1. wa.de
  2. Sport
  3. Hamm

Steven Degelmann bereit für die Rückkehr auf die Trainerbank

Erstellt:

Von: Günter Thomas

Kommentare

Trainer Steven Degelmann reagiert auf das Spiel seiner Mannschaft.
In seinem Element: Steven Degelmann fühlt sich bereit für die Rückkehr auf die Trainerbank. © Reiner Mroß/Digitalbild

Etwas mehr als fünf Monate ist es her, dass Steven Degelmann von der Hammer SpVg freigestellt worden ist. Jetzt drängt es ihn so langsam auf die Trainerbank zurück.

Hamm - Steven Degelmann stand relativ entspannt an der Bande, während er das Spiel seines Heimatvereins TuS Wiescherhöfen beim TuS Germania Lohauserholz beobachtete. Klar, die eine Bemerkung zur Taktik hier oder den anderen Spruch zu den Spielern da konnte er sich nicht verkneifen. Aber am Ende war er ja nur als Zuschauer dort.

„Brauchte ein wenig Abstand“

Vor gut fünf Monaten, am 9. Mai, wurde Degelmann als Trainer der damals noch in der Fußball-Oberliga spielenden Hammer SpVg freigestellt. Seitdem hat er sich aus seinem Sport bewusst ein wenig herausgezogen. „Ich brauchte danach ein wenig Abstand“, sagt der 39-Jährige. „Aber seit drei, vier Wochen gehe ich sonntags wieder auf den Platz, um mir Spiele anzusehen, einfach, um dieses Kribbeln wiederzuhaben.“

Denn obwohl er die Pause und die Zeit mit der Familie genossen hat, geht es ihm wie den meisten Kollegen, die zu Saisonbeginn keinen Verein übernommen hatten: Wenn der Herbst kommt, die Blätter fallen und die Trainer fallen gelassen werden, dann warten sie auf den Anruf, der ihnen ein neues Engagement auf der Trainerbank bescheren könnte.

„Nicht der Typ Aasgeier“

„Mir geht es aber bewusst darum, mir Spiele anzuschauen, zu denen ich auch einen persönlichen Bezug habe, wo ich die Leute treffe, die ich kenne. Ich war zum Beispiel in Rhynern, und jetzt beim TuS Wiescherhöfen“, betont Degelmann, der es selbst immer schrecklich fand, wenn er nach zwei Niederlagen in Folge bemerkte, wie sich die Tribüne mit nicht beschäftigten Trainerkollegen füllte. „Ich würde daher jetzt nicht zum ASC Dortmund fahren und mich da blicken lassen, bloß, weil die gerade ihren Trainer entlassen haben. Ich bin nicht der Typ Aasgeier, der darauf wartet, dass irgendwo einer entlassen wird.“

„Es gibt Gespräche“

Allerdings ist er genau der Typ, der nur schlecht ohne Fußball kann. „Ich spiele seit meinem fünften Lebensjahr, das hat mich geprägt und ist ein Teil von mir“, sagt Degelmann, der als Jugendlicher erst für Wiescherhöfen spielte, ehe er zur Hammer SpVg wechselte, für die er bis 2008 aktiv war, ehe er 2013 nach weiteren Engagements für den SC Wiedenbrück und den FC Gütersloh bis hin zur Regionalliga als Spielertrainer zu seinem Heimatverein nach Wiescherhöfen zurückkehrte. „Den Abstand nach meiner Zeit bei der HSV zu bekommen, war wichtig, aber so langsam will ich das doch wiederhaben – diese Leidenschaft“, ist er jetzt bereit für neue Aufgaben. Wann er diese übernimmt? „Einen Zeitplan habe ich nicht. Aber es gibt Gespräche“, räumt er ein. „Daher kann das in drei Monaten sein – oder vielleicht morgen, wenn es passt.“

Trainingsbeteiligung und Fleiß

In welcher Liga er trainiert, ist dabei für ihn nebensächlich. Eines ist Grundvoraussetzung: „Es muss Spaß machen, das ist ja immer noch Hobby. Ich muss dafür Schichten auf der Arbeit anpassen“, sagt Degelmann, der als Polizist sein Geld verdient, aktuell aber durch eine Handverletzung außer Gefecht gesetzt ist. „Und eine gewisse Trainingsbeteiligung und Fleiß in der Mannschaft müssen schon sein. Am liebsten würde ich daher so hoch wie möglich trainieren. Der eigene Antrieb ist aber sicher auch bei einem guten Bezirksligisten schon gegeben – das wäre kein Hinderungsgrund. In der Liga habe ich mit Wiescherhöfen meine ersten Schritte gemacht. Da hat es geklappt mit der Entwicklung. Aber die Wirtschaftlichkeit muss natürlich passen.“

Auch die Hammer SpVg ist übrigens ein Klub, der für den früheren Innenverteidiger „eine Herzensangelegenheit ist. Wiescherhöfen und die HSV sind beides Vereine, die mich fußballerisch geprägt haben. Im Moment gehe ich zur HSV aber eher nicht hin, weil ich Abstand gewinnen will“, sagt Degelmann. Eine Rückkehr auf die Trainerbank im Hammer Osten schließt er dennoch „grundsätzlich nicht aus“. In naher Zukunft ist das aber keine Option: „Mein Vertrag läuft ja noch – und es wäre, glaube ich, ein Novum, den alten Trainer wieder zurückzuholen...“

Als Spielervater bei der HSV

Als Zuschauer auf der Anlage im Hammer Osten ist er dennoch oft zu finden – um seinen Sohn zu begleiten, der in der „D2“ spielt. Allerdings muss sich Degelmann dort zusammenreißen: „Bei Jugendspielen ist es nicht gerne gesehen, wenn die Eltern von Außen Kommandos geben – da fällt es mir schwer, mich zurückzuhalten“, sagt er. „Aber trotzdem gucke ich da natürlich gerne zu.“ Zumal er am Spielfeldrand mit Ferhat Cerci einen kompetenten Gesprächspartner hat. Cerci ist ebenfalls derzeit beschäftigungsloser Ex-Trainer der HSV, stieg zuletzt mit der IG Bönen in die Westfalenliga auf, ehe der Verein zu Beginn der Saison das Team vom Spielbetrieb zurückziehen musste, und hat ebenfalls einen Sohn, der in der „D2“ der HSV spielt. „Ferhat und ich haben auch zusammen die Trainer-B-Lizenz gemacht“, sagt Degelmann. „Und wir stehen gerne zusammen, haben einen guten Austausch. Dadurch bleibt man am Ball.“

Am Sonntag geht es zusammen mit der Jugend zu einem Freundschaftsspiel bei Borussia Mönchengladbach. Ein Erlebnis für Mannschaft und Eltern – allerdings zu nachtschlafender Zeit, was Degelmann mit Humor nimmt: „Zumindest bin ich dann als Erster beim Bäcker.“

Auch interessant

Kommentare