Titel im Boater Cross

Weltmeister Stefan Hengst: "Da wurde geprügelt"

+
Stefan Hengst (rechts) hatte im Finale mit genügend Körpereinsatz die Nase vorn

Im Kanuslalom hatte Stefan Hengst mit der deutschen Nationalmannschaft im Junioren- und Seniorenbereich schon einige WM- und EM-Titel eingefahren. Einzelweltmeister war der 25-Jährige aus Heessen aber noch nie geworden. Das holte er am Sonntag in Prag nach, als er im Boater-Cross Weltmeister wurde.

Hamm - Zwar mussten die anschließenden Feierlichkeiten bis zur Rückkehr nach Deutschland warten, dennoch ließ Hengst bereits im Anschluss des Wettbewerbs seinen Emotionen freien Lauf.

„Das ist ein Mega-Gefühl, besonders hier in Tschechien“, freute sich der 25-Jährige, der hofft, dass sein Lieblingssport bald zu den olympischen gehört. „Es wird Zeit. Spannend und attraktiv ist der Boater-Cross-Sport allemal“, betonte er.

Nachdem seine müden Knochen in Folge der anstrengenden vergangenen Woche versorgt wurden, sprach Hengst mit Patrick Droste darüber, wie er zu Gold gefahren ist und was ihm dieser Titel bedeutet. 

Herr Hengst, erst einmal herzlichen Glückwunsch. Da haben Sie ja mal für einen Paukenschlag gesorgt. Wie fühlt es sich an, Weltmeister zu sein? 

Vielen Dank. Ich bin natürlich glücklich, dass ich zum ersten Mal in meiner Karriere Einzelweltmeister bin. Aber ich habe schon wieder die nächsten Ziele in Sicht. Am kommenden Wochenende findet in Hohenlimburg, also quasi bei mir vor der Haustür, die deutsche Meisterschaft im Kanu-Slalom statt. Und in weiterer Ferne ist das Ziel, nächstes Jahr wieder die Qualifikation für die deutsche Nationalmannschaft anzugehen. Da hilft so ein Titel natürlich ungemein. Denn da ist man schon neu motiviert. 

Haben Sie den Titel denn entsprechend gefeiert? 

Eher weniger. Nach dem Rennen musste ich an der Strecke direkt zur Dopingkontrolle. Anschließend haben wir unsere Sachen zusammengepackt und ich habe mich in mein Auto gesetzt und bin mit einem Kumpel von Prag nach Hause in Augsburg gefahren. Da bin ich um ein Uhr in der Nacht angekommen, habe mich auf die Couch fallen lassen, ein Bier aufgemacht und mit mir selber angestoßen. 

Ihr Wettbewerb startete bereits am vergangenen Mittwoch mit der Qualifikation, wo es für Sie bereits gut lief. 

Ja, das stimmt. In der Quali musste jeder alleine die Strecke runterfahren. Und anhand der Zeiten wurden dann die Startplätze für die acht Achtelfinalrennen mit jeweils vier Startern vergeben. Ich hatte die drittbeste Zeit, das war schon mal recht positiv. Denn dann konnte ich mir den Platz auf der Rampe aussuchen. Und aufgrund der Strömung unter der Rampe war der rechte Startplatz der schnellste. 

Erst am Sonntag ging es dann weiter mit dem Achtelfinale und den weiteren Runden bis zum Endlauf. Sie haben das recht souverän gemeistert, oder? 

Ich bin in jeder Runde Erster geworden. Wobei das schon in jedem Rennen ein Riesenkampf war. Denn alle Top-32-Fahrer sind richtig fit und gehören zu den besten Slalom-Fahrern der Welt. Aber ich habe mich gut durchgebissen. Sehr cool war zum Beispiel das Halbfinale, wo ich auf zwei Tschechen getroffen bin, die von ihren Fans heftig angefeuert worden sind. Aber am Ende haben sie mir auch zugejubelt, als ich als Erster durchs Ziel gefahren bin. Das war eine tolle Kulisse. 

Und wie lief das Finale gegen den Tschechen Vavrinec Hradilek, Pedro Goncalves aus Brasilien und den Russen Nikita Gubenko? 

Von der Rampe weg wurde da geprügelt, so dass man gar nicht richtig paddeln konnte. Aber ich kam als Erster durch das erste Tor und habe den Turbo gezündet. Beim ersten Aufwärtstor hat der Russe mich an die Wand gedrückt und ist an mir vorbeigezogen. Nach der Rollzone gab es zwei Aufwärtstore. Ich habe da das linke gewählt, der Russe und die beiden anderen aber das rechte, wo sie sich bekämpft haben. Ich hatte auf meiner Seite freie Bahn und bin weggezogen. Diesen Vorsprung habe ich nicht mehr abgegeben und dann ausgelassen gejubelt. 

Welchen Stellenwert hat dieser Titel für Sie? 

Natürlich einen sehr großen, wobei ich aber nicht nur mich, sondern diese gesamte, neue Sportart sehe. Ich hoffe, dass Boater-Cross durch diese WM gepusht worden ist. Wir alle hoffen, dass das 2024 in Paris olympisch sein wird. Wenn das passiert, wäre das ein Riesenschritt für uns. Ich wäre dann 30 Jahre alt und wäre dann vielleicht dabei. 

Boater-Cross ist für die Zuschauer sehr spektakulär mit dem Sprung von der Rampe und dem Kampf von vier Fahrern. Wie sehen Sie Ihre Sportart? 

Ich finde, dass das eine ungemein attraktive Sportart ist. Es fängt auf der Rampe an, dass jeder seine Faxen macht. Dann geht es steil runter ins Wasser. Das ist schon mal cool und nicht alltäglich. Und auf der Strecke ist viel Action angesagt, es passiert immer etwas. Und wenn man im Ziel ist, weiß man sofort, wer gewonnen hat. Dadurch ist Boater-Cross im Vergleich zu anderen Sportarten durchschaubarer, und man kann viel besser mitfiebern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare