Fußball

Stefan Barta nimmt seine abgelehnte Kandidatur für den Aufsichtsrat des FC Schalke 04 sportlich

Stefan Barta kandidiert für den Aufsichtsrat des FC Schalke 04.
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Stefan Barta

Als einer von 28 Kandidaten hatte sich der Hammer Schalke-Buchautor und -Fan für den Aufsichtsrat des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 beworben. Zu den zehn Kandidaten, die der Wahlausschuss des Vereins für die Mitgliederversammlung am 13. Juni ausgewählt hat, gehört er aber nicht mehr.

Hamm – Quizfrage: Was haben Peter Peters, langjähriger Finanzvorstand des FC Schalke 04 und DFB-Vizepräsident, Ex-Fußball-Profi und Spaß-Blogger Hans Sarpei und der Hammer Schalke-Buchautor und -Fan Stefan Barta gemeinsam? Antwort: Alle drei haben sich für einen Posten im Aufsichtsrat des mittlerweile feststehenden Bundesliga-Absteigers beworben – und alle drei werden nicht auf dem Stimmzettel stehen, wenn am 13. Juni im Rahmen der Jahreshauptversammlung die neuen Mitglieder für dieses Gremium des Vereins gewählt werden. „Ich bedanke mich beim Wahlausschuss für die ehrenamtlich geleistete Arbeit“, schrieb Barta noch am Sonntagabend unter anderem nach der Entscheidung auf seinem Facebook-Account. Und zeigte sich dabei als fairer und sportlicher Verlierer. Auch, wenn er sich im Vorfeld der Auswahlgespräche durchaus Chancen ausgerechnet hatte, zur Wahl zugelassen zu werden. „Bei meiner Bewerbung im Januar hatte ich mir meine Chance mit 40:60 Prozent ausgerechnet“, sagt der 57-Jährige. „Nach meinem ungefähr 30-minütigen Gespräch mit dem Wahlausschuss am Samstagmorgen mit 50:50. Aber dort wurde anders entschieden. Und das ist für mich okay. Der Wahlausschuss ist ein demokratisch gewähltes Gremium. Daher stehe ich zu 100 Prozent hinter seinen Entscheidungen.“

Barta weiß, wovon er spricht. Denn von 2014 bis 2016 war er selbst gewähltes Mitglied des achtköpfigen Gremiums. Daher ist ihm das Prozedere der Auswahl der Bewerber vertraut. Zudem ist er sich sicher, dass „da einige wirklich gute Kandidaten dabei sind, die dann letztlich im Juni antreten werden.“

Gleich vier der zehn nun zur Wahl zugelassenen Kandidaten sitzen oder saßen bereits im Schalker Aufsichtsrat. „Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass diese Leute wieder zugelassen werden, auch wenn das kontrovers diskutiert wird“, ist das für Barta kein Problem. „Und es sind wirklich gute Leute dabei, wie Axel Hefer. Aber auch zwei, drei andere.“

Neunseitiges Positionspapier

Mit einem neunseitigen Positionspapier hatte Barta versucht, die Ausschussmitglieder von den Qualitäten zu überzeugen, die er in die Arbeit für den Verein mit einbringen wollte. „Meine Stärken liegen im Kommunikationsbereich“, ist sich der Altherren-Fußballer des SSV Hamm sicher, dass er dem Gremium als Gegenpol zu Finanz- oder Politikexperten gut getan hätte, als jemand, der„auf allen Ebenen von den obersten Entscheidungsgremien bis hin zu den Fans gut vernetzt ist. Gerade mit Blick auf das große Thema Ausgliederung des Profi-Fußballs muss es zur Basis hin einen Austausch geben. Wenn es den nicht gibt, dann fliegt uns das um die Ohren.“

28 Bewerber hatten ihren Hut bis zum Ende der Bewerbungsfrist am 31. Januar offiziell für einen der fünf vakanten Plätze im Aufsichtsrat in den Ring geworfen. Alle 28 wurden in der Zeit vom vergangenen Donnerstag bis Sonntag vom Wahlausschuss gehört, der am Ende die zehn Kandidaten auswählte, die sich nun im Rahmen der virtuell ablaufenden Mitgliederversammlung zur Wahl stellen dürfen. Fünf von ihnen werden künftig im zehnköpfigen Aufsichtsrat mit darüber entscheiden, in welche Richtung die Weichen des Traditionsvereins aus dem Ruhrgebiet gestellt werden, auf denen der Verein ab der kommenden Saison die Rückkehr ins Fußball-Oberhaus ansteuern will.

Noch im Juni des vergangenen Jahres hatte Barta gemeinsam mit seiner Partnerin Katharina Strohmeyer zu einer Demonstration unter dem Motto: „Schalke ist kein Schlachthof – gegen die Zerlegung des Vereins“ aufgerufen und damit seinen Teil zum Ende der Tönnies-Ära beigetragen. Zu spät, wie er findet: „Was unter Tönnies in 15 Jahren passiert ist – eine Zeit an deren Ende 250 Millionen Euro Schulden stehen – kann ich nicht als Erfolg verbuchen.“

Nicht zuletzt, um den Fokus im Verein auf eine erfolgreiche Arbeit zu lenken, hat Barta für die virtuelle Mitgliederversammlung auch eine Satzungsänderung beantragt: „In den vergangenen Jahren hat es mich gestört, dass die Mitgliederversammlung zu einer Kirmesveranstaltung verkommen ist, auf der Bands wie Status Quo aufgetreten sind, Gutscheine für Eintrittskarten verteilt worden sind und viel Gedöns gemacht wurde“, sagt Barta. „Daher habe ich den Antrag gestellt, dass die Versammlung nicht in Zusammenhang mit Vergünstigungen stehen darf. Sonst werden doch nur Leute angelockt, denen es nicht um vereinspolitische Dinge geht.“

Auch wenn Stefan Barta künftig nun selbst nicht aktiv an der Gestaltung der Schalker Zukunft beteiligt sein wird, will er sich weiter einbringen, wenn es um seinen Lieblingsverein geht. „Ich werde weiter meine Meinung sagen – als Fan. So ist es entschieden. Und das ist auch okay so für mich“, betont er und kann sich einen Seitenhieb auf frühere Schalker Entscheidungsträger nicht verkneifen: „Die Hauptprobleme haben wir ja nicht mehr – Tönnies, Heidel, Peters sind ja weg. Jetzt muss man die Leute im Vorstand in Ruhe arbeiten lassen.“

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