Leichtathletik 

Vorsichtig und ohne Euphorie: Hammer Leichtathleten können wieder in den Wettkampf starten

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Für Wettkämpfe wie den vom SCE Hamm ausgerichteten Crosslauf ist die Zeit noch nicht gekommen.

Auf dem Papier sind in der Hammer Leichtathletik seit Montag wieder leistungssportliche Wettbewerbe möglich. Das ist allerdings noch kein Grund für voreilige Euphorie – weder bei der LG Hamm noch beim SCE Hamm.

Hamm – Viele Wochen ohne Wettkampf und beinahe ebenso viele ohne Training in der Gruppe: Die Coronavirus-Krise hat die Leichtathletik auf den Kopf gestellt. Nach intensiven Diskussionen hat der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen leistungssportliche Wettbewerbe nun wieder genehmigt. Natürlich nur unter strenger Einhaltung der Hygienevorschriften.

Im Bereich Hürden und Sprint muss zum Beispiel immer eine Bahn frei gelassen werden. In einem Stadion dürfen maximal 100 Zuschauer zusammenkommen und im Innenraum der Anlage nicht mehr als 30 Personen.

Was zunächst nach einem einleuchtenden Konzept aussieht, ist für die meisten Athleten noch längst kein Startschuss in Richtung sportliche Normalität. Denn die Vereine können jener bloßen Erlaubnis nicht so einfach folgen, wie sie es gerne täten, erklärt Andreas Janke, Vorsitzender des SC Eintracht Hamm. „Die maximale Personenanzahl auf einer Anlage ist doch schnell überschritten, wenn man die Kampfrichter mit einberechnet“, kritisiert er das Konzeptpapier des Verbandes.

Weniger Einnahmen durch Zuschauer

Und auch auf den Rängen dürfen nicht unbegrenzt viele Zuschauer sitzen, was Janke zu einer Kosten-Nutzen-Abwägung führt: „Lohnt es sich dann überhaupt noch? So eine Zeitmess-Anlage kostet 500 Euro“, betont er. Hinzu käme der Zeitaufwand, ein Hygienekonzept zu erarbeiten und dem Verband vorzulegen.

Zudem kann der SCE nicht ohne Weiteres einen Wettkampftermin ansetzen. „Es kann gut sein, dass der Verband eine Meisterschaft dahin verschiebt, dann ist der Termin wieder gesperrt“, beschreibt Janke die Gefahr spontaner Planänderungen.

Deshalb wollen die Verantwortlichen im Verein die Rolle des Ausrichters zunächst meiden. Eigentlich hätte im Mai der alljährliche Stadion-Wettkampf stattgefunden. Coronabedingt verlegte der SCE sein Vorhaben zunächst bis in den August. Weil sein Platz im Terminkalender auch dort nur auf Bewährung war, schoben die Hammer dem Wettkampf nun einen Riegel vor. „Der ganze Terminplan ist so kaputt“, fasst Janke das undurchsichtige Hin und Her im Eventkalender zusammen und ergänzt mit prägnanten Worten: „Die Saison ist tot.“

Ein kleiner Wettbewerb mit zwei Startgemeinschaften

Einen kleinen Lichtblick für die Akteure des SCE gibt es dennoch. Am kommenden Samstag lädt die Startgemeinschaft Recklinghausen die Hammer zu einem kleinen Wettbewerb ein. „Wir kennen uns sehr lange, wissen, mit wem wir es zu tun haben“, schildert Janke das freundschaftliche Verhältnis mit den Recklinghäusern. So könne der SCE mit gutem Gewissen anreisen, schließlich wird keine weitere Startgemeinschaft vor Ort sein: „Für die Athleten ist es natürlich schön, wenn es mal einen sportlichen Reiz gibt.“ Mehr als „ein bisschen Normalität“ sei das jedoch nicht.

Danach starten dann schon die Ferien. „In dieser Zeit ist es sowieso immer schwierig, genug Leute zu motivieren“, merkt Janke an, dass in diesen sechs Wochen wohl ohnehin kaum ein Wettkampf stattgefunden hätte. „Ab August kann man sich vielleicht noch einmal Gedanken machen.“ Doch das ist auch von den Bedingungen abhängig.

Und die sind momentan noch erschwert – insbesondere im Training. „Die Athleten sehen immer nur die selben Leute, da innerhalb der Läufergruppen nicht getauscht wird“, so Janke.

LG Hamm bleibt vorsichtig

Ebenso vorsichtig trainiert neben dem SCE auch die LG Hamm im Jahnstadion. „Keiner kommt unkontrolliert ins Stadion, das Tor wird nämlich immer wieder abgeschlossen. Sowohl der SC Eintracht Hamm als auch wir führen schriftliche Anwesenheitslisten. Die Toiletten im Außenbereich werden nach der Nutzung desinfiziert“, gibt Dieter Büter, Vorsitzender der LG Hamm, einen Einblick in den langen Katalog an Hygienevorkehrungen.

Der organisatorische Aufwand ist groß. Auch auf der Bahn selbst will man kein Risiko eingehen. „Unsere Gruppen sind nie stärker als sechs Läufer“, betont Büter. „Wenn jemand zum Überholen von hinten kommt, versucht der Langsamere die Innenbahn frei zu machen, sodass auch hier Abstand gewahrt wird.“

Damit schränkt sich die LG sogar noch mehr ein, als es mittlerweile verlangt wird. Für Büter ist das selbstverständlich: „Gesundheit hat oberste Priorität.“

Anders als der SCE hat sich die LG Hamm einige Termine in den kommenden Wochen vorgemerkt. Bereits am Samstag geht es ins Rote-Erde-Stadion nach Dortmund, am 12. Juli folgt ein Phoenixsee-Lauf und am 17. Juli nehmen die Athleten an den Bahnwettkämpfen der LGO Dortmund teil. „Die Vorgaben sind sehr streng, so wie es sein sollte. Und es ist klar, dass diese Läufe testweise stattfinden“, warnt Büter vor verfrühter Euphorie. Trotzdem ist der 74-Jährige optimistisch. „Ich hoffe und glaube fest daran, dass das gut geht.“

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