Fußball

Auf der Suche nach einer Fahrgemeinschaft

Jubelten schon bei RW Ahlen zusammen: Giuliano Nieddu und SVE-Spielertrainer Rouven Meschede (Mitte).
+
Jubelten schon bei RW Ahlen zusammen: Giuliano Nieddu und SVE-Spielertrainer Rouven Meschede (Mitte).

Giuliano Nieddu, den seine Freunde alle nur Nano rufen, wohnt lediglich einen Steinwurf vom Wersestadion in Ahlen entfernt. Daher ist er zu den Trainingseinheiten oder Spielen des Regionalligisten RWA bislang immer zu Fuß gegangen oder mit dem Fahrrad gefahren. Doch diese Zeiten sind mit seinem Wechsel zum Bezirksligisten SVE Heessen (der WA berichtete) vorbei.

Hamm - „Ich muss mal gucken, ob es eine Möglichkeit gibt, dass es eine Fahrgemeinschaft gibt, wenn es irgendwann wieder mit dem Training losgeht“, sagt der 22 Jahre alte Defensivspezialist, ehe er hinzufügt: „Aber ich nehme das alle absolut gerne auf mich.“

Denn das Eigengewächs der Ahlener, das bis auf zwei kurze Abstecher zur U17 von Preußen Münster und zur U19 von Rot Weiss Essen immer für RWA aufgelaufen ist, hat sich in den vergangenen Monaten bei seinem Heimatverein nicht mehr wohlgefühlt. „Ich spiele für mein Leben gerne Fußball. Aber zuletzt habe ich schon zu Beginn jeden Trainings gedacht, wann ist es wieder vorbei“, erklärt er.

Zunächst Stammspieler in Ahlen

In der Aufstiegssaison 2019/20, als die Ahlener in der wegen Corona abgebrochenen Spielzeit den Aufstieg aus der Ober- in die Regionalliga geschafft hatten, war er unter Coach Christian Britsche in der RWA-Defensive absoluter Stammspieler gewesen. In 14 von 18 Partien war er zum Einsatz gekommen und hatte großen Anteil an der Rückkehr in die vierthöchste Spielklasse.

Daher war er im vergangenen Sommer auch mit viel Zuversicht in die neue Spielzeit gestartet, hatte in der bereits im Juni begonnenen Vorbereitung Vollgas gegeben und keine Einheit bis zum Saisonstart verpasst. „Unser Trainer Björn Mehnert hatte mir dann sogar gesagt, dass ich mir gegenüber meinen Konkurrenten auf der linken Abwehrseite einen Vorsprung erarbeitet habe“, erinnert sich Nieddu, der dann auch im ersten Saisonspiel am 5. September bei der unglücklichen 0:1-Niederlage beim Wuppertaler SV in der Anfangsformation des Aufsteigers stand. „Eine Woche später stand ich dann noch nicht einmal mehr im Kader. So groß kann mein Vorsprung ja dann doch nicht gewesen sein, wie mir vorher erzählt worden war. Für mich war das schon sehr unverständlich“, meint er.

Neue Hoffnung unter Mehnert

Lediglich bei der 0:6-Pleite gegen Borussia Dortmund durfte er noch einmal auflaufen, ansonsten hatte ihn Mehnert nicht einmal in den Kader berufen. Als dann Andreas Zimmermann Ende Oktober den erfolglosen Mehnert ablöste, schöpfte Nieddu neue Hoffnung. „Ich habe mich da voll gefreut, dachte, ich bekomme wieder eine Chance“, betont er. Doch ein weiterer Einsatz folgte auch unter dem neuen Trainer nicht, lediglich am 19. Dezember gehörte er noch einmal zum Aufgebot, ansonsten war er immer außen vor. „Sicherlich hatte ich etwas Pech, dass ich in der ersten Trainingswoche bei Andreas Zimmermann noch in Quarantäne war, weil ich Erstkontakt zu einer infizierten Person hatte. Aber irgendwie habe ich nicht die nötige Wertschätzung gespürt. Und ich hatte auch nicht das Gefühl, dass man mit mir immer ehrlich umgegangen ist“, stellt er klar.

Beim SVE Heessen will er nun den Spaß am Fußball wieder finden, sich einfach wohlfühlen und wieder regelmäßig bei den Meisterschaftsspielen auf dem Platz stehen. Daher hat er es auch bewusst in Kauf genommen, vier Ligen tiefer zu spielen als bisher – eine Entscheidung, die in Ahlen mit viel Unverständnis aufgenommen worden war. „Das ist sehr ärgerlich für uns. Wir haben nämlich mit Giuliano langfristig geplant“, hatte RWA-Manager Joachim Krug gegenüber der Glocke erklärt. Doch Nieddu, der im Juni mit seiner Ausbildung zum Erzieher fertig sein möchte, entgegnet: „Ich brauche einfach eine Veränderung. Da ist mir die Liga egal.“

Alte Freundschaft zwischen Nieddu und Meschede

Doch für den 22-Jährigen gibt es noch einen weiteren Grund, warum es ihn ausgerechnet ins Heessener Marienstadion gezogen hat. „Als ich aus der Jugend rauskam, bin ich von Rouven Meschede, der damals in Ahlen absoluter Stammspieler war, super aufgenommen worden. Er war immer ehrlich auf dem Platz, hat einem auch klar gesagt, wenn etwas nicht gut lief. Er war immer wie ein großer Bruder für mich“, schwärmt der SVE-Neuzugang vom Heessener Spielertrainer. „Rouven war immer sehr ehrgeizig, hat dabei aber nie das Menschliche verloren. Und er ist ein Kämpfertyp, mit seiner Spielweise konnte ich mich immer identifizieren. Ich freue mich riesig auf ihn und bin sehr gespannt, wie er so als Trainer ist.“

Defensives Mittelfeld bevorzugt

Nieddu hofft auch, dass er unter Meschede vornehmlich im defensiven Mittelfeld eingesetzt wird. In dieser zentralen Rolle, wo er viel im Mittelpunkt des Spielgeschehens steht, fühlt er sich am wohlsten. „In Essen habe ich auch schon mal als Innenverteidiger agiert. Das war kein Problem. Aber als Secher spiele ich am liebsten“, sagt er.

Wann er allerdings das erste Mal für seinen neuen Klub auflaufen kann, steht aufgrund des Lockdowns völlig in den Sternen. Vorher muss er sich aber noch an eine weitere Veränderung gewöhnen. Denn beim Regionalligisten RW Ahlen war der Spielbetrieb trotz der Corona-Pandemie weiter gelaufen, Nieddu hatte also auch normal mit seinen Teamkollegen trainiert. Beim SVE ist genauso wie bei allen anderen Fußball-Vereinen ab der Oberliga abwärts derzeit alles auf Null gestellt, so dass sich der Heessener Neuzugang in den nächsten Tagen und Wochen individuell fit halten muss. „Ich gehe mit meinen beiden Brüdern Fabrizio und Alessandro, die beide bei Fortuna Walstedde spielen, zwei- oder dreimal die Woche laufen“, stellt er klar. “Aber auch das mache ich gerne und nehme ich in Kauf.” So wie die nun deutlich weitere Anreise zum Training und zu den Spielen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare