Finanzspritze aus 200-Millionen-Topf

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Franz Dressel

Mit einer 200-Millionen-Euro-Finanzspritze will der Bund dem deutschen Sport über die Corona-Krise hinweg helfen. Profitieren wird auch Handball-Zweitligist ASV Hamm-Westfalen, während sich die anderen Spitzenklubs aus Hamm wenig Hoffnung machen.

Hamm – Das Nothilfepaket wurde am Donnerstag vom Deutschen Bundestag endgültig auf den Weg gebracht (WA berichtete) und sorgte für Aufatmen bei vielen Profi-Vereinen im Land. Die Frage, wie das Geld verteilt werden wird, ist allerdings laut Franz Dressel, Geschäftsführer des ASV Hamm-Westfalen, noch offen. Nur eines von mehreren Denkmodellen sei es, dass der finanzielle Ausfall der Vereine durch ausbleibende Zuschauereinnahmen der Monate April bis Dezember 2020 als Verteilerschlüssel zu Rate gezogen wird. 80 Prozent der jeweiligen Nettoerlöse – nach Abzug der Verkaufsgebühren und Mehrwertsteuer – sollen demnach an die Vereine ausgeschüttet werden. Berechungsgrundlage wären in diesem Fall die Einnahmen aus den Heimspielen von April bis Juni 2019 sowie aus den Begegnungen der Hinserie der Saison 2019/2020. Maximal kann ein Verein aber nur eine Zuwendung von 800 000 Euro aus dem Topf erhalten.

Vornehmlich richtet sich das Konjunkturpaket an Profi- und Semiprofivereine in den Sportarten Handball, Basketball, Eishockey und Volleyball der ersten und zweiten Liga sowie der Frauen-Bundesliga und der 3. Liga im Fußball. In Hamm gehört damit der ASV Hamm-Westfalen zu den Klubs, die mit einem Geldsegen rechnen können. Ob sich auch die anderen Erst- und Zweitligisten der Stadt, wie der deutsche Rollhockey-Meister SK Germania Herringen oder die Tischtennis-Zweitligisten TTC GW Bad Hamm und TuS Uentrop Hoffnung auf finanzielle Förderung aus dem 200-Millionen-Topf machen dürfen, ist dagegen noch offen.

ASV Hamm-Westfalen

Franz Dressel, Geschäftsführer des Handball-Zweitligisten, freut sich darüber, dass „wir an der Förderung partizipieren werden“. Der Deutsche Handball-Bund (DHB) und die Handball Liga (HBL) seien eng in die Verhandlungen zwischen Politik und Sport eingebunden gewesen. „Wir haben uns sehr stark um diesen Zuschuss bemüht, waren seit vier Wochen in ständigem Kontakt zu Frank Steffel, der Präsident des Erstligisten Füchse Berlin ist und als CDU-Sportpolitiker die Verhandlungen geführt hat“, sagt Dressel. „Und die Notwendigkeit einer solchen Unterstützung ist in der Politik erkannt worden.“

Der ASV-Geschäftsführer sieht das Nothilfepaket als überlebenswichtig für den Profi-Sport in Deutschland an. „Sonst hätte keiner der Bundesligisten die Sache überstanden“, ist er sich sicher, dass zumindest dem Handball nach einer möglicherweise zuschauerfreien Hinserie 2020/2021 eine Insolvenz-Welle gedroht hätte.

Wie das Geld verteilt wird, ob jeder Verein für sich die Hilfe beantragen müsse oder ein Betrag an die Verbände geht und von da weiter verteilt wird, stehe noch nicht endgültig fest. „Es ist nicht klar, in welchem Umfang die Vereine partizipieren“, sagt Dressel und widerspricht damit Meldungen, dass die entgangenen Zuschauerzahlen als Schlüssel zur Berechnung der Beträge herangezogen würden. „Das ist nur eins von mehreren möglichen Modellen. Wenn es 20 Millionen für den Handball gibt, werden wir überlegen, wie das gerecht an die Vereine verteilt werden kann“, so Dressel, der nun wieder mit größerer Zuversicht in die Zukunft blickt. „Wir denken jetzt ganz optimistisch wieder an die Aufnahme des Spielbetriebes. Der Zuschuss bringt erstmal ein bisschen Entwarnung, was wirtschaftliche Überlebensfähigkeit angeht.“

Die zu erwartenden finanziellen Mittel werde der Verein sinnvoll nutzen, um die Wiederaufnahme des Spielbetriebs unter Einhaltung der Hygienevorschriften und mit möglichst vielen Zuschauern in der Halle zu gewährleisten. „Allein für das erste Halbjahr werden die Corona-Tests Kosten von etwa 60 000 Euro verschlingen“, sagt Dressel, der darauf hofft, dass die neue Saison wie geplant Anfang Oktober beginnen kann. „Das Hygienekonzept dafür wird gerade erarbeitet. Aber das wird einen erheblichen Geldbetrag kosten.“

SK Germania Herringen

Ob der SK Germania an den Fördermitteln partizipieren kann, „steht für uns noch nicht 100-prozentig fest – das ist noch in der Prüfung“, sagt Michael Brandt, Vorsitzender des deutschen Rollhockey-Meisters. „Dadurch, dass Rollhockey nicht olympisch ist, gibt es da noch einige Fragezeichen. Der Verband kümmert sich gerade darum, um da Gewissheit zu bekommen.“

Bereits vor einigen Wochen gab es ein Förderpaket über den Landessportbund, bei dem die Herringer allerdings auch leer ausgegangen sind. „Da wären wir nur in den Genuss der finanziellen Unterstützung gekommen, wenn wir kurz vor der Insolvenz gestanden hätten“, erläutert Brandt. „Dadurch, dass der Gesamtverein gesund war, kam das für uns aber nicht in Frage. Wenn es die Möglichkeiten einer Förderung geben sollte, wollen wir natürlich auf den Zug aufspringen. Denn eine Hilfe wäre wichtig, um einigermaßen Sicherheit in der Planung zu haben.“

TuS Uentrop

Auch für Alex Daun, Manager und Trainer der Zweitliga-Tischtennis-Frauen des TuS, ist die Nachricht noch zu frisch. „Ich habe die Information, dass es dieses Förderpaket gibt, per Mail erst am Donnerstag vom Deutschen Tischtennis-Bund bekommen“, sagt er. „Da war ein Wurfblatt vom Deutschen Olympischen Sportbund angehängt. Daher muss ich checken, ob wir überhaupt da zur Zielgruppe gehören. Wir sind in dem Sinn ja keine Profi-Sportler.“

TTC GW Bad Hamm

Wenig Hoffnung auf eine Finanzspritze macht sich Martin Vatheuer. Der Vorsitzende des Tischtennis-Zweitligisten, „weiß im Moment auch nur, was in den Zeitungen zu lesen ist. Demnach betrifft uns das im Prinzip aber nicht“, sagt er. „Die 2. Tischtennis-Bundesliga ist ja in dem Sinn keine Profi-Liga. Zudem soll sich das ja an den Zuschauerzahlen entlang hangeln. Und da relativiert sich das Thema bei uns schnell. Denn Zuschauereinnahmen sind eigentlich kein Faktor in unseren Planungen – allenfalls können wir damit die Schiedsrichterkosten begleichen.“

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