"Rote Karte für den Rechtsextremismus im Hammer Sport"

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Ronny Blaschke (rechts), Sport- und Politikjournalist aus Berlin, referierte vor Vertretern der Hammer Vereine über Rechtsextremismus im Sport.

Hamm - „Rote Karte für den Rechtsextremismus im Hammer Sport“: Unter diesem Motto fand diesmal der Stammtisch des Stadtsportbund Hamm im HSV-Casino statt. „Fußball bringt Menschen zusammen und ist das Spiegelbild unserer Gesellschaft. Und Fußball ist vielfältig und demokratisch“, erklärte der Sport- und Politikjournalist Ronny Blaschke aus Berlin, der als Hauptredner geladen war.

Doch Blaschke weiß: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Denn jeder öffentliche Raum sei politisch. So auch der Fußball. Gerade die rechte Szene nutze diesen zu Propagandazwecken. „Empörung ist immer dann da, wenn etwas passiert. Die restliche Zeit heißt es, Nazis seien nur eine kleine Randgruppe“, erklärte Blaschke.

Und trotzdem fänden noch immer 47,1 Prozent der Deutschen, dass zu viele Ausländer in Deutschland leben. Sich voneinander abgrenzen mache im Fußball Spaß: „Klar, im Stadion ist es immer meine Mannschaft gegen deine Mannschaft.“ Aber danach müsse die Abgrenzung aufhören. In der Realität gehe sie aber noch weiter: In Zügen, an Bahnhöfen, in Kneipen. „Für viele Jugendliche ist es cool und rebellisch sich rechts zu fühlen. Viele wissen aber gar nicht, was das bedeutet.“ 

Besonders gefährdet seien Menschen ohne gefestigte Persönlichkeit: „Im Fußball findet man Stärke und Zusammenhalt. Gerät man dann an die falschen Leute, werden der Fußball und die politische Propaganda verwoben.“ Blaschke unterstrich, dass Rechtsextremismus nicht erst beim Hitlergruß oder dem Hakenkreuz auf dem Rasen anfange. Als Beispiel nannte er Stephan Haase aus Lüdenscheid, mit dem er für sein Buch gesprochen hat: „Haase ist ein lieber, freundlicher Mann, stärkt als Schiedsrichter die Gemeinschaft. Er ist pünktlich auf dem Platz und fällt im ersten Moment nicht negativ auf. Trotzdem hat er eine rechts geprägte Vergangenheit und wenn man mit ihm spricht, hat man das Gefühl, dass er am liebsten 80 Jahre vorher gelebt hätte.“ 

Habe man genau so eine Person im eigenen Verein, rät Blaschke dazu, sich Hilfe und Expertise zu holen, vielleicht sogar auf Augenhöhe mit diesem Menschen zu reden. In jedem Fall aber offensiv mit der Situation umzugehen. Ein direkter Rauswurf sei nicht empfehlenswert: „Natürlich muss das immer von Fall zu Fall entschieden werden. Aber in der Regel nutzen Nazis den Protest der Demokratie gegen die Demokratie für sich.“ 

Für Michael Neumann vom Landessportbund NRW (LSB) ist es wichtig, die Leute für den Rechtsextremismus zu sensibilisieren: „Man muss erstmal erkennen, dass es Rassismus ist.“ Man könne sich Hilfe beim SSB und dem LSB holen. Je nach Situation können diese helfen oder man werde an die mobile Beratungsstelle weitergeleitet. „Bei den Hammer Vereinen ist in letzter Zeit die Frage aufgekommen, wie man handeln soll, wenn Rassismus in den eigenen Reihen auftritt. Aus dieser Motivation heraus haben wir uns dazu entschiedenen, diesen Stammtisch unter das Thema Rassismus zu stellen“, erklärte Angelika Schulze, Vorsitzende des Stadtsportbundes. 

37 Vereine haben am Stammtisch teilgenommen. Fälle von Rechtsradikalität in Hammer Vereine seien ihr jedoch nicht bekannt. Das sieht Markus Schwerin vom haekelclub 590 anders: „Neonazis gibt es durchaus im Hammer Sport.“ Meistens jedoch auf der Tribüne: „Viele Nazis gucken sich regelmäßig die Spiele der HSV an.“

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