Boxen

Stefania Tse erlebt einen verspäteten Abschied aus dem Nachwuchsbereich

Italien im Blick: Stefania Tse hofft bei der EM auf eine Medaille.
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Italien im Blick: Stefania Tse hofft bei der EM auf eine Medaille.

Seit Mitte Juli hatte sich Stefania Tsae auf die U22-Box-Europameisterschaften, die ab dem 17. September in Italien stattfinden sollten, vorbereitet. Jetzt gibt es aber Neuigkeiten.

Hamm - Stefania Tse hatte geschuftet, unter Corona-Bedingungen ihre Trainingseinheiten absolviert und alles dafür getan, um für diese kontinentalen Titelkämpfe fit zu sein. Jetzt aber ist die EM verschoben worden und soll erst im Dezember nachgeholt werden. Die 22 Jahre alte Kämpferin vom Märkischen Boxring (MBR) Hamm findet es aber alles andere als schlimm, dass ihr Wettkampf erst mit einer fast dreimonatigen Verspätung nachgeholt wird – sie kann dieser Tatsache sogar viel Positives abgewinnen.

„Dann kann ich mich länger auf die EM vorbereiten. Da Boxen eine Kontaktsportart ist, mussten wir wegen Corona lange Zeit alleine trainieren. Jetzt fängt es mit den ersten Wettkämpfen an. Daher ist das gut so“, sagt Tse, die in diesem Jahr aufgrund ihres Alters das letzte Mal in der U22-Klasse an den Start gehen kann und sich nur zu gerne mit einer Medaille aus dem Nachwuchsbereich verabschieden will, ehe sie im Elitebereich boxen wird.

Zwischenzeitlich in privater Kampfschule

Im Juli hatte sie begonnen, sich für die Europameisterschaften vorzubereiten. Am Anfang stand vor allem das Grundlagentraining auf dem Programm, anschließend ging es darum, im Kraftbereich zuzulegen, ehe jetzt zuletzt im Bereich Taktik gearbeitet wurde. „Ich habe aufgrund von Corona viel mit ihr alleine bei uns in der kleinen Halle trainiert, entweder vor oder nach den anderen“, erklärt MBR-Coach Ralf Gerards. Zwischenzeitlich war das Duo aufgrund der Bauarbeiten an der Halle des Friedrich-List-Kollegs II sogar in eine private Kampfschule ausgewichen.

Neben dem Training musste Tse aber auch ihr Gewicht reduzieren. Zuletzt war sie in der Klasse bis 69 Kilogramm an den Start gegangen. Doch da hat sie sich nicht so wohl gefühlt und hat daher alles dafür getan, um wieder in der Klasse bis 64 kg antreten zu können. „Bis 69 Kilogramm hat das irgendwie nicht für mich gepasst“, sagt sie. „Ich habe meine Stärken eher eine Gewichtsklasse tiefer.“ Gehungert hat sie dabei aber nicht, um ein paar Kilos zu verlieren. „Wenn man das macht, kann man keine Leistung bringen, dann hat man keine Power.“

Noch einmal in der schweren Gewichtsklasse

Am kommenden Wochenende wird sie aber doch noch einmal in der schweren Gewichtsklasse mitmischen. Beim nationalen Kader-Überprüfungsturnier der besten deutschen U22-Elite-Boxer und -Boxerinnen in Chemnitz, bei dem sie am Freitag ihren ersten Einsatz haben wird, gab es nicht genug Kämpferinnen bis 64 kg. Daher wird sie sich bei diesem Round-Robin-Turnier bis Sonntag mit den etwas schwereren Gegnerinnen messen. „Ich denke, das ist aber kein Problem. Ich will nur zeigen, dass ich gut in Form bin“, sagt Tse.

Danach wird sie sich für eine kurze Zeit ein wenig Ruhe gönnen, ehe es dann mit Vollgas Richtung EM in Italien geht. Dass sie dort starten darf, hatte sie selbst überrascht. Denn auf nationaler Ebene gehört sie mit ihren 22 Jahren nicht mehr dem U22-Bereich an, international darf sie aber noch in dieser Altersklasse mitmischen. „Das war im Frühjahr ein unerwarteter Anruf, den ich von unserem Verband bekommen haben“, erinnert sie sich an das Telefonat, das ihre Pläne für dieses Jahr komplett veränderte.

Traum von der Medaille

Vor zwei Jahren bei den U22-Titelkämpfen hatte sie in Wladikawkas Rang fünf belegt, jetzt will die MBR-Boxerin aber mehr. „Nach Rang fünf wäre eine Treppchenplatz schon eine feine Sache“, betont sie, wohl wissend, dass in diesem Jahr aufgrund von Corona aber nichts planbar ist.

Daher freut sie sich erst einmal auf dieses Wochenende in Chemnitz, wo sie mehrmals in den Ring steigen wird. Denn auch wenn sie bei diesem Turnier in ihrem ersten Kampf eine Niederlage einstecken sollte, werden die Verliererinnen gegeneinander antreten. „Letztlich boxt dann jede gegen jede einmal. Dadurch habe ich ein bisschen Wettkampfpraxis. Und das ist nach der langen Zeit sehr gut“, betont sie und hofft nur, dass sie sich bei diesem Kadersichtungsturnier in guter Form präsentiert – und dass es in den kommenden Wochen nicht zu einer zweiten Corona-Welle kommt. Denn dann wäre ihr Traum von einer EM-Medaille bei ihrem letzten Start in der U22-Klasse geplatzt.

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