Kanuslalom

Kanu-Ring Hamm jubelt mit Stefan Hengst

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Stefan Hengst

Leipzig – Als Stefan Hengst ins Ziel fuhr, folgte zunächst der kurze Blick auf die Anzeigentafel, um sicher zu gehen, dass das gute Gefühl ihn nicht täuschte. Dann recke der Slalom-Kanute des Kanuring Hamm kurz die linke Faust in die Luft, zeigte mit dem Zeigefinger nach oben und klatschte mit der rechten Hand zweimal vor Freude aufs Wasser. Gerade hatte er sich im Kampf um die Deutsche Meisterschaft an die Spitze gesetzt – am Ende fuhr zwar Tim Maxeiner noch an dem Hammer vorbei, die Vizemeisterschaft bescherte Hengst aber die Qualifikation für die Europameisterschaft in Prag (18. bis 20. September). „Ganz ehrlich: Es ging mir um die Quali“, sprudelte es aus dem 26-Jährigen heraus, nachdem er auch die anschließende Doping-Kontrolle gemeistert hatte. „Den Vize-Meister mitzunehmen, ist sehr schön. Aber den Spot rauszufahren für Prag, das war das große Ziel. Gerade nach dem bescheidenen Start stand ich unter Druck.“ Auch Jürgen Schubert war glücklich mit dem Ergebnis. „Die EM-Quali war unser großes Ziel“, freute sich der Hengst-Heimtrainer. „Alles andere lief an diesem Wochenende eh nebenher.“

Das war neben dem Finale um die Deutsche Meisterschaft auch der Kampf um den Deutschlandcup, den die Spitzenathleten auf der Wildwasserbahn in Markkleeberg nur am Rande registrierten. Hier kamen die jeweiligen Halbfinal-Rennen in die Wertung – die Ränge sechs, eins und vier bedeuteten im Gesamtklassement mit 146 Punkten Platz drei für Hengst.

An allen drei Tagen problemlos ins Finale

An drei Wettkampftagen mussten sich Deutschlands stärkste Slalom-Kanuten beweisen – nach einer fast einjährigen coronabedingten Wettkampfpause. Und Hengst zeigte sich in Topform. An allen drei Tagen schaffte es der Heessener problemlos in die Finals. Während er da am Freitag mit Rang fünf nicht zufrieden war, hielt er am Samstag mit dem Sieg seine Ambitionen auf den einen noch zu vergebenden Startplatz für die Europameisterschaft am leben. Und als er auch am Sonntag den Sprung ins Finale geschafft hatte, war klar, dass er nun nur noch einmal vor den ärgsten Konkurrenten um das EM-Ticket, Fabian Schweikert, Noah Hegge und seinen früheren Teamkollegen Lukas Stahl bleiben musste, um den Freitag zum Streichergebnis zu machen und in der Gesamtwertung vor den Konkurrenten zu bleiben.

Als Hengst ins Ziel kam, hatte er die Gewissheit – auch wenn an der Startrampe mit Hannes Aigner und Tim Maxeiner noch die beiden stärksten Konkurrenten warteten. Beide hatten aber ihre EM-Fahrkarte schon in der Tasche. Denn im Rahmen der Olympiaqualifikation hatte sich Aigner als stärkster deutscher Fahrer die Teilnahme an den nun auf 2021 verschobenen Spielen in Tokio gesichert, und Maxeiner war als zweitschnellstes Boot und Aigner-Nachrücker ebenfalls qualifiziert.

Platz zwei trotz Schleimbeutelentzündung

Ohne Torstabberührung, und damit ohne Strafzeiten, absolvierte Hengst den Parcours und setzte sich mit der bis dahin schnellsten Zeit von 86,45 Sekunden zunächst an die Spitze des Feldes – mehr als eine Sekunde vor seinem stärksten Konkurrenten Fabian Schweikert. Und das, obwohl er sich über Nacht eine Schleimbeutelentzündung im Ellbogen zugezogen hatte. „Das hatte sich am Samstagabend angebahnt“, sagte der Heessener. „Im ersten Lauf habe ich schon noch gemerkt, dass am Arm etwas rumwackelt, das da nicht hingehört, das war ätzend. Aber im Finale hat die Entzündung nachgelassen. Da habe ich nichts mehr davon gemerkt.“ Daher wollte er auch nichts davon wissen, dass er ohne die Verletzung noch schneller gewesen wäre und den späteren Sieger Tim Maxeiner hätte in Schach halten können. „Es gibt immer ein paar kleine Ecken, da fange ich jetzt nicht an zu suchen. Die Strecke war schon schwer genug“, sagte er. „Und Tim Maxeiner war schon sehr schnell im Wasser. Respekt dafür.“

Eine knappe Sekunde war der Wiesbadener am Ende als verdienter Deutscher Meister vor Hengst, dessen Freude das nicht trübte. „Ich hab schon zwei Bier getrunken“, verriet er – ab Montag zählt dann nur noch die Vorbereitung für Prag.

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