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ASV-Geschäftsführer Thomas Lammers zieht positive Hinrunden-Bilanz

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Von: Günter Thomas

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ASV-Geschäftsführer Thomas Lammers ist mit der Entwicklung der Mannschaft zufrieden.
ASV-Geschäftsführer Thomas Lammers ist mit der Entwicklung der Mannschaft zufrieden. © Reiner Mroß

Zwei Spiele der Hinrunde muss Handball-Zweitligist ASV Hamm-Westfalen, der derzeit auf Rang fünf liegt, im neuen Jahr noch nachholen. Die Bilanz von Geschäftsführer Thomas Lammers bisher fällt aber positiv aus.

Hamm – Bevor sich Maria Furtwängler und Udo Lindenberg durch einen faden Weihnachts-Tatort quälen mussten, lief der wahre Krimi des 2. Weihnachtstages beim Handball-Zweitligaspiel in der Westpress Arena. Am Ende der 60 Minuten hatten beim 30:30-Endstand weder der ASV Hamm-Westfalen noch der TV Hüttenberg den Fall komplett gelöst – und während ASV-Trainer Michael Lerscht bereits aus der anschließenden Pressekonferenz heraus in Gedanken in den Skiurlaub nach Südtirol wedelte, machte sich Geschäftsführer Thomas Lammers im Gespräch mit Günter Thomas an die Aufarbeitung einer Hinrunde, in der er viele gute Ansätze gesehen hat und sich über eine positive Entwicklung der Mannschaft freut – die aber auch einige offene Baustellen für das neue Jahr offen ließ.

1308 Zuschauer im Weihnachtsspiel, ein Punkt gegen den TV Hüttenberg. Wie ist Ihre Gemütslage? Zufrieden? Enttäuscht? Glücklich?

Wenn du zwei Sekunden vor Schluss den Ausgleich kriegst, bist du erstmal geknickt. Mit etwas Abstand war das Ergebnis aber absolut gerechtfertigt. Wir lagen in Halbzeit eins mit fünf Toren hinten, kurz vor Schluss nochmal mit zwei: Dann muss man glücklich und dankbar sein, wenn man einen Punkt mitnimmt – auch wenn der Hüttenberger Ausgleich so kurz vor dem Ende gefallen ist.

Mannschaft und Trainer betonen immer wieder, dass sie nicht auf die Tabelle gucken. Dabei würde es sich im Moment lohnen. Wie handhaben Sie das?

Ich gehe da offensiv mit um und mache das nach jedem Spieltag. Noch lieber wäre es mir, wenn die Tabelle nur nach Minuspunkten ausgezählt würde. Dann wären wir auf Rang zwei. Wir wissen, dass der Spielplan uns in die Karten gespielt hat. Aber in den sechs Wochen, wo sich nichts ändern wird, gucke ich gerne auf die Tabelle. Das ist wesentlich entspannter als letztes Jahr, wo wir mit fünf Niederlagen in Folge und dem Unentschieden in Aue in die Pause gegangen sind.

Das Team geht auf Platz fünf ins neue Jahr. Wie beurteilen Sie die Situation?

Mit der Gewissheit, dass wir weiter oben mitschwimmen können. Wir sind nicht diejenigen, die sagen können, wir steigen auf. Aber wir sind froh, dass wir die Großen auch mal ärgern können.

Sie haben in 2022 acht Heimspiele, aber 13 Begegnungen in fremder Halle – weil die Auswärtspartien in Großwallstadt und Friesenheim aus der Hinrunde verlegt werden mussten. Ein Nachteil?

Allein daran sieht man, was das für ein Brett für uns in der Rückrunde wird. Der Februar und März werden mit den Nachholspielen pickepackevoll. Wir wissen nicht, was sonst noch alles auf uns zurollen wird – zum Beispiel an coronabedingten Verlegungen. Der Spielplan wird nicht zu unserem Vorteil sein. Aber wir haben genug Qualität, um auswärts mithalten zu können.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Mannschaft in der Hinrunde?

Durchweg positiv. Die Neuzugänge sind gut eingeschlagen. Bei Dani Baijens ist zu sehen, was wir uns erhofft haben: seine Qualität als Einzel- und Führungsspieler, wie er die Mannschaft mitzieht. Dass wir nach einer durchschnittlichen Saison jetzt in einer anderen Tabellenregion sind, spricht für sich. Auch Tim Wieling spielt eine gute Saison. Schade, dass sich Vladi Bozic verletzt hat. Ansonsten haben alle einen kleinen Step nach vorne gemacht. Jan Brosch ist das beste Beispiel. Bitter, dass er uns im Sommer verlässt. Aber das zeigt, dass die Erstligisten auf uns gucken. Da standen ja auch andere Spieler auf dem Zettel. Um so schöner, dass Jan der einzige ist, der uns bis jetzt verlassen wird.

Vom Verletzungspech der Vorsaison ist das Team größtenteils verschont geblieben.

Das ist der maßgebende Punkt. Wenn sich keiner schwerwiegend verletzt, werden wir uns oben einpendeln können. Letztes Jahr, als Sören Südmeier ausfiel, fehlte der Kopf, und wir hatten zu kämpfen. Wenn jetzt Brosch oder Baijens ausfallen würden, wäre es auch schwierig, das Level zu halten.

Das Konzept mit dem Unterbau der zweiten Mannschaft in der 3. Liga hat sich bewährt. Oder?

Das ist überragend. Wir hatten mit Lars Kooij oder Noah Moussa echte Glücksgriffe. Auch, dass Jan Wesemann geblieben ist. Er war nicht happy, dass er in dieser Saison in die zweite Mannschaft zurückgehen sollte. Aber mit der Leistung, die er gerade bringt, zeigt sich, dass er die Praxis gebraucht hat, die er in der 3. Liga kriegt. Die Jungen müssen sich entwickeln. Nur auf der Bank sitzen hilft nicht. Dass die zweite Mannschaft in der 3. Liga für Furore sorgt, ist natürlich super.

Jan Brosch wird den Verein im Sommer in Richtung Lemgo verlassen. Wie wollen Sie den Verlust abfedern?

Es gibt zwei, drei Spieler, die wir im Blick haben und die uns vom Profil her weiterhelfen könnten. Aber das ist alles in der Anfangsphase. Durch die EM wird da sicher noch einmal Bewegung reinkommen. Ich denke, bis Ende Februar werden wir die Alternative haben – ob derjenige dann 1:1 die Voraussetzungen erfüllt, wird sich zeigen.

Sie haben bereits die meisten Personalien des bestehenden Kaders abgearbeitet. Offen ist noch die Zukunft von Sören Südmeier.

Mit Südi habe ich mich darauf verständigt, dass wir erst einmal nach seiner langen Verletzung die Hinrunde laufen lassen und uns im Januar zusammensetzen. Er ist in einem Alter, wo man links und rechts mehr guckt mit Blick auf die Zeit nach der Karriere. Dazu kommt der Kreis, der im Moment höchste Prio hat, weil unser erster Mann weggehen wird.

Dani Baijens hat zwar noch einen Vertrag für die kommende Saison beim ASV. Je besser er spielt, desto größer wird aber die Gefahr, dass das Interesse von Erstligisten wächst.

Die Gefahr besteht, keine Frage. Wenn es so sein sollte, kann ich es nicht verhindern. Die Rolle, in die er bei uns gerade reinschlüpft, und die gute Verbindung in seine Heimat nach Holland als Familienmensch sprechen aber für den ASV. Daher glaube ich nicht, dass er sofort weggeht, wenn irgendwo ein Angebot kommt. Sicher ist, dass er nicht die nächsten vier, fünf Jahre in der 2. Liga spielen wird. Ein Wechsel steht aber im Moment überhaupt nicht zur Debatte.

Die Gefahr eines erneuten Lockdowns schwebt über der Rückrunde. Wie groß sind die Sorgen bei Ihnen nach den jüngsten politischen Entscheidungen?

Schon groß. Die Pause kommt jetzt zur rechten Zeit. Wir haben bisher alle Heimspiele vor Zuschauern gespielt. Und bis auf beim Pokalspiel gegen Magdeburg waren wir nie am Anschlag, was Zuschauerzahlen betrifft. Sechs Wochen sind in der Pandemie eine lange Zeit. Ich gucke jeden Tag in die Zeitung, höre Radio, aber die Erfahrung zeigt: Wir brauchen jetzt noch nicht über etwas zu reden, das im Februar sein wird. Die Corona-Schutzverordnung wird sich noch so oft ändern. Langfristig planen kann man nicht. Vor einem Jahr hatte ich aber wesentlich größere Bauchschmerzen. Jetzt ist eine gewisse Ruhe da. Wir haben ein riesiges Netzwerk hinter uns. Und ich hoffe, dass wir Anfang Januar die Bestätigung kriegen, dass die Corona-Sporthilfe, die zum Jahresende ausläuft, noch einmal verlängert wird.

Glauben Sie, dass im Februar wieder mit Zuschauern gespielt werden darf oder war das Weihnachtsspiel für lange Zeit wieder das letzte?

Sicher ist, dass wir spielen werden. Ich glaube nicht, dass die Saison abgebrochen wird. Die Verordnung ist ja in erster Linie auf den überregionalen Fußball gemünzt – die anderen Sportarten müssen das so hinnehmen.

Wie reagiert die Liga? Es soll ja schon Gespräche gegeben haben. Von Notfallplänen ist die Rede. Demnach wurde auch das Szenario durchgespielt, den Rückrundenstart nach hinten zu verschieben.

Wir haben alle drei Wochen eine Konferenz mit den Bundesligamanagern und der HBL, da wurde das Thema angeschnitten. Aber das ist noch weit weg. Wir wollen, dass die Saison normal zu Ende gespielt wird. Aber sicher: Solche Pläne hat der Spielleiter Andreas Wäschenbach sicher in der Schublade. Damit beschäftigen wir uns aber erst, wenn es soweit kommen sollte. Notfalls müssten wir mit Geisterspielen starten und die Fans dann je nach Pandemielage zurückkehren.

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