Handball

Das stärkste Duo der 2. Liga spielt beim ASV Hamm-Westfalen

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Derzeit die Nummer eins in Liga zwei: Felix Storbeck

Die Torhüter Felix Storbeck und Oliver Krechel stehen symbolisch für den Erfolg des ASV Hamm-Westfalen in dieser Saison der 2. Handball-Bundesliga – und das, obwohl ihre Rollen in den ersten neun Begegnungen deutlich verteilt waren.

Hamm – Storbeck stand laut offizieller Statistik der Handball-Bundesliga 8:17 Stunden zwischen den Pfosten, Krechel nur 43 Minuten. Nach der Anzahl der notierten Paraden ist Storbeck derzeit Klassenbester in der 2. Liga. 111 abgewehrte Bälle wurden ihm gut geschrieben. „Man hat das ein bisschen mitgekriegt“, sagt der 27-Jährige, der – sein erstes, zweijähriges Engagement beim ASV von 2012 bis 14 eingerechnet – bereits im sechsten Jahr in Hamm spielt. „Darüber freue ich mich natürlich. Aber wir sind gut in die Saison gestartet – da gehst du den Flow mit. Die Jungs vor dem Tor machen einen Bombenjob. Eine Hand wäscht da die andere.“

Noch in de vergangenen Saison monierte Trainer Kay Rothenpieler, dass die Torhüterleistung seines Teams nicht konstant genug sei, um den Sprung auf einen der Aufstiegsränge zu schaffen. In diesem Jahr sieht das anders aus. Dabei ging der ASV mit unverändertem Gespann in die Saison. „Wir haben da nichts neu erfunden“, sagt der Trainer. „Es sind viele kleine Faktoren, die jetzt passen. Wenn du ganz nach oben willst, musst du konstant gute Torhüterleistungen haben, nicht nur die spektakulären Bälle. Die sind dann die ‘plus-X-Bälle‘, die aus einem guten ein überragendes Spiel machen.“

Gute Arbeit von Torwarttrainer Torsten Friedrich 

Maßgeblichen Anteil daran, dass es derzeit so gut zwischen den ASV-Pfosten läuft, hat Torwart-Trainer Torsten Friedrich. „Er arbeitet sehr viel mit den Torhütern, hat die nötige Erfahrung und bringt Spaß in die Sache“, lobt Rothenpieler. Und Storbeck ergänzt: „Fichte ist ein wichtiger Bestandteil, hat sich sehr viel mit uns beschäftigt. Die Torhüterleistung im vergangenen Jahr war zu durchschnittlich. Was auch daran lag, dass jeder im Team sein eigenes Süppchen gekocht hat. Jetzt haben wir unseren Matchplan, wissen, wie wir die Spiele angehen wollen.“ Konkret: „Wir haben im Vorfeld der Saison viel darüber gesprochen, welche Bälle wir haben wollen – eben nicht nur die außergewöhnlichen, spektakulären Paraden, sondern in erster Linie die Basics.“

Für den Torwarttrainer ist die Leistungssteigerung seiner Keeper kein Zufall. „Wir haben die vergangene Saison Revue passieren lassen, versucht, Fehler abzustellen“, sagt Friedrich, der selbst 2008 nach einigen Stationen in der 1. Bundesliga zum ASV stieß, dort bis 2013 zwischen den Pfosten stand und in Hamm sesshaft geworden ist. „Wir haben festgestellt, dass beide einfach sehr viel wollten. Das war vielleicht kontraproduktiv für die Leistung.“

Zusammenarbeit mit  der Abwehr intensiviert

Sowohl Storbeck als auch Krechel studieren intensiv Videomaterial, um sich die Wurfbilder der Gegenspieler einzuprägen. „Das machen sie immer noch, aber wir haben die Zusammenarbeit im Training mit der eigenen Abwehr intensiviert. Am wichtigsten ist jetzt, dass sie die Bälle in ihrer Ecke halten und mehr auf die Abwehr vertrauen“, macht Friedrich klar. „Wenn da ein Ball mit 120 kmh aus dem Rückraum kommt, schaffst du es nicht, zu reagieren. Da musst du schon in der Ecke sein. Und wenn du als Torwart im Spiel mit der Abwehr sprichst, verändert sich automatisch das Stellungsspiel. Das klappt im Moment sehr gut. Und dann kommt eben der eine oder andere gehaltene Ball durch das gewachsene Selbstvertrauen dazu, wie jetzt bei Störte.“

Der lässt derzeit die Gegner reihenweise genervt zurück und signalisiert damit auf der Platte, dass die Arbeit im Torhütertraining Früchte trägt. „Darüber, dass die Absprachen zum Beispiel bei den Würfen von Außen oder im Zeitspiel passen müssen, haben wir viel gesprochen“, sagt Storbeck, der unter der Leitung von Friedrich gemeinsam mit Krechel und Jan Wesemann aus der zweiten Mannschaft jeweils dienstags am so genannten Torwarttag zusätzliche Einheiten vor dem eigentlichen Mannschaftstraining absolviert. Zusammen mit den Mitspielern wird dann anschließend daran gearbeitet, „wie wir es hinbekommen, die Angreifer so hinzustellen, dass sie aus Positionen den Abschluss suchen, wo wir sie haben wollen“.

"Störte ist ruhiger geworden"

Auch am Bewegungsverhalten haben die Torhüter mit Friedrich gefeilt. „Störte ist jetzt ruhiger geworden, zappelt nicht mehr so herum“, stellt Friedrich fest. „Dadurch steht er automatisch besser. Und auch bei freien Durchbrüchen, in denen es hopp oder top heißt, kannst du dem Angreifer ja Schussfallen stellen. Auch da machen die Jungs einen Riesenjob.“

Für Oliver Krechel ist die gute Torhüterstatistik vor allem eine Folge der Tatsache, dass sein Kollege derzeit einfach einen sehr guten Job macht. „Klar war die Torhüterleistung im vergangenen Jahr ausbaufähig, allerdings ist das schwer mit dieser Saison zu vergleichen“, gibt er zu bedenken. „Weil Felix und ich ungefähr gleich viel gespielt haben. Dann stehst du in der Statistik nicht oben. In diesem Jahr hat Felix von Anfang an stark gehalten. Seine Quote ist für die Anzahl der Bälle, die aufs Tor gekommen sind, richtig gut. Er hat einen Lauf. Sollte der aber einmal nachlassen, bin ich im Idealfall da, damit wir am Ende erfolgreich sein können.“

Neid auf die Leistung des jeweils anderen kennen weder Krechel noch Storbeck. „Das Verhältnis ist auch durch die momentane Situation absolut nicht belastet“, versichert Storbeck. „Wir verstehen uns wirklich blendend, sind immer im regen Austausch, machen unseren eigenen Matchplan.“ Krechel sieht das ähnlich, auch wenn es noch nicht soweit ist, dass sich beide „durch einen Blickkontakt selbst auswechseln, wenn es mal nicht so läuft, so wie es am Ende bei Martin Ziemer und mir war“, wie sich Friedrich an das Jahr des Erstliga-Aufstiegs 2009/2010 erinnert. „Jeder möchte immer viel spielen“, räumt Krechel ein, bestätigt aber ebenfalls, dass die Chemie stimmt. „Ich kann mich damit arrangieren, dass ich momentan ins zweite Glied gerutscht bin. Das Ziel steht über allem – und ich schaue Felix gerne zu, gönne ihm, dass es so gut bei ihm läuft. So, wie er mir auch jeden Ball und jede Minute Spielzeit gönnt. Von daher sehe ich das nicht kritisch. Ich bin mir sicher, dass ich auf meine Einsatzzeit kommen werde.“

Rückkehr ins alte Wohnzimmer für Krechel

Auch diese Einstellung führt dazu, dass der Chefcoach momentan in Sachen Torhüter nichts zu meckern hat. „Die beiden muss man als Gespann betrachten“, betont Rothenpieler. „Und Oli nimmt die Arbeit ja an, zeigt das jeden Tag mit seiner Trainingsbeteiligung. Und wenn er gespielt hat, war er da. So soll es sein – perfekt.“

Im nächsten Spiel am 2. November in Coburg würde Krechel allerdings schon gern zwischen den Pfosten stehen: „Das ist mein altes Wohnimmer“, erinnert er daran, dass er vor seinem Wechsel nach Hamm vier Jahre lang beim HSC 2000 spielte. „Da wäre ich ja prädestiniert für einen Einsatz. Vielleicht ist das ja eine schwierige Entscheidung für den Trainer. Aber ich würde es verstehen, sollte Felix anfangen.“ Und wenn ihm weiter nur die Rolle des Backups bleibt? „Dann liegt das an Felix. Und wir spielen dann ja weiter erfolgreich. Trotzdem gebe ich in jedem Training alles und versuche, mich anzubieten.“

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