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Steigende Energiekosten: So gehen die Hammer Vereine mit Flutlicht, Heizung und Mitgliedsbeiträgen um

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Von: Patrick Droste

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In der Westpress Arena, der Heimat des ASV Hamm-Westfalen, steht die Umstellung der Spielfeldbeleuchtung auf LED unmittelbar bevor.
In der Westpress Arena, der Heimat des ASV Hamm-Westfalen, steht die Umstellung der Spielfeldbeleuchtung auf LED unmittelbar bevor. © Reiner Mroß/Digitalbild

Die exorbitant steigenden Energiepreise bedeuten für die Hammer Sportvereine nach der Coronazeit das nächste Destaster. Wir haben bei der Stadt und bei den Klubs nachgehört, welche Konsequezen die explodierenden Kosten haben.

Hamm - Angesichts der exorbitant steigenden Energiekosten stellt sich aktuell die Frage, wie es in Zukunft noch möglich sein wird, in stark beleuchteten Hallen oder unter freiem Himmel mit Flutlicht Sport zu treiben und anschließend zu duschen, wie die Vereine dies finanzieren, wie hoch die Mitgliedsbeiträge sein müssen und wie lange dies noch gut geht, ehe die Sportlandschaft unter der ächzenden Last der Energiekrise wie ein Kartenhaus zusammenfällt – zumal bei vielen Vereinen nach der zweijährigen Coronapause die Reserven aufgebraucht sind.

Was sagt die Stadt Hamm?

Die städtischen Hallen sind nicht geschlossen, werden aber nur auf 18 Grad geheizt. „Zum Thema Sport gibt es bisher keine konkreten Vorgaben im Rahmen der Verordnungen des Bundes – hier warten wir noch ab, ob und gegebenenfalls was vorgegeben wird. Grundsätzlich sind wir – aber nicht erst zuletzt – natürlich mit den Vereinen in Kontakt, um sinnvolle und einfache Energiesparmaßnahmen durchzusetzen“, erklärt Stadtsprecher Lukas Huster. „Hierzu gehören zum Beispiel, dass Plätze gerade in der dunklen Jahreszeit möglichst früh genutzt werden, damit nicht so lange Flutlicht gebraucht wird; dass nicht endlos geduscht wird und dass die Hallen sinnvoll belegt werden, um die Wärme optimal auszunutzen.“ Diese Maßnahmen, so führt der Stadtsprecher weiter aus, seien aber alle nicht neu, sondern seit jeher Bestandteil des Hallen- und Platzmanagements.

Wie reagieren die Hammer Sportvereine?

Noch ist bei den Hammer Fußballvereinen ein vorsichtiges Abwarten angesagt, wobei sich alle Beteiligten bewusst sind, wie ernst die Lage ist. „Das sind spannende Zeiten, die da auf uns zukommen“, sagt Dirk Blumenkemper, Fußball-Abteilungsleiter der Hammer SpVg. „Nach dem Desaster Corona stürzen wir direkt in das nächste Desaster. Natürlich muss es weitergehen. Aber wie es weitergeht, werden wir sehen.“ In einer ersten Handlung hat der HSV-Vorstand seine Mannschaften, die zu später Abendstunde unter Flutlicht trainieren, darauf hingewiesen, dass sich Teams einen Platz teilen sollen und dadurch nur eine Flutlichtanlage eingeschaltet werden muss. „Es sollen nicht zwei Mannschaften auf zwei, sondern zwei auf einem Platz trainieren“, so Blumenkemper.

Beim Fußball-A-Kreisligisten BV 09 Hamm hatte der Verein im Mai nach einer ersten Erhöhung 400 Euro monatlich an Energiekosten für Heizung, warmes Wasser, Flutlicht Licht oder Kühlschränke aufzubringen. Aber Marco Herzebrock, der Vorsitzende, weiß, dass da in Zukunft mehr auf den Verein zukommen wird. Einschränkungen für die Mitglieder soll es aktuell nicht geben, vielmehr will der Verein weiter daran arbeiten, Energiekosten einzusparen. So hat der BV 09 beim Landessportbund (LSB) den Antrag für einen Energieberater gestellt. Dieser kostet normalerweise 1 000 Euro, über den LSB 500 Euro. „Der kommt dann zum Verein, schaut sich die Gegebenheiten an und schlägt entsprechende Maßnahmen vor. Wenn man die dann umsetzt, bekommt man auch die 500 Euro zurückerstattet“, betont Herzebrock und hofft, dass auch die Stadtwerke weiter so gut mit den Vereinen zusammenarbeiten. „Ansonsten sind bald alle Vereine pleite. Andererseits kann natürlich aber auch nicht alles von der Stadt oder den Stadtwerken übernommen werden“, sagt er.

Der Hammer SC, der größte Sportverein der Stadt, muss aufgrund der Tatsache, dass er mit den beiden Kindergärten, dem Sportwerk, dem Neubau an der Fuchshöhle, der Bogensport- und Tennishalle sowie dem Vereinszentrum zahlreiche eigene Sportstätten besitzt, für eine enorme Energieversorgung aufkommen. „Wir haben schon alles Mögliche getan. Wir gehen trotzdem davon aus, dass sich das um 100 Prozent erhöhen wird“, sagt der 1. Vorsitzende Jörg Hegemann und betont, dass er froh ist, dass bei allen Bauvorhaben in der jüngeren Vergangenheit darauf geachtet worden war, durch LED-Beleuchtungen oder andere Maßnahmen den Energieverbrauch zu reduzieren. Lediglich das Flutlicht auf dem Kunstrasenplatz an der Fuchshöhle ist noch nicht mit LED-Strahlern ausgestattet, ein entsprechender Antrag wurde aber bereits gestellt.

Trotz der Zusatzkosten, die auf den Verein zukommen, wollen Hegemann und seine Mitstreiter auf große Einschränkungen für die Mitglieder verzichten. „Wir sind so froh, dass die nach der Corona-Pandemie alle wieder da sind. Die möchten wir nicht wieder vergraulen“, betont er.

Arnulf Kleine, Vorsitzender des SV Westfalia Rhynern, hat mit seinen Mitstreitern bei der Planung des neuen Sportparks darauf geachtet, Energie zu sparen.
Arnulf Kleine, Vorsitzender des SV Westfalia Rhynern, hat mit seinen Mitstreitern bei der Planung des neuen Sportparks darauf geachtet, Energie zu sparen. © Reiner Mroß/Digitalbild

Der SV Westfalia Rhynern hat erst vor wenigen Wochen seinen neuen Sportpark eröffnet und dabei laut Arnulf Kleine „bei der Planung vor mehreren Jahren natürlich auch berücksichtigt, Energie zu sparen. Wir haben uns auch vom Ökozentrum und den Stadtwerken beraten lassen“, fügt der Vorsitzende hinzu. So wird im neuen Vereinsheim für die Fußbodenheizung eine Wärmepumpe genutzt, zusätzlich Gas für Warmwasser in Spitzenzeiten. Zudem ist das Gebäude gut gedämmt und erfüllt laut Kleine alle zur Zeit geltenden Richtlinien. Desweiteren wurde im Stadion LED-Flutlicht installiert und zuletzt mit finanzieller Förderung durch das Bundesumweltministerium und Unterstützung durch den Stadtsportbund das Flutlicht an den Trainingsplätzen von Halogen auf LED umgerüstet. Die Temperaturen in den Fluren und Kabinen werden auf 19 Grad reduziert, zudem wünschten sich die Westfalia-Verantwortlichen, dass die Sportler mit dem warmen Duschwasser sparsam umgehen. „Insofern sind wir gut vorbereitet, wissen aber natürlich momentan überhaupt noch nicht, welcher Energieverbrauch letztendlich auf uns zukommt und wie hoch unsere Nebenkosten im Vergleich zu den Vorjahren bei den inzwischen gestiegenen Energiekosten sein werden“, sagt Kleine, der zudem mit seinen Mitstreitern noch prüfen will, ob eine Investition in Photovoltaik seitens des Vereins finanziell machbar ist.

Tina Wilke, Geschäftsführerin des TuS 59 Hamm, redet nicht lange um den heißen Brei herum. „Uns graut es vor dem Winter mit den großen Preisexplosionen“, sagt sie. „Gerade erst haben wir die Corona-Krise überstanden, da kommt die nächste Krise.“ Aktuell wird beim TuS 59 der Jahresverbrauch ermittelt, um hochzurechnen, was auf den Verein zukommen wird. Denn der TuS 59 betreibt eine Kita mit einer eigenen Sporthalle, hat die Tennishalle in Vereinsbesitz und muss für die Geschäftsstelle aufkommen. „Die Tennishalle schlägt natürlich voll rein“, gibt Wilke zu. „Da haben wir die Mietpreise für die Felder schon angepasst, wobei die Mehreinnahmen die Mehrkosten nicht decken werden.“ Zudem wird die Temperatur in der Halle nach unten reguliert, wird darauf geachtet, dass die Fenster über Nacht nicht offen stehen und dass sinnvoll gelüftet wird. Zudem wurden in den vereinseigenen Anlagen bereits Bewegungsmelder angebracht, damit das Licht nicht unnötig lange brennt. „In der Sporthalle der Kita heizen wir zum Glück mit Erdwärme, in der Geschäftsstelle mit Luftwärme, da sind wir ganz gut aufgestellt“, betont die Geschäftsführerin.

Wie sieht es mit der ASV-Halle aus?

Noch zeigt sich Christoph Dressel, Hallenbetreiber der Westpress Arena, relativ gelassen, gibt aber auch zu: „Diese Preissteigerungen in allen Bereichen tun natürlich extrem weh.“ In den Fluren der Heimspielstätte des Handball-Bundesligisten ASV Hamm-Westfalen wurde bereits auf LED-Beleuchtung umgestellt, die Umstellung der Spielfeldbeleuchtung folgt in den nächsten Tagen. „Das ist leider ein großes Investment, aber es ist wichtig, das jetzt zu machen“, sagt Dressel, der sich auch dem Ökoprofit Hamm angeschlossen hat, um zusammen mit anderen Hammer Unternehmern das Thema Nachhaltigkeit und Einsparmöglichkeiten im Energiebereich zu verbessern. So werden, wie in anderen öffentlichen Gebäuden, auch in der Westpress Arena die Büros und die Spielfläche nur auf 19 Grad beheizt. Glücklich ist Dressel darüber, dass er erst im Februar mit den Stadtwerken Hamm einen Stromvertrag für die nächsten drei Jahre abgeschlossen hat. „Dadurch können wir kalkulieren, und es fliegt uns nichts um die Ohren“, sagt er. Zudem wurden die Handballer des ASV sensibilisiert, beim Duschen eigenverantwortlich zu handeln. „Aber es gibt da keine Vorgaben. Und es steht auch keiner daneben und drückt beim Duschen auf die Stechuhr“, stellt er klar.

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