Bodybuilding

Stark auf vielen Ebenen: Lisa-Marie Linn ist Deutsche Meisterin in der Bikini-Fitness-Klasse

Lisa-Marie Linn wurde zum ersten Mal Deutsche Meisterin.
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Lisa-Marie Linn wurde zum ersten Mal Deutsche Meisterin.

Für Lisa-Marie Linn hat sich bei der Deutschen Meisterschaft des German Natural Bodybuilding & Fitness Federation (GNBF) ein Traum erfüllt: Die Hammerin wurde Deutsche Meisterin in der Bikini-Fitness-Klasse.

Hamm – Wie das klassische Klischee einer Bodybuilderin sieht Lisa-Marie Linn nicht gerade aus, als sie die Tür öffnet. Sportlich, ja. Schlank. Aber auf den ersten Blick verrät ihr Anblick nicht, dass die 27-Jährige gerade Deutsche Meisterin geworden ist. In einem Sport, der für viele mit überproportionalen Muskelbergen, mit viel Kraft und Testosteron-Gehabe verbunden ist. Erst ein paar Tage ist es her, dass die Hammerin sich den DM-Pokal der German Natural Bodybuilding & Fitness Federation (GNBF) in der Bikini-Fitness-Klasse gesichert hat. Und es schwingt eine große Portion Stolz in ihrer Stimme mit, wenn sie von dem Wettbewerb in Bad Fallingbostel berichtet, der ihr den größten Erfolg ihrer Karriere beschert hat. „Natürlich finde ich den Moment auf der Bühne mega“, sagt sie. „Wenn man weiß, ich habe alles getan für diesen Tag – und unfassbar stolz sein kann.“

Vor fünf Jahren begann Linn mit dem Wettkampfsport. Bei der GNBF war sie bereits deutsche Vize-Meisterin (2017) und Viertplatzierte (2018). Zu Rang eins hat es nicht gereicht. Bis jetzt.

Linn betont, dass „es bei den Wettbewerben nicht gewünscht ist, nur Muskelberge zu sehen, sondern ein weibliches, fittes Erscheinungsbild mit einer leichten Definition von Muskelmasse.“

Und genau das war der Grund, aus dem sich die in Welver geborene Gesundheitsmanagerin mit „16, 17 Jahren“ ausgerechnet für diesen Sport entschieden hat. „Das war in der Pubertät, in der Zeit, wo es oft so ist, dass man unzufrieden mit seinem Körper ist und sich fragt, wie kann ich da noch was rausholen“, erinnert sie sich. „Da habe ich gedacht, mein Körper muss sich verändern – auf eine gesunde Art und Weise. So kam ich zum Fitnesstraining, weil ich gemerkt habe, dass ich meinen Körper damit so gestalten kann, wie ich es möchte – ohne irgendwelche Hungerdiäten.“

Dem Krafttraining ein Ziel geben

Und irgendwann wurde ihr klar, sie wollte mehr: „Meinem Krafttraining ein Ziel geben“, erklärt Linn den Drang dazu, sich mit anderen bei Meisterschaften messen zu wollen. „Das ist die Krönung des Fitnesssports.“

Ganz nebenbei hat Linn dieses Hobby auch noch zum Beruf gemacht, gründete gemeinsam mit Geschäfts-Partner Thomas Isdepski das Personal-Training-Studio „DeineCoaches“ am Heessener Markt. Von Isdepski, selbst seit 2012 erfolgreich als Athletiktrainer für den Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen tätig, lässt sie sich dabei nicht in die Trainingspläne reden. „Die mache ich allein“, sagt sie. Das auch, weil sie schon einmal mit einem Coach zusammen gearbeitet hat und damit nicht klar kam. „Wir arbeiten sehr gerne und sehr gut zusammen“, sagt Linn mit Blick auf Isdepski. „Nur nicht an meiner Trainingsgestaltung. Die allein zu erarbeiten, macht mir Spaß – ich möchte mich selbst ausprobieren.“

Das Pensum, das sie leistet, um zum perfekten Body zu kommen, überrascht. Nicht, weil es so immens, sondern, weil es eher überschaubar ist. „Viele denken, dass Fitness gerade für Wettkampfsport bedeutet: je mehr und härter desto besser“, sagt Linn, die auf einen Mix aus Kraft-, Bewegungs und Ausdauerübungen setzt. „Drei- bis viermal die Woche trainiere ich Kraft. 45 bis 60 Minuten, also gar nicht so viel, wie man denkt. Dazu ein- bis zweimal Yoga und einmal Joggen – das war’s.“ Und Isdepski ergänzt: „Die Welt-Gesundheits-Organisation empfiehlt jedem Durchschnittsmenschen 150 bis 300 Minuten moderate Trainingsbelastung in der Woche. In dem Rahmen ist Lisa. Sie macht das im optimierten Bereich, hat aber kein Trainingsvolumen wie etwa Schwimmer oder Triathleten.“

Konstanz schlägt Härte

Wichtiger als Länge der Übungseinheiten sei daher die Konstanz. „Wenn man ein Auto nicht regelmäßig tankt, bleibt es auch stehen. Und bei mir gab es in den vergangenen zehn Jahren keine Phase, in der ich mal drei Wochen nur auf der Couch gelegen hätte“, verbildlicht Linn ihre Arbeit. „Und das Training ist bei mir in den letzten neun Wochen vor dem Wettkampf genauso wie das ganze Jahr über.“ Wobei ihr allerdings zugute kommt, dass sie „einen genetischen Vorteil hat – um ihr Level zu halten, braucht sie viel weniger Energie“, räumt Isdepski ein.

Die Übungen, mit denen Linn ihre Fitness erreicht, sind Standards: Kniebeugen, Liegestütz, Klimmzüge. Das Geheimnis liegt in der Dosierung: „Ich erschaffe mir das Bild von meinem Körper selbst“, sagt die Deutsche Meisterin. „Wenn ich von der Genetik her weniger Unterkörper habe, muss ich den eben mehr trainieren. Eine Symmetrie aufzubauen, ist ein bisschen die Kunst, aber kein Hexenwerk.“

Mit dem DM-Titel hat Linn vom Verband eine Pro Card bekommen. Die berechtigt sie zur Teilnahme an internationalen Profi-Wettkämpfen. Nach kurzer Überlegungsphase hat sie beschlossen, diese Möglichkeit wahrzunehmen. „Las Vegas wäre ein Ziel für das kommende Jahr“, sagt sie. „Das kann man dann mit Urlaub verbinden.“

Lisa-Marie Linn.

Die zahlreichen Rückmeldungen, die sie von allen Seiten erhielt. haben Lisa-Marie Linn ermutigt, ihren Weg zu gehen. „Ich war super überrascht, dass ganz viel positive Feedback kam“, sagt sie. „Ich weiß, dass das, was ich mache, nicht jedem gefällt – aber das Bild geht mehr zur fitten Frau. Ich stehe dazu.“

Mehr Probleme, als mit dem Bild ihres Sports in der Öffentlichkeit hatte Linn mit der Dopingprobe, die sie direkt nach ihrem Wettkampf beim Verband, der viel Wert auf einen sauberen Sport legt, abliefern musste. „Das hat über eine Stunde gedauert“, erinnert sie sich. „Ich war noch voller Adrenalin und all den Glückshormonen. Das war schon unangenehm, weil die Leute so lange warten mussten.“

INFO:

In der „Bikini-Fitness-Klasse“ der GNBF wird anders als in den anderen Bodybuilding-Klassen nicht Wert auf extrem Sichtbare Muskulatur gelegt. Gewertet wird ein weibliches, fittes und ästhetisches Erscheinungsbild mit leichter Muskeldefinition. Es gibt drei Kategorien: Die Klasse der unter 1,68 Meter großen sowie der größeren Frauen und die Newcomer. Die jeweils Erstplatzierten dieser Kategorien treten im Finale noch einmal gegeneinander an. Gewertet wird von einer sechsköpfigen Jury – fünf Juroren und ein Chef-Richter (Head-Judge). In die Wertung fließen unter anderem die symmetrische Entwicklung der einzelnen Muskelgruppen (40 Prozent), die Präsentation (20 Prozent) aber auch das Erscheinungsbild, Gesicht, Make-up und Frisur mit ein.

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