Spiel gegen Lippstadt

Staffelleiter stoppt HSV-Chaos mit Machtwort

+

HAMM - Im großen Verwirrspiel um das für Samstag geplante Meisterschaftsspiel des Fußball-Oberligisten Hammer SpVg gegen den SV Lippstadt hat Staffelleiter Reinhold Spohn aus Herne am Donnerstag ein Machtwort gesprochen. Die Partie wird am Samstag wie geplant um 14.30 Uhr in der Evora Arena angepfiffen.

Von Peter Schwennecker

Die HSV hatte am Mittwoch wegen angeblicher Hinweise aus diversen Internet-Foren, dass gewaltbereite Fans aus Oldenburg und Ahlen ihren Besuch in Hamm angekündigt hatten, die Partie abgesagt. In einer Pressemitteilung verkündete die HSV, von der Hammer Polizei die Anordnung erhalten zu haben, die Begegnung aus Sicherheitsgründen zu verlegen, da ein kurzfristiges Verschieben auf den Sonntag wegen der Hammer Laufserie am Jahnstadion nicht möglich war.

Lesen Sie auch:

HSV-Spiel gegen Lippstadt findet definitiv statt

Sicherheitsbedenken: HSV gegen Lippstadt abgesagt

Zu diesem Zeitpunkt war der Staffelleiter nicht zu erreichen. Der forderte am Donnerstagmorgen in einem Gespräch mit dem Geschäftsführer der Fußball-Abteilung der HSV, Matthias Graf, den Verein dazu auf, für einen entsprechenden Sicherheitsdienst zu sorgen. „Wir haben inzwischen alle Vorkehrungen getroffen und den Staffelleiter informiert. Die Partie findet definitiv statt“, sagte Graf am Donnerstagnachmittag.

„Die entsprechenden Hinweise waren da. Wir haben vielleicht am Mittwoch mit der vorzeitigen Absage etwas überreagiert, aber die Sicherheit ging uns vor“, rechtfertigte HSV-Pressesprecher Ulli Gruszka das Verhalten des Vereins. „In diesen Dingen sind wir alle noch sehr unerfahren. Aber schließlich sind wir froh, dass am Ende der Sport siegt und er nicht durch ein paar Chaoten kaputt gemacht wird.“

Verein hat kein Recht für Absage

Fakt ist, dass die Hammer SpVg die Begegnung allein ohnehin nicht absagen konnte, selbst wenn das die Polizei empfohlen hätte. Das Recht, eine Partie abzusagen, liegt allein beim Verband oder beim Staffelleiter.

Wie Thomas Berndsen, hauptamtlicher Abteilungsleiter Fußball des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen, erklärte, arbeitet der Verband sehr eng mit der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze der Polizei zusammen. „Die beobachtet die Fan-Szene sehr intensiv und kennt sich gut aus. Wenn wir von dort Hinweise über angebliches Gefahrenpotential erhalten, nehmen wir das sehr ernst und reagieren sofort“, betonte Berndsen, der früher selbst als Spieler in der Oberliga das Trikot der Hammer SpVg trug.

Die Hinweise der ZIS gab es aber für die Begegnung der HSV gegen Lippstadt nicht. „Deshalb wird das Spiel auch stattfinden“, meinte Berndsen. Das Problem seien die sozialen Medien. Hier würden ständig unter dem Deckmantel der Anonymität Dinge verbreitet, deren Wahrheitsgehalt man nicht einschätzen könne. „Wir können im Fußball doch nicht laufend Spiele absagen, nur weil irgendwo etwas geschrieben wird“, betonte Berndsen.

Polizei dementiert Empfehlung

Ulrich Biermann, Pressesprecher der Hammer Polizei, erklärte gegenüber dem WA, dass es zu keiner Zeit von der Polizei eine Empfehlung für eine Verlegung des Spiels aus Sicherheitsgründen gegeben habe. „Das war allein eine Entscheidung der Hammer SpVg. Wir haben das lediglich zur Kenntnis genommen“, betonte Biermann. Die Irritationen könnten nach Meinung Biermanns dadurch entstanden sein, dass Rainer Plocziki, der Sicherheitbeauftragte der HSV, der selbst bei der Polizei beschäftigt ist, seinen dienstlichen E-Mail-Account für private Zwecke benutzt habe. „Das ist bei uns verboten und wird noch intern aufgearbeitet“, so Biermann.

Dass ausgerechnet angeblich gewaltbereite Fans des VfB Oldenburg zunächst für die Spielabsage sorgten, löste auch im Fanforum des niedersächsischen Regionalligisten große Verwunderung aus. „Was sollen wir in Hamm“, war dort unter anderem zu lesen. Fakt ist aber, dass auch die Hammer SpVg einen sehr guten Draht in diese Region besitzt. Marketingchef Benjamin Doll trug früher ebenso das Trikot des VfB wie HSV-Coach Goran Barjaktarevic, der dort im Jahr 2000 seine Laufbahn als Spieler beendete und anschließend bis 2005 die U19 des VfB trainierte.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare