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Spieler des ASV Hamm-Westfalen will bei der EM für Furore sorgen

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Von: Günter Thomas

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Beim ASV Hamm-Westfalen und in der niederländischen Nationalmannschaft eine feste Größe: Dani Baijens.
Beim ASV Hamm-Westfalen und in der niederländischen Nationalmannschaft eine feste Größe: Dani Baijens. © imago

Seit dem Sommer spielt der Niederländer Dani Baijens im Trikot des ASV Hamm-Westfalen in der 2. Handball-Bundesliga stark auf - ab Donnerstag will der 23-Jährige mit seiner Nationalmannschaft auch bei der Europameisterschaft in Ungarn und der Slowakei (13. bis 30. Januar) für Furore sorgen.

Hamm – Klar kann sich Dani Baijens erinnern: Das erste Tor für die niederländische A-Nationalmannschaft erzielte er als gerade 18-Jähriger 2016 gegen Dänemark. Und das nicht mit seiner rechten Wurfhand, wohl gemerkt. Sondern mit links. „Dänemark war gerade Olympiasieger geworden, eine richtige Topmannschaft“, sagt der Mittelmann, der seit dieser Saison für den ASV Hamm-Westfalen in der 2. Handball-Bundesliga spielt. „Das war alles neu für mich, auf der anderen Seite standen meine Vorbilder – und ich war plötzlich einer von denen und mache mein erstes Tor mit dem falschen Arm. Das ist schon etwas Besonderes.“

In diesem Jahr spielt Baijens mit seiner Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft, die vom 13. bis 30. Januar in Ungarn und der Slowakei ausgetragen wird. Und auch das ist etwas Außergewöhnliches. Denn nach 2020 ist es erst das zweite kontinentale Turnier, für das sich eine niederländische Nationalmannschaft qualifiziert hat. Und während Baijens vor zwei Jahren als 21-Jähriger noch überwiegend als Ergänzungsspieler dabei war, sieht er sich dieses Mal als festen Bestandteil der Mannschaft. „Ich denke schon, dass ich viel spielen werde“, sagt der einziger ASV-Akteur bei der EM. „Wenn auch nicht auf Rückraum Mitte, meiner eigentlichen Position. Da spielt Luc Steins eine große Rolle, denke ich. Aber zuletzt habe ich immer im linken Rückraum angefangen.“ Steins spielt beim französischen Spitzenklub Paris St. Germain und ist in der Mitte gesetzt.

Für das schnelle Spiel unverzichtbar

Für das schnelle Spiel der Holländer ist Baijens aber unverzichtbar. Gemeinsam mit Steins und Kay Smits vom Bundesliga-Tabellenführer SC Magdeburg soll er für Tempo im Aufbauspiel sorgen – und für schnelle Tore.

Acht Deutschland-Profis – darunter auch der Ex-ASVer Ivar Stavast vom HC Elbflorenz Dresden – stehen im 18-köpfigen Aufgebot von Trainer Erlingur Richardsson. Und anders als vor zwei Jahren, hat die Mannschaft durchaus das Zeug dazu, den einen oder anderen Großen zu ärgern. Bei einem Vorbereitungsturnier zum Jahresausklang in Polen erzielte das Team gute Ergebnisse gegen Japan (30:33), Tunesien (33:28) und Polen (27:33). Beim Trainingslager in Schweden folgte Anfang des Jahres eine 30:34-Niederlage gegen die Gastgeber. Ein zweites Spiel musste allerdings abgesagt werden. „Leider haben wir einen Corona-Fall bekommen und wir haben zwei Tage nicht trainiert“, ärgert sich Baijens, dessen Teamkollege Ephrahim Jerry es erwischt hatte.

Der ASVer selbst hatte sich in den letzten Wochen bewusst zurückgehalten, „um kein Corona-Risiko einzugehen“ und seine Turnierteilnahme nicht zu gefährden. „Ich habe in der kurzen Pause zuhause am Jahresende nicht viele Leute getroffen. Wir haben mit der Familie Weihnacht nachgeholt. Danach ging es am 2. Januar wieder los.“

Am Dienstag ging es dann nach Budapest, wo die Mannschaft ihre drei Spiele der Gruppe B gegen Ungarn, Island (Samstag/20.30 Uhr) und Portugal (Montag/20.30 Uhr) bestreiten wird. Besonders das Auftaktmatch gegen den Co-Gastgeber am Donnerstag (20.30 Uhr) lässt Baijens’ Augen vor Vorfreude strahlen. „In einer Halle vor 20 000 Leuten zu spielen ist richtig geil – das wird dir nicht oft passieren“, ist er sich sicher, und die Freude wird auch nicht durch die Tatsache geschmälert, dass kaum einer dieser Fans in der Halle für sein Team sein dürfte. „Das spornt mich nur an, wenn alle gegen mich sind. Allerdings weiß ich nicht, wie es ist, wenn dich 20 000 verprügeln wollen.“

20 000 Zuschauer in Ungarn - trotz Pandemie

Dass es in Ungarn trotz Pandemie in den Halle keine Zuschauer-Beschränkungen geben wird, während bei den Spielen in der Slowakei nur eine Hallenauslastung von 25 Prozent erlaubt ist, sorgt bei Baijens „schon für ein komisches Gefühl“, die Vorfreude auf das Turnier überwiegt aber: „Dafür spielen wir einfach zu gerne vor Zuschauern.“

Dass Ungarn in der Partie klarer Favorit ist, zweifelt der ASVer nicht an – die Hoffnung auf eine Überraschung hegt er dennoch. „Die Ungarn sind alle zwei Meter groß und 150 Kilo schwer“, sagt der gebürtige Rotterdamer. „Die spielen eine gute Abwehr und einen starken Angriff – dafür sind wir ein bisschen schneller. Wir brauchen die zweite Welle, einfache Tore.“

Seine persönlichen Ziele für das Turnier sind mit denen der Mannschaft eng verknüpft: „Fit bleiben, kein Corona kriegen – das hoffe ich für jeden im Tean –, viel auf höchstem Niveau spielen und die Hauptrunde schaffen“, sagt Baijens, der nach seinen Lehrjahren in Flensburg und Lemgo unbedingt möglichst bald wieder in die erste Liga zurück möchte.

Das EM-Turnier ist dafür das perfekte Schaufenster – und eine gute Leistung dort ein perfektes Bewerbungsschreiben. „Aber ich habe noch ein Jahr Vertrag in Hamm, fühle mich wohl und habe mir darüber keine Gedanken gemacht.“ Zumal er ja auch mit dem ASV noch den Aufstieg schaffen kann. Das dürfte allerdings nicht mit links klappen.

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