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Spieler des ASV Hamm-Westfalen steht auf Abruf für das Nationalteam bereit

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Von: Günter Thomas

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Lars Kooij steht auf Abruf für die niederländische Nationalmannschaft bereit.
Lars Kooij steht auf Abruf für die niederländische Nationalmannschaft bereit. © Reiner Mroß

Sein WG-Mitbewohner und Teamkollege beim Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen, Dani Baijens, sorgt aktuell mit der niederländischen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Ungarn für Furore - Kreisläufer Lars Kooij muss sich dagegen für den Notfall bereit halten.

Hamm – Als am Sonntag vor einer Woche bei Lars Mitchell Kooij das Telefon schellte, ging sein Puls kurzfristig deutlich schneller. Denn am anderen Ende meldete sich Erlingur Richardsson – Trainer der niederländischen Handball-Nationalmannschaft. „Er hat mich gefragt, ob ich mal schnell einen PCR-Test machen kann“, erzählt der Kreisläufer des ASV Hamm-Westfalen, der zum erweiterten Kader der Niederlande gehört. Beim holländischen Team waren kurz vor Beginn der Europameisterschaft in Ungarn und der Slowakei (13. bis 30. Januar) zwei Corona-Fälle aufgetreten. „Und wenn noch ein Kreisläufer positiv gewesen wäre, wäre ich nach Ungarn geflogen. Das ist dann nicht passiert, es ist bei zwei Positiven geblieben – und das ist ja auch besser für die Mannschaft.“

Kooij, der im Sommer 2021 vom dänischen Zweitligisten TM Tønder zum ASV gewechselt und vorher als Spieler der Jugendakademie mit der SG Flensburg-Handewitt deutscher A-Jugend-Meister geworden war, gehört zum erweiterten Kader der niederländischen Nationalmannschaft und steht auch jetzt noch auf Abruf bereit, falls Richardsson rufen sollte.

Dass er gerne bei der Europameisterschaft dabei gewesen wäre, gibt er zu: „Wenn ich ehrlich bin: Die Möglichkeit zu haben, wäre geil gewesen“, sagt er, zumal er sich die Teilnahme an dem Turnier in diesem Jahr fest vorgenommen hatte.

Enttäuschung ist der Begeisterung für das Team gewichen

Die Enttäuschung über seine Nicht-Berücksichtigung ist aber längst der Begeisterung für seine Teamkollegen aus der eigentlich eher kleinen Handball-Nation gewichen. „Als die gegen Ungarn gewonnen haben, hatte ich selbst Training mit der zweiten ASV-Mannschaft und konnte die erste Halbzeit nicht sehen“, sagt er. „Aber da war unser Physio an der Seitenlinie, der mich auf dem Laufenden gehalten hat. 7:3 für Holland, 13:10 zur Halbzeit... Als das Training vorbei war, habe ich mein Handy genommen. Die waren in der 35. Minute, und es war einfach geil, was ich da gesehen habe.“

Kreisläufer Kooij drückt seiner Nationalmannschaft jetzt die Daumen für das entscheidende Gruppenspiel gegen Portugal am Dienstag (20.30 Uhr). Nach der knappen Niederlage am Sonntag gegen Island (28:29) würde bereits ein Unentschieden gegen Portugal zur Qualifikation für die Hauptrunde reichen – es wäre der bisher größte Erfolg einer niederländischen Handball-Nationalmannschaft. Vor allem das starke Auftreten seines ASV-Teamkollegen Dani Baijens, mit dem er in Hamm eine Wohnung nahe der Westpress Arena teilt, verfolgt der Kreisläufer genau. „Ich habe mich gefreut, wie er gespielt hat. Da merkst du, dass er früher mit Mittelmann Luc Steins in Holland zusammengespielt hat, bei den Limburg Lions. Die Verbindung ist immer noch da. Und Luc spielt das sehr intelligent auf den Punkt.“

Unabhängig vom Abschneiden in Ungarn sagt Kooij dem holländischen Team eine erfolgreiche Zukunft voraus. „Wir haben eine junge Mannschaft. Kai Smits, Luc, Dani, Tom Jansen auf Halbrechts, die Kreisläufer sind auch nicht alt“, zählt er auf. „Es wäre schön, wenn wir jetzt einen Schritt weiter machen können, konstant bei der Europameisterschaft sein, den Schritt Weltmeisterschaft schaffen und mal die Hauptrunde – das wäre geil für den Handball in Holland.“

Ziel ist der Sprung in die Mannschaft

Daraus, dass er sich selbst in Zukunft als Teil dieser jungen Mannschaft sieht, macht der in Amstelveen bei Amsterdam geborene Kooij kein Geheimnis. „Mein Ziel war es schon dieses Mal, es zu schaffen“, sagt er. „Das hat nicht geklappt. Aber beim nächsten Mal will ich dabei sein, wenn es geht.“

Dafür muss seine Leistung im Verein stimmen. Das weiß er. Daher ist es mittelfristig erst einmal wichtig, den Sprung aus dem Hammer Drittligateam zum festen Bestandteil der ersten Mannschaft zu schaffen. „Mein Ziel ist es, möglichst viele Minuten in der ersten Mannschaft zu kriegen“, sagt er selbstbewusst. „Und in der zweiten möchte ich eine leitende Rolle übernehmen.“

Beim knappen 29:28-Sieg zum Start nach der Winterpause gegen Drittliga-Schlusslicht TV Bissendorf-Holte sah er seine Leistung trotz fünf erzielter Tore noch selbstkritisch. „Ich habe trotzdem auch drei oder vier verworfen...“, sagt Kooij, der erst ab der 15. Minute am Kreis und in der Deckung im Innenblock eingesetzt wurde. „Dann haben wir das Spiel mit einer starken Abwehrleistung gedreht.“

Dass er den Sprung nach oben schaffen kann, glaubt auch Michael Lerscht. „Wir sind zufrieden, dass er bei uns ist“, sagt der ASV-Coach. „Er kann aus unserem Konstrukt viel herausholen. Und ich glaube, dass seine Entwicklung bei uns in den letzten Monaten vorangetrieben wurde. Final ist jeder Spieler seines Glückes Schmied, für mehr Spielzeit bei uns zu sorgen. Und Lars ist unglaublich ehrgeizig, willig, hat Bock. Ein offener Charakter, der gut damit umgehen kann.“

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