Kanusport

Überraschung: Der nächste WM-Titel für Hengst

Mit Spaß zum Titel: Auf der Strecke in Moos (Südtirol) wurde Stefan Hengst im Teamwettbewerb Weltmeister im Extrem Kajak.
+
Mit Spaß zum Titel: Auf der Strecke in Moos (Südtirol) wurde Stefan Hengst im Teamwettbewerb Weltmeister im Extrem Kajak.

Am Montagmorgen hatte der Alltag Stefan Hengst schon wieder eingeholt. Da musste der 27 Jahre alte Heessener einen Schnelltest absolvieren, um anschließend das Bundesleistungszentrum (BLZ) der Kanuslalom-Fahrer in Augsburg zu betreten.

Moos - „Das müssen wir immer machen, wenn wir von einem Wettkampf im Ausland zurückkommen“, sagte der Fahrer vom Kanu-Ring Hamm und konnte dabei nur schwer ein breites Grinsen in seinem Gesicht unterdrücken. Denn Hengst war am Wochenende in Moos (Südtirol) Weltmeister im Extrem Kajak im Team und Vierter bei der Europameisterschaft im Einzel geworden. Entsprechend überschwänglich war auch noch am Tag danach seine Laune: „Damit habe ich nie gerechnet. Das war echt super.“

Gegen rund 150 Wildwasser-Experten angetreten

Bevor sich Hengst aber zum Weltmeister krönen lassen durfte, musste er mehrere Male auf die Strecke im Passeiertal. Als Erstes stand die Qualifikation im Einzel an. Hier gingen rund 150 Wildwasser-Experten auf die fünf Kilometer lange Strecke und versuchten erst einmal, sich eine möglichst optimale Position für den Start zu erkämpfen. „Das ist ein fliegender Start. Und als es losging, hatte ich mich schon ganz gut nach vorne gekämpft und mich ein wenig breit gemacht, so dass ich in der ersten Reihe war, als das Rennen freigegeben wurde“, sagte Hengst, der dadurch einen Großteil der Konkurrenz schnell hinter sich gelassen hatte.

Nach rund zwei Minuten mit einer Menge Action und Positionskämpfen hatte sich der Heessener zusammen mit anderen Fahrern dann sogar vom großen Feld abgesetzt. „Ich hatte eine ganze gute Linie gefunden und habe meine Kraft reingehauen.“ Letztlich kam er im Ziel in Riffian als Dritter an und hatte sich auf souveräne Weise seinen Platz im Feld der besten 32 gesichert.

Vierter Platz im Einzelrennen

In der nächsten Runde ging es von der moderaten Strecke des Massenstarts ein wenig weiter nach oben ins schwere Wildwasser. Hier traf Hengst als Dritter auf den Drittlangsamsten der Finalrunde, behauptete sich erneut und durfte anschließend mit den Top 16 plus einem Lucky Loser um die EM-Medaillen kämpfen. In diesem finalen Lauf wurde jeder Fahrer einzeln auf die Strecke geschickt – und wer die beste Zeit vorzuweisen hatte, durfte sich neuer Europameister nennen. Hengst verpasste den Sprung aufs Treppchen knapp, wurde Vierter und war damit dennoch hochzufrieden: „Die Strecke war extrem schwer. Ich habe da schon Augen gemacht, wenn da eine fette Welle oder Walze vor mir stand. Und ich als Slalomfahrer bin da auf die besten Wildwasserexperten getroffen.“

Noch besser trumpfte der in Augsburg lebende Hengst zusammen mit Yannick Volke aus Schwerte im Teamwettbewerb auf, der als Weltmeisterschaft ausgeschrieben war. Das Duo war ohne Ambitionen an den Start gegangen und wollte den Wettkampf einfach nur genießen. „Wir wollten Spaß haben“, sagte Hengst und machte sich daher ohne Druck und Stress auf den Weg Richtung Ziel.

Im Teamwettbewerb nicht zu schlagen

Beim Teamwettbewerb ging es allerdings anders als zuvor im Einzel nicht nur gerade aus durch das Wildwasser nach unten, sondern ungefähr in der Mitte der Strecke musste ein Aufwärtstor befahren werden. „Das war für uns beiden als Slalomfahrer natürlich kein Problem. Das kennen wir von unseren Wettkämpfen zu genüge und trainieren das daher auch“, erklärte der 27-Jährige und fügte hinzu: „Wenn man dieses Tor nicht schafft, bekommt man eine Zeitstrafe von 50 Sekunden. Und wenn man die kassiert, ist man raus, dann kann man nicht mehr vorne angreifen.“

Während das Duo aus Hamm und Schwerte an dem Tor keine Zeit liegen ließ, hatten viele der zuvor hoch gehandelten Wildwasserexperten große Probleme mit dieser Herausforderung und handelten sich dort die 50 Sekunden ein. „Yannick und ich waren schon früh gestartet und hingen im Ziel herum. Auf einmal hieß es dann, dass wir gewonnen haben“, konnte es Hengst am Anfang gar nicht glauben, dass er nach seinem Sieg im Boater Cross 2019 seiner Vita noch einen weiteren Weltmeistertitel hinzufügen kann.

Zudem hat er an dieser Wettkampfart gefallen gefunden und will nun schauen, wann er in dieser Sportart ein weiteres Mal an den Start gehen kann. „Ich habe da wirklich eine Menge Spaß dran, einfach geradeaus runter zu prügeln und mich mit den Konkurrenten zu batteln. Vielleicht starte ich im Oktober bei der Ötz Trophy“, meint Hengst. „So wie ich drauf bin, habe ich gute Chancen.“

Nächste Weltcuprennen am kommenden Wochenende

Vorher aber stehen noch Weltcuprennen an: am kommenden Wochenende in Prag, wo der Heessener im Boatercross startet. Und eine Woche später in Markkleeberg, wo er sowohl im Boatercross als auch im Slalom dabei sein wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare