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Stefan Hengst ist wieder reif für die Insel im indischen Ozean

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Von: Peter Schwennecker

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Training bei 30 Grad unter Palmen: Stefan Hengst fühlt sich wohl auf der Insel La Reunion.
Training bei 30 Grad unter Palmen: Stefan Hengst fühlt sich wohl auf der Insel La Reunion. © Bremer

Wer den Großteil des Winters bisher auf einer Insel im indischen Ozean verbracht hat, der gerät in den heimischen Gefilden angesichts der Temperaturen um den Gefrierpunkt leicht ins Frösteln. Stefan Hengst, einzig noch verbliebener Kanu-Slalom-Fahrer der Leistungsklasse des Kanu-Rings Hamm, nimmt deshalb derzeit erst einmal Abstand vom nassen Element.

Augsburg/Hamm - „Ich mache momentan ein paar Tage Pause und gehe nicht zum Training ins Wasser“, bestätigt der Heessener, der seit einigen Jahren nur unweit des Kanu-Slalom-Bundes-Leistungszentrums in Augsburg wohnt, dort versucht, Leistungssport, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bringen. An die Kälte will er sich möglichst nicht gewöhnen. Denn schon am 29. Januar geht es wieder für vier Wochen auf die Insel La Reunion, ein französisches Übersee-Département im Indischen Ozean.

Nicht nur für Touristen ist die Insel, die östlich von Madagaskar liegt und die für das vulkanische, von Regenwald bedeckte Inland sowie für die Korallenriffe und Traumstrände bekannt ist, ein echtes Paradies. Für die Kanu-Slalom-Fahrer bietet La Reunion gerade zu Corona-Zeiten nahezu perfekte Bedingungen für ein Trainingslager. „Alles ist unkompliziert, weil die Insel zu Europa zählt“, bestätigt Hengst. „Nach der Autofahrt Richtung Paris folgt der längste Inlandsflug der Welt“, flachst der Hammer Leistungssportler. „Die Corona-Schutzmaßnahmen ähneln denen bei uns in Deutschland. Zudem kann man mit Euro oder ganz einfach mit der EC-Karte bezahlen.“

Kurzer Heimaturlaub über Weihnachten

In den vergangenen Jahren haben die deutschen Slalom-Fahrer meist in Sydney oder Dubai ihr Warmwasser-Trainingslager im Winter bestritten. Doch wegen der immer komplizierter werdenden Quarantäne-Bestimmungen ist der Deutsche Kanu-Verband in die französische Dependance ausgewichen. Bereits Anfang Dezember war Hengst zwei Wochen lang mit dem Team um Bundestrainer Thomas Apel auf der Insel. Nach einem kurzen Heimaturlaub über Weihnachten war er zum Jahreswechsel mit einer Kanu-Gruppe aus NRW weitere 14 Tage auf La Reunion. Und ab dem 29. Januar reist Hengst gemeinsam mit den Augsburger Nationalmannschafts-Kollegen Noah Hegge und Hannes Aigner erneut auf die Insel, um vier Wochen lang den Feinschliff für die anstehende Kanu-Slalom-Saison anzusetzen.

Für dieses Erlebnis nimmt er auch gerne erneut die elfeinhalb Stunden Flug in Kauf. Sein Trainingsboot hat er beim letzten Mal gleich vor Ort gelassen, um die Transportkosten zu sparen. Auf La Reunion wird auf einem künstlich angelegten Kanal trainiert. „Die Bedingungen sind mit unseren Standards in Augsburg oder Markkleeberg zwar nicht zu vergleichen, aber immer noch sehr gut“, berichtet Hengst. „Traumhaft ist, dass man mit dem Boot gleich bis in den Indischen Ozean paddeln kann. Nur an das Salzwasser muss man sich erst einmal gewöhnen.“

Hengst hat klare Ziele für die Saison

Auch für die kommende Saison hat sich Stefan Hengst einiges vorgenommen, ob im Kanu-Slalom oder aber im Boater Cross. In beiden Disziplinen hat er im vergangenen Jahr internationale Medaillen geholt. Er gewann 2021 EM-Silber mit der deutschen Mannschaft im italienischen Ivrea, im Extrem Kajak wurde er mit dem Team in Moos/Südtirol sogar Weltmeister. Doch an weiteres Edelmetall will der Hammer erst einmal nicht denken. Zunächst muss er vom 6. bis 8. Mai in Augsburg die nationale Qualifikation mit der gesamten deutschen Elite meistern.

Dort werden lediglich drei Tickets für die wichtigsten Wettbewerbe der Saison vergeben. Vom 26. bis 29. Mai finden in Liptovsky Mikulas (Slowakei) die Europameisterschaften im Kanu-Slalom statt. Unbedingt möchte Hengst natürlich bei der Heim-Weltmeisterschaft vom 26. bis 30. Juli in Augsburg dabei sein. Und auch die Teilnahme an den folgenden Weltcups sind lohnenswerte Ziele. „Deswegen werde ich mich, bevor ich über weitere Herausforderungen nachdenke, erst einmal voll auf die Quali konzentrieren, bei der es praktisch um alles geht“, beteuert der 27-Jährige. „Danach geht es dann Schritt für Schritt weiter.“

Das Wildwasserfahren muss Hengst vernachlässigen

Lediglich sein großes Hobby, das Wildwasserfahren, wird er dafür vernachlässigen müssen. „Ich habe eigentlich immer noch an den großen Wettbewerben wie King of the Alps oder Oetz Trail teilgenommen, doch die kollidieren in diesem Jahr mit den wichtigen Slalom-Terminen.“ Für Hengst wären diese Veranstaltungen aber nur ein sehr schwacher Trost, falls er sich nicht für das deutsche A-Team qualifizieren sollte. „Dann hätte ich auch für solche Dinge ausreichend Zeit, doch mein großes Ziel ist die Heim-WM in Augsburg. Wenn ich mich qualifiziere, will ich dort auch das Finale erreichen. Und wenn man dann einmal in Finale steht, dann ...“

Derzeit geht er in Augsburg erst einmal wieder seiner beruflichen Tätigkeit nach. Im vergangenen Jahr hat er die Ausbildung zum Kaufmann beim Kanu-Hersteller Orbit abgeschlossen. „Ich habe das Glück, dass ich hier weiter in Teilzeit arbeiten kann, sowohl im kaufmännischen als auch im Bereich Produktentwicklung.“ Dort ist er mit seiner Erfahrung als Leistungssportler natürlich ein gefragter Mann. „Ich laminiere zwar nicht mehr selbst, doch ich weiß, wie das geht“, bestätigt Hengst, der in diesen Tagen auf die Fertigstellung seines neuen Kajaks wartet. Mit großer Spannung und auch Erwartung, denn damit will er es möglichst bis zur Weltmeisterschaft in Augsburg schaffen.

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