2. Tischtennis-Bundesliga

Corona-Kraftakt: Vorfreude auf den Start bei Frauen des TuS Uentrop gedämpft

Bernadett Balint musste sich nach ihrer Ankunft in Deutschland in Quarantäne begeben.
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Bernadett Balint musste sich nach ihrer Ankunft in Deutschland in Quarantäne begeben.

Mit den beiden Auswärtsspielen am Samstag beim TTC 1946 Weinheim (14 Uhr) und am Sonntag bei DJK Offenburg (12.30 Uhr) starten die Tischtennis-Damen des TuS Uentrop in die neue Saison in der 2. Bundesliga. Die Vorfreude auf die kommende Spielzeit ist aber sehr überschaubar.

Hamm – Im Vorfeld der beiden Partien hatte Alex Daun, in Personalunion Trainer, Manager und Macher des Teams, aufgrund der Corona-Pandemie einen wahren Kraftakt zu bewältigen. „Das hat in den vergangenen Tagen so viel Nerven und Zeit gekostet, so dass das alles keinen Spaß mehr macht“, sagt der Coach, für den es derzeit mehr um Quarantäne, Schnelltests und Beherbergungsverbote geht als um Topspins, Schmetterbälle oder gar die Saisonziele seines Teams. „Am Ende wird nicht die Mannschaft gewinnen, die die besten Spielerinnen hat, sondern das Team, dessen Manager in den vergangenen Tagen am meisten dafür gearbeitet hat, seine Spielerinnen aus Risikogebieten zu holen und alle einsatzfähig zu machen.“

In jedem Bundesland andere Vorgaben

 So hat Daun in den vergangenen zwei Wochen nach eigener Aussage „gefühlt 100 Telefonate geführt und unzählige E-Mails geschrieben.“ Mal nahm er Kontakt zur Bundespolizei oder der Bundesgesundheitsbehörde auf, mal suchte er die richtigen Ansprechpartner bei diversen Gesundheitsämtern. „Das Problem ist, dass es in jedem Bundesland andere Vorgaben gibt. Und wenn man dann irgendwo in der Warteschleife hängt und 30 Minuten lang nur eine Bandansage hört, dann ist das schon der absolute Horror – zumal wir das ja alles ehrenamtlich neben der Arbeit machen“, sagt Daun, der zum einen gewährleisten will, dass er mit keiner an Corona infizierten Spielerin anreist. Zum anderen gibt es in Baden-Württemberg ein Beherbergungsverbot für Leute aus Risikogebieten. „Ich hatte auch bei Hotels in anliegenden Bundesländern angefragt. Aber da war nichts zu machen – außer man war in Quarantäne oder hat einen Test, der nicht älter ist als 48 Stunden.“ 

Ungarischer Coronatest wird nicht anerkannt

Die größte Hürde hatte der Coach damit zu bewältigen, Bernadett Balint aus Budapest (Ungarn) zu den beiden Partien einfliegen zu lassen. Im Vorfeld hatte der TuS geplant, dass die Ungarin freitags nach Deutschland kommt und montags wieder zurückfliegt. Da Budapest aber als Risikogebiet gilt, hätte sie bei einer Ankunft am Freitag am Wochenende nicht eingesetzt werden können. Daher hatte der TuS für Balint den Flug umgebucht, so dass sie schon am Montag in Dortmund landete. Der Corona-Test, den die 24-Jährige vor ihrem Abflug in Ungarn hatte machen lassen, um in das Flugzeug steigen zu dürfen, wird in Deutschland allerdings nicht anerkannt. Daher musste sie nach ihrer Ankunft erneut einen Corona-Test machen lassen und sich anschließend in Quarantäne begeben, bis das Ergebnis vorliegt. 

"Ales andere als eine gute Vorbereitung"

„Sie absolviert normalerweise zwei Einheiten am Tag. Jetzt kann sie nur ein bisschen Gymnastik machen, um sich fit zu halten, bis das Ergebnis da ist. Das ist natürlich alles andere als eine gute Vorbereitung auf die beiden Spiele“, sagt Daun. Da aber Hamm aufgrund des hohen RKI-Werts als Risikogebiet gilt, müssen auch Spielerin Nadine Sillus und Betreuer Bernd Paulfeuerborn negative Tests vorlegen, die nicht älter als 48 Stunden sind. „Das Gesundheitsamt Hamm hat mir aber gesagt, dass sie aufgrund der großen Überlastung drei bis vier Tage benötigen, ehe sie die Ergebnisse haben. Da können wir dann die 48-Stunden-Frist nicht einhalten“, berichtet Daun.

Zum Schnelltest nach Düsseldorf 

Daher fuhren Sillus und Paulfeuerborn am Donnerstagabend nach Düsseldorf, wo es am Hauptbahnhof ein Schnelltestcenter gibt. Dort erhalten die getesteten Personen innerhalb von 24 Stunden ihre Ergebnisse. „Wenn das alles so klappt, wie wir das jetzt geplant haben, können wir spielen und auch übernachten“, sagt Daun, der davon ausgeht, dass die gegnerischen Teams ähnlich viel Vorsicht walten lassen und dafür Sorge tragen, dass nur negativ getestete Spielerinnen zum Einsatz kommen. „Wir haben organisatorisch jetzt alles gemacht, was möglich war, haben sogar kräftig draufgezahlt. Spaß macht das alles nicht. Das Sportliche tritt da absolut in den Hintergrund.“

"Besserung ist nicht in Sicht"

 Daher, so meint Daun, könne er sich im Falle von zwei Siegen auch nicht sonderlich über die Erfolge freuen. „Wer weiß denn, ob es die Manager von Offenburg und Weinheim geschafft haben, ihre ausländischen Spielerinnen aus Weißrussland, Belgien oder Ungarn nach Deutschland zu holen. Ich will einen richtigen Wettkampf, aber der ist doch unter diesen Bedingungen gar nicht gegeben“, erklärt der Coach und fügt recht ernüchtert hinzu: „Besserung ist ja leider für die nächsten Wochen und Monate nicht in Sicht.“

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