Tennis

Hans Mathiak reist mit 86 von Turnier zu Turnier

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Hans Mathiak vom TuS 59 Hamm spielt auch mit 86 Jahren noch sehr erfolgreich Tennis.

Niederlande, Österreich, Kroatien, Ungarn, Italien, Tschechien, Türkei, Polen, Brasilien oder Australien – das sind nur einige der Länder, die Hans Mathiak Jahr für Jahr bereist. Aber der 86-Jährige verbringt dort nicht seinen Urlaub, sondern er nimmt fast überall auf der Welt an Tennisturnieren teil.

Und das sogar überaus erfolgreich. So ist Mathiak mehrmaliger deutscher und sogar Europameister geworden. „Das ist alles eine Kopfsache“, sagt der Oldie des TuS 59 Hamm, der sich ein Leben ohne die gelbe Filzkugel kaum vorstellen kann. Daher stellt er klar: „Nach meiner Familie ist Tennis die absolute Nummer eins für mich. Auf dem Sessel zuhause vor dem Fernseher zu sitzen und Chips essen sowie Bier zu trinken, das ist nichts für mich.“

Dabei hatte er im vergangenen Jahr nach einer Hüftoperation sogar für längere Zeit mit seinem heißgeliebten Sport aussetzen müssen. Manch anderer hätte anschließend vielleicht seinen Schläger an den Nagel gehängt und mit dem Sport aufgehört. Doch nicht so Hans Mathiak.

Selbst als er Anfang 2018 im österreichischen Seefeld erstmals nach seiner Zwangspause wieder an einem Turnier teilnahm und gleich in der ersten Runde ausschied, war das eher zusätzliche Motivation für ihn. „Ich war in den Jahren vorher in meiner Altersklasse immer die Nummer eins gewesen und habe mir aufgrund dieser Tatsache zu viel Druck gemacht. Ich wollte nicht gegen Spieler verlieren, die unter mir stehen“, erklärt er. 

Erst mit 40 Jahren vom Tischtennis und Handball gewechselt

„Nach meiner Pause habe ich mir dann gesagt, dass ich nicht mehr an Position eins stehe und dass ich jetzt einfach darauf achte, die Bälle gut zu schlagen. Tja, und dann habe ich wieder ein Spiel nach dem anderen gewonnen und Turniersiege eingefahren.“

Erst mit 40 Jahren hatte Mathiak mit dem Tennisspielen begonnen. Vorher war er in Sachen Tischtennis und Handball unterwegs gewesen – und profitierte auf der roten Asche von seinen sportlichen Vorerfahrungen. So hatte er vom Tischtennis die Übersicht übernommen und wusste, wo er die Bälle gut platzieren kann, damit sie für den Gegner unerreichbar oder schwer zu retournieren sind. Und seine gute Laufarbeit hatte er beim Handball gelernt. 

„Tischtennis ist mir mit den Jahren zu schnell geworden. Wenn ich den Ball geschlagen habe, war er sofort wieder da. Beim Tennis hat man mehr Zeit“, sagt er. Und so verbesserte er sich im Tennis recht schnell, nahm an gut besetzten Turnieren teil, schaute sich ab, wie starke Akteure ihre Gegner mit raffinierten Lobs und Stopps zermürbten.

Mutter ist "Schuld" am schlechten Aufschlag

Das Resultat: Mathiak, mit einem guten Ballgefühl ausgestattet, wurde immer besser, bekam es bei den Turnieren in der ersten Runde nicht mehr mit den stärkeren Spielern zu tun und machte in der Rangliste immer mehr Boden gut. Nur sein Aufschlag, der hat sich auch in den vergangenen 40 Jahren nicht sonderlich verbessert. Und daran ist laut Mathiak seine Mutter schuld. Die hatte ihm, der eigentlich Linkshänder ist, beim Tischtennis beigebracht, mit rechts zu schlagen. 

„Daher habe ich da nicht die richtige Koordination. Mein Aufschlag war und ist eher ein Einwurf“, erklärt er. Doch sowohl seinen Aufschlag als auch seine im Vergleich zu frühr nicht mehr ganz so gute Beweglichkeit auf den Beinen macht er durch seine Schlagtechnik, seine Spielübersicht und sein Ballgefühl wett – meist zum Ärger seiner Gegner.

Hans Mathiak freut sich auf die WM in Kroatien.

Dreimal pro Woche steht er auf der Platzanlage des TuS 59 an der Rietzgartenstraße und schießt den gelben Ball über das Netz. Und das am liebsten im Einzel gegen jüngere Akteure, die ihn entsprechend fordern. Doppelpaarungen mag er dagegen nicht ganz so gerne. „Da braucht man immer vier gleichwertige Spieler, damit es Spaß macht. Und die sind schwer zu finden“, sagt Mathiak, der nicht mehr in einer Mannschaft spielt. 

Bis vor einem Jahr gab es noch das 75-er Team beim TuS 59. Doch als sich bei einer Besprechung neben Mathiak nur ein weiterer Akteur bereit erklärte, im Einzel anzutreten – alle anderen wollten nur noch im Doppel auflaufen – wurde das Team notgedrungen aufgelöst.

Dafür reist Mathiak, der übrigens auch noch zwei Trainingseinheiten pro Woche in einem Fitnessstudio absolviert und jedes Jahr zum Skifahren in die Berge reist, eben von Turnier zu Turnier quer durch Europa. Zwölf Starts sollen es dieses Jahr werden. 

Vorfreude auf die Weltmeisterschaft

Am meisten freut er sich auf die Weltmeisterschaft, die im September in Umag (Kroatien) stattfindet. „Da treffe ich wieder viele Spieler aus verschiedenen Ländern, die ich kenne. Und danach mache ich noch Urlaub mit meiner Frau in Italien“, sagt Mathiak, der vom Deutschen Tennis Bund zum Kapitän des Ü85-Teams erkoren wurde.

Den Titel wird er allerdings nicht gewinnen können, da macht er sich keine Illusionen. Dafür sind die Akteure aus den USA und Australien, die früher Profis waren oder ihr ganzes Leben lang als Tennislehrer gearbeitet haben, einfach zu stark. Mathiak muss sich also nicht unter Druck setzen, kann sich vielmehr auf seine Schläge konzentrieren. „Mir ist es auch egal, wie viele Titel ich sammle. Mir ist es wichtig, dass ich gut spiele und dass ich mit meiner Leistung zufrieden bin“, erläutert der Hammer.

2020 soll Schluss sein mit der Wettkampfkarriere

Einen Plan, wann und wie er seine Turnierlaufbahn beenden will, hat der in Ostpreußen geborene Mathiak auch schon – eine im Alter von 86 Jahren durchaus nachvollziehbare Entscheidung. Im kommenden Jahr will der Routinier seine Starts um die Hälfte redzieren und nur noch an sechs Turnieren teilnehmen, ehe er 2020 seine Wettkampfkarriere beenden und nur noch mit seiner Frau Brigitte sowie Freunden auf der Anlage des TuS 59 auflaufen will. „Mit 89 Jahren muss ich nicht mehr bei Turnieren antreten, dann spiele ich nur noch ein bisschen Kaffee-Tennis“, sagt er.

Aber auch dann will er seine Matches gerne mit einem kleinen Trick beenden, den er in seiner langen Tennis-Karriere immer wieder angewand hat. „Beim Matchball überlege ich immer, wo ich lange nicht mehr hingespielt habe. Oftmals ist das ein Stopp, den ich dann einsetze“, sagt er und fügt mit einem verschmitzten Lächeln hinzu: „Meistens klappt das auch.“

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