Fußball-Oberliga

Talfahrt der Hammer SpVg: Spieler stellen sich hinter René Lewejohann

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Droste

Auch nach der 1:3-Niederlage in Ahlen ist eine Trennung von Coach René Lewejohann kein Thema bei der Hammer SpVg.

Hamm - René Lewejohann hatte wieder einmal alles gegeben. Der 35-Jährige hatte gestikuliert, quer über den Platz geschrieen, den einen oder anderen Spieler immer wieder zu einem kurzen Vier-Augen-Gespräch an die Seitenlinie gerufen und seine Mannschaft pausenlos lautstark nach vorne getrieben – am Ende aber stand der sichtlich geschaffte Coach des Fußball-Oberligisten erneut mit leeren Händen da und musste nach der 1:3-Niederlage bei RW Ahlen gefrustet vom Platz stapfen.

„Ich wünsche mir auch, dass es mal ein ruhigeres Spiel wird. Aber ich mache das für die Jungs gerne und versuche, sie von der Seite zu puschen und dass der Funke überspringt“, erklärt Lewejohann.

Was die reinen Ergebnisse angeht, ist ihm dies aber nur bedingt gelungen. Vier Punkte aus zwölf Partien bei einem Rückstand von mittlerweile neun Zählern auf das rettende Ufer sind eine mehr als magere Ausbeute und haben für eine Besorgnis erregende Lage gesorgt. 

Franke über Lewejohann: "Er macht und tut und geht voran"

Und Besserung in Form von dringend benötigter personeller Verstärkung ist zumindest bis zur Winterpause, wenn sich das nächste Transferfenster öffnet, nicht in Sicht. Normalerweise wird in solchen Situationen gefordert, den Trainer zu entlassen. 

Doch nachdem in der vergangenen Woche der Sportliche Leiter Chiquinho klargestellt hatte, dass Lewejohann „nicht zur Diskussion steht“, bekam der ungebremst mit viel Leidenschaft arbeitende Coach auch die volle Unterstützung aus der Mannschaft. „Lewe kann man überhaupt nichts vorwerfen. Er tut und macht und geht voran“, betont Routinier Patrick Franke. „Das liegt nicht am Trainer, sondern an der Mannschaft. Wir haben nun mal viele junge Spieler im Kader, wobei man von denen nach dem zwölften Spieltag auch mal ein bisschen mehr erwarten könnte.“

Auch der Regionalliga erfahrene Jan Apolinarski bricht eine Lanze für den Coach. „Er ist einer der besten Trainer, den ich in meiner Karriere hatte. Ich stelle ihn auf eine Höhe mit Björn Mehnert und Magnus Niemöller, unter denen ich in Rhynern und Erkenschwick gespielt habe“, sagt der 28 Jahre alte Defensivspezialist. „Es gibt nicht viele bessere als ihn. Ihn zu entlassen, wäre der total falsche Ansatz. Er zerreißt sich hier, motiviert uns und gibt nie auf. Bevor man sich von ihm trennt, muss man eher die halbe Mannschaft entlassen.“ 

(Fast) immer ohne Co-Trainer

Doch den Kader neu justieren kann die HSV erst im neuen Jahr. Ob die Verantwortlichen, die im Sommer ein Low-Budget-Team zusammengestellt hatten und nun dafür die Konsequenzen erleben, aber dazu überhaupt bereit sind, muss abgewartet werden.

Ein weiteres Problem ist auch, dass Lewejohann die komplette Arbeit fast im Alleingang bewältigen muss. Sein Co-Trainer Alexander Lüggert steht ihm nur sporadisch zu Seite. Und der Wunsch nach einem weiteren Coach in Person des früheren Ahleners Cihan Yilmaz, den Lewejohann gerne zur HSV geholt hätte, wurde ihm vom Verein verwehrt. „Unser Trainer ist die ärmste Sau“, stellt daher Mannschaftskapitän Nils Kisker klar. „Er macht alles alleine. Und dennoch tut er alles dafür, dass wir gut vorbereitet sind. Er gibt jeden Tag 100 Prozent für uns – und das ohne Co-Trainer.“

Aufgeben ist für Lewejohann kein Thema. Das machte er am Montag noch einmal klar. Er will sein Team nicht im Stich lassen, zumal er ja auch seit Beginn der Saison wusste, worauf er sich einlässt. „Jeder sieht, was das für eine Mammutaufgabe ist, die wir zu bewältigen haben. Einfach kann aber jeder“, meint der Coach, der sich am Sonntag neben der Roten Karte für Stürmer David Loheider auch darüber geärgert hatte, dass seine Mannschaft seine Vorgaben in den ersten 45 Minuten überhaupt nicht umgesetzt hatte und erst nach dem Seitenwechsel, als es schon zu spät war, aufgewacht war. 

Ein wenig Freude über den Besuch in Ahlen

„Als wir schon 0:2 in Rückstand lagen, waren die Jungs da. Leider gibt es dafür, dass sie von Anfang an da sind, kein Patentrezept. Das kann man auch nicht trainieren. Wir müssen versuchen, über die kompletten 90 Minuten an unser Limit zu gehen.“

Und dennoch hatte Lewejohann am Ende noch ein wenig Freude an dem Kurztrip nach Ahlen gehabt. „Hier in diesem Verein habe ich meine ersten Gehversuche im Seniorenbereich gemacht. Daher fühlt es sich für mich ein bisschen so an wie nach Hause zu kommen“, sagt er. „Es ist ein offenes Geheimnis, dass ich zu diesem Verein ein mehr als gutes Verhältnis pflege. Ich habe mich gefreut, hier so viele Leute wieder gesehen zu haben.“

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