglich sein. Die neuen Spielgeräte sind kleiner, dafür aber schwerer als ihre Vorgänger. Dadurch werden die Flugeigenschaften des Balles deutlich verändert.

Tore per Distanzschuss werden erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht. Ertönt bei einem Schuss auf das Tor die Schluss-Sirene und der Ball landet im Gehäuse, zählt der Treffer. Zuvor wurde das Tor nicht anerkannt.

Anlass und Grundlage der Regel-Überarbeitung ist das Bestreben des Weltverbandes Fifa und des DFB, in der Halle flächendeckend die Futsal-Regeln einzuführen. Diese weitgehend mit den „normalen“ Fußballregeln übereinstimmenden Richtlinien bilden die Basis aller Entscheidungen. Die Ergänzungen und Präzisierungen des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen sind nicht als Ersatz zu verstehen. Sie sollen dafür sorgen, alle in der Halle auftretenden Schwierigkeiten zu lösen.

Doch genau dies bezweifelt Perschke: „Meiner Meinung nach wird es für alle Beteiligten, also für Schiedsrichter, Funktionäre und Fußballer, schwieriger. Ich sehe auch nicht die Notwendigkeit für diese Regeländerungen. Vor allem für die Unparteiischen sind die neuen Regeln sehr anspruchsvoll, viele werden damit schlichtweg überfordert sein.“ Dennoch können die neuen Richtlinien nicht mehr rückgängig gemacht werden. „Von allen Seiten gibt es Widerstände, aber wenn die Fifa es so will, dann müssen wir das akzeptieren“, sagt Perschke. „Sowohl die Unparteiischen als auch die Vereine müssen sich nun gravierend auf die Hallenturniere umstellen. Ich hoffe, dass es nicht im Chaos endet, befürchte es jedoch“, so Perschke

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