Bald olympisch?

"Krass" - Hengst erneut Deutscher Meister im Boater Cross

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Goldmedaille und Urkunde bestätigen: Stefan Hengst (Mitte) hat seinen Titel in Augsburg erfolgreich verteidigt

Ein Zielfoto brauchten die Zuschauer letztlich nicht, um herauszufinden, wer der neue Deutsche Meister im Boater Cross geworden ist – auch wenn es auf den letzten Metern so eng zugegangen ist, wie selten in dieser noch jungen Sportart: Stefan Hengst ließ seiner Freude freien Lauf.

Augsburg – Stefan Hengst konnte sein Glück kaum fassen. „Krass“, entfuhr es dem 25-Jährigen, nachdem er seinen im vergangenen Jahr am Augsburger Wildwasserkanal errungenen Titel erfolgreich verteidigt hatte. „Das konnte man gar nicht vorhersehen, weil das eine Sportart ist, die extrem unvorhersehbar ist. Es kann in jeder Situation alles passieren.“ 

Hengst, in erster sportlicher Instanz als Kanuslalom-Fahrer bei Weltcuprennen unterwegs, liebt seine Ausflüge in die „Canoe Slalom Extreme“-Wettbewerbe, wie das Boater Cross mittlerweile international genannt wird. Und sein Talent dafür hat er jetzt in Augsburg erneut bewiesen. 

Erfahrung macht den entscheidenden Unterschied

Dabei sah es im Finale lange Zeit nicht so gut für den Hammer aus, der nach dem Ende seiner Zeit als Sportsoldat im vergangenen September in Augsburg eine Ausbildung bei einem Vertriebspartner für Kanu- und Outdoorsport begonnen hat. „Da habe ich mich erst von Platz drei nach dem Start auf zwei vorgekämpft, bin dann wieder zurück auf vier gefallen und habe den Führenden auf dem letzten Meter vor dem Ziel überholt“, schildert Hengst das turbulente Finale. 

„Das zeigt, wie spannend das Ganze sein kann.“ Dabei hatte sich Jakob Hein vom BFC Bamberg schon wie der sichere Sieger gefühlt. „Aber ich bin dann einen weiteren Weg gefahren, habe die Strömung genutzt und war im Ziel mit der Bootsspitze knapp vorn“, sagte Hengst, der damit den Heimvorteil auf seiner Trainingsstrecke, die er in- und auswendig kennt, voll ausgenutzt hatte. 

Boater Cross: Ein Kontaktsport

Seine Faszination für den Boater Cross beruht auf der Tatsache, dass die Fahrer im Wasser im direkten Wettkampf stehen. Vier Fahrer gleiten gleichzeitig von einer Startrampe ins Wasser, um sich dann bis zum Ziel harte, aber faire Positionskämpfe zu leisten. Denn der direkte Kontakt der Boote ist im Regelwerk durchaus erwünscht. Die Bezeichnung Rugby des Kanusports will Hengst aber nicht gelten lassen. 

„Da findet eher ein Bootskontakt statt – auf den Körper gehen darfst du nicht. Das wäre zu schmerzhaft und hat eine Disqualifikation zur Folge“, erklärt er. „Ins Paddel oder ins Boot fahren gehört aber dazu. Daher würde ich es eher mit Snowboard Cross vergleichen.“ 

"Nur noch Kampf angesagt"

Dass er als ausgebildeter Kanuslalom-Fahrer mit Wildwasser und den Hindernissen auf der Strecke wenig Probleme hat, kommt ihm im Rennen zugute – und lässt seine Titelverteidigung dann doch wieder nicht so überraschend erscheinen. 

„Die Strecke ist abgesteckt mit Toren aus Gumiballons, die durchfahren werden müssen, gepaart mit dem Wildwasser ist das gar nicht so einfach“, sagt der Hammer. „Und dann ist nur noch Kampf angesagt.“ 

Vorsprung durch Abtauchen

Eine mit entscheidende Rolle kommt auch dem Start zu. Denn wer die falsche Technik anwendet und versucht, trocken ins Wasser zu kommen, hat ein Problem: „Wenn du zu flach landest, staucht es dir in den Rücken. Das ist, als wenn du einen Bauchklatscher vom Zehn-Meter-Brett machst“, sagt Hengst. 

„Am saubersten ist der Start, wenn wir ein bisschen abtauchen und durch das Auftauchen schon Geschwindigkeit aufnehmen. Wer dann den meisten Bums auf dem Paddel hat, der kann schnell mal eine Bootslänge Vorsprung herausholen.“ Was entscheidend sein kann. 

„Entweder fährst du vorne weg, oder die Vorderen bekämpfen sich so krass, dass die Hinteren wieder heran fahren und überholen können“, sagt der Hammer. „Und ich hatte viel Glück in einigen Situationen und kannte den Kanal gut.“ 

Olympiateilnehmer 2024 in Paris?

Im vergangenen Jahr musste Stefan Hengst aus finanziellen Gründen trotz Qualifikation auf die Teilnahme an der WM in Rio de Janeiro verzichten. Ob er in diesem Jahr in Prag auf der Startrampe stehen wird, ist noch genau so offen wie die Frage, ob das Boater Cross künftig olympisch wird. 

„Das wird sich nach der WM entscheiden“, sagt der 25-Jährige, der sich gut vorstellen kann, 2024 in Paris in dieser Sportart an den Start zu gehen, auch wenn „das Boater Cross den Kanuslalom niemals ersetzen sondern nur ergänzen soll. Aber das ist einfach eine affengeile Sportart, und das Zuschauen macht auch Spaß.“

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