Boxen

Wofür Stefania Tse all ihre Urlaubstage investiert

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Stefania Tse

Intensiv bereitet sich Stefania Tse vom MBR Hamm derzeit im Olympiastützpunkt in Frankfurt/Oder auf die U22-Europameisterschaften im russischen Wladikawkas vor. Bei den Titelkämpfen will die 20-Jährige den Sprung auf das Treppchen schaffen und eine Medaille mit nach Hause bringen

Hamm – Es sind harte Einheiten, die Stefania Tse in dieser Woche zu absolvieren hat. Im Olympiastützpunkt in Frankfurt/Oder bereiten sich nicht nur die 19 Athleten des Deutschen Boxverbandes (DBV) auf die Titelkämpfe in Wladikawkas, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Nordossetien-Alanien an der Grenze zu Georgien, vor, sondern auch die besten Boxer aus Finnland, Tschechien, England und Polen. „Wir machen viel wettkampfnahes Training mit Partnerübungen. Es geht also um den Feinschliff, um fit für die EM zu sein“, erklärt Tse. So standen Dienstag mit den Boxerinnen aus den anderen Nationen die ersten Sparringsrunden an, Donnerstag und Samstag folgen weitere. „Da kann man schon mal internationale Wettkampferfahrung sammeln“, betont die junge Hammerin.

Konditionell voll auf der Höhe

Am Samstag war sie genauso wie die anderen Athleten aus Nordrhein-Westfalen von Ralf Gerards nach Frankfurt gebracht worden. Der MBR-Cheftrainer hatte vor Ort am Wochenende die Einheiten verfolgt, ehe er sich am Montag arbeitsbedingt wieder auf den Rückweg nach Hamm machte. „Aber ich habe da schon gesehen, dass Stefania konditionell absolut mithalten kann“, sagt Gerards, der sich darüber allerdings nicht sonderlich wundert.

Denn er hat seinen Schützling bereits in den vergangenen Wochen in Hamm intensiv auf die EM vorbereitet. Im Jahnstadion musste Tse zum Beispiel sechs Tempoläufe über 800 Meter oder zehn über 400 Meter absolvieren. Und selbst vom Schnee, der Ende Januar in Hamm gefallen war, hatten sich Gerards und Tse nicht stoppen lassen. So hatte der Chefcoach an einem Morgen um 9 Uhr Treppenläufe im Lippepark in Herringen angesetzt. Tse gab am Abend zuvor allerdings zu bedenken, dass die Treppe voller Schnee und es unmöglich sei, dort zu laufen. „Ich habe ihr dann nur gesagt, das geht“, verrät der Trainer, der sich am nächsten Morgen um 8 Uhr mit einem Schneeschieber und Salz auf den Weg nach Herringen machte und die Treppe vom Eis befreite, so dass Tse pünktlich um 9 Uhr mit ihrer Kraft raubenden Einheit beginnen konnte. „Man ist schon verrückt, das alles zu machen. Aber Fakt ist, dass Stefania supergut vorbereitet ist“, so Gerards.

Tse traut sich einen Treppchenplatz zu

Aber nicht nur der Coach hat ein klares Ziel vor Augen. Auch Stefania Tse zeichnet ihre Beharrlichkeit aus. Selbst im Weihnachtsurlaub in Griechenland hatte die 20-Jährige ihr Programm durchgezogen. „Wenn sie etwas will, dann will sie es auch. Und wenn sie etwas nicht hinbekommt, dann übt sie so lange, bis es klappt. Der Ehrgeiz ist definitiv da“, sagt der Coach, der Tse bei den Titelkämpfen daher auch einiges zutraut: „Einen Treppchenplatz kann ich mir durchaus vorstellen.“

Tse hatte sich über ihre Erfolge in den vergangenen zwei Jahren für diese Europameisterschaft qualifiziert. Bei der deutschen U21-Meisterschaft 2017 hatte sie im Mittelgewicht (bis 75 kg) Gold gewonnen, im vergangenen Jahr hatte sie im Weltergewicht (bis 69 kg) Silber erkämpft. In Wladikawkas wird sie zu ihrer eigenen Freude wieder im Mittelgewicht antreten. „Das finde ich ganz gut“, sagt sie – und fügt mit einem verschmitzten Lächeln hinzu: „Dann muss ich nicht so viel an Gewicht abkochen.“

Nach dem Trainingslager in Frankfurt hat sie anschließend noch zehn Tage in Hamm Zeit, ehe es am 6. März Richtung Südrussland geht, wo sie im Konzert der besten europäischen Boxerinnen mitmischen will: „Ich hoffe schon, dass ich eine Medaille hole. Dafür arbeite ich.“

Und dafür hat sie auch ihre Urlaubstage für das erste Halbjahr geopfert, kann daher erst wieder ab Juli in die Ferien fahren und frei machen. „So eine Chance bekommt man nur einmal“, erklärt Tse, die als Erzieherin an einer Hammer Kita arbeitet, gleichzeitig aber auch noch ein Fernstudium in der Fachrichtung Management und Soziales Arbeiten in Köln absolviert. „Das ist das, was ich meine“, sagt Trainer Gerards. „Sie ist beharrlich und zieht das durch, was sie sich vornimmt.“

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