Kanuslalom

Stefan Hengst bei der WM: „Wir liebäugeln mit einer Medaille“

Vertreten Deutschland im Team-Wettbewerb: Noah Hegge (von links), Stefan Hengst und Hannes Aigner hoffen auf eine Medaille.
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Vertreten Deutschland im Team-Wettbewerb: Noah Hegge (von links), Stefan Hengst und Hannes Aigner hoffen auf eine Medaille.

Ab Mittwoch wird es für Stefan Hengst bei der Kanu-Slalom-Weltmeisterschaft in Bratislava Ernst. Dann steht für den 27 Jahre alten Heessener mit dem Teamwettbewerb der erste Start bei den Titelkämpfen an. 

Hamm - Welche Erwartungen der Athlet vom Kanu-Ring Hamm bei seiner ersten WM-Teilnahme hat, wie groß seine Vorfreude ist und warum er in gleich drei Wettbewerben auf eine gute Platzierung hofft, hat er in einem Gespräch mit Patrick Droste verraten.

Sie haben sich erst vor zehn Tagen für diese Weltmeisterschaft, die im Kanu-Slalom Ihre erste sein wird, qualifiziert. Wie groß ist Ihre Vorfreude auf diese Tage in Bratislava?
Ich habe schon riesig Bock auf diese WM, wobei das alles nichts super Neues für mich ist. Ich war das eine oder andere Mal bei einer U23- und Junioren-WM dabei, bin im Extreme-Slalom schon Weltmeister geworden. Und im Kanu-Slalom war ich auch als Zuschauer an der Strecke. Die Jungs, die dabei sind, werden auch die gleichen sein, die ich von den Weltcups kenne. Das Leistungslevel wird also ähnlich sein. Daher ist das alles kein ungewohntes Feeling, die Bezeichnung ist nur anders. Zumindest werde ich mit dieser Einstellung in die Weltmeisterschaft reingehen, vielleicht auch, um mir selber nicht so großen Druck zu machen. Ich gehe jedenfalls locker in die Rennen, will Spaß haben und schauen, wie weit ich komme.
Die Strecke in Bratislava ist in diesem Jahr für die WM umgebaut worden. Wie kommen Sie damit bislang im Training zurecht?
Eigentlich bin ich jedes Jahr in Bratislava am Start. Aber jetzt ist der Wasserverlauf durch neue Einbauten verändert worden. Die Strecke war vorher schon schwierig, hat jetzt aber einen komplett neuen Charakter bekommen. Das Wasser ist wuchtiger, hat mehr Druck. Ich bin ein Typ, der dickes Wasser gerne mag und sich von dicken Walzen nicht beeindrucken lässt. Aber das Wasser ist auch unberechenbarer geworden. Man kann sich nicht darauf verlassen, dass die Welle, die vorher genau an der Stelle war, beim nächsten Lauf auch noch da ist.
Die WM startet mit dem Team-Wettbewerb. Kann eine gute Platzierung mit Ihren Mannschaftskollegen Hannes Aigner und Noah Hegge den nötigen Push für die Einzelwettbewerbe im Kanu- und im Extreme-Slalom geben?
Das hoffe ich natürlich. Die Tschechen gelten als der große Favorit. Aber dahinter ist das Feld recht ausgeglichen, wir liebäugeln da schon mit einer Medaille. Das wäre dann natürlich ein super Start für die anderen Wettbewerbe und würde einem ein gutes Gefühl geben. Aber auch wenn es nicht nach Wunsch laufen sollte, würde ich natürlich im Einzel trotzdem Vollgas geben.
Geht es nur um Vollgas? Oder sind bei einer WM auch das Taktieren und das Abwägen wichtig?
Letztlich ist alles wichtig. Ich habe bei den Weltcups die Erfahrung gemacht, dass es bei mir auch reicht, einen soliden, sicheren Lauf ins Ziel zu bringen, um dann ins Halbfinale zu kommen. Da muss man nicht volles Risiko gehen. Aber im Halbfinale muss dann was passieren, da muss man Gas geben. Und wenn es dann mit dem Sprung ins Finale klappt, dann geht es um Alles oder Nichts. Dann will man aufs Treppchen. Und wenn man das nicht schafft, ist es egal, ob man Fünfter oder Zehnter wird.
Geht es dann von oben bis unten um Vollgas?
Nein, wenn man sich oben schon auspowert, dann ist man am Ende platt. Man muss taktieren und sich die Strecke vorher genau anschauen. Dann weiß man, auf welchen Passagen es sich lohnt, Risiko zu gehen und anzugreifen, weil man sonst unnötig Zeit liegen lässt. Und man überlegt, wo man eher aufpassen und auf Sicherheit setzen muss. Da hat aber jeder Fahrer seine Eigenarten, seine Stärken und Schwächen, seine Vorlieben. Außerdem bespricht man so etwas vorher mit den Trainern und den Wissenschaftlern im Team. Es vergeht da schon einige Zeit, bis man seinen Lauf geplant hat. Eineinhalb bis zwei Stunden am Tag vor dem Rennen und auch noch mal am Renntag beschäftigt man sich damit.
Trotzdem passieren überraschende Dinge während eines Rennens, obwohl alles bis ins kleinste Detail geplant worden ist. Wie kann das passieren?
Man hat einen ersten und einen zweiten Plan. Man geht vorher auch jeden einzelnen Schlag durch. Man überlegt, in welchem Winkel man das Boot Richtung Tor steuert, dann kommt die Körperposition dazu. Wichtig ist auch, ob das Boot neutral liegt oder ob man es auf die linke oder rechte Kante setzt. Und trotzdem kommt man manchmal ganz anders an ein Tor, als man es sich vorher überlegt hat. Dann muss man immer wieder improvisieren. Da hilft einem dann die Erfahrung, wie man mit so einer Situation am besten umgeht.
Sie starten mit dem Team-Wettbewerb und den beiden Einzelrennen im Kanu- und Extreme-Slalom in insgesamt drei Wettkämpfen. Wäre es nicht besser, sich auf ein Rennen zu konzentrieren?
Wenn man in drei Wettbewerben die Chance auf eine Medaille hat, dann nimmt man die auch mit. Und wenn es nur darum geht, weitere Erfahrungen zu sammeln. Aber es gibt hier genügend Abstände zwischen den einzelnen Rennen, das ist deutlich entspannter als bei einem Weltcup.
Ihre Stärken liegen aber eher im Extreme-Slalom. In diesem Wettbewerb sind Sie 2019 bereits Weltmeister geworden.
Ja, das stimmt schon. Im Extreme-Slalom bin ich dieses Jahr Zweiter im Gesamt-Weltcup geworden, im Kanu-Slalom ist meine Platzierung deutlich schlechter. Ich fahre im Urlaub schon immer viel Wildwasser. Und habe in der Vergangenenheit, als Extreme-Slalom noch kein offiziller Wettbewerb war, an solchen Rennen teilgenommen. Von daher habe ich da schon einen Vorteil gegenüber den Kanu-Fahrern, die sich erst jetzt auf den Cross einlassen. Aber leider haben die Jungs das Versäumte sehr schnell aufgeholt, das Niveau ist da in der Spitze mittlerweile auch sehr hoch.
Haben Sie mit Ihren Starts in diesem Jahr bei der EM und jetzt mit der WM nicht schon all Ihre Saisonziele erreicht?
Sicherlich. Das waren im Winter ganz klar die Ziele, bei diesen Titelkämpfen dabei zu sein. Und das zeigt ja auch, dass ich in Deutschland mittlerweile zur Spitze gehöre. Aber wenn man einmal bei einer WM starten kann, will man nicht nur die Atmosphäre genießen oder später mal seinen Enkeln erzählen können, dass man bei einer WM gestartet ist. Da will man dann schon abliefern.

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