Spekulationen um neue Torstangen beim Kanuslalom

HAMM - Es soll alles bunter werden. Spektakulärer. Spannender. Aufregender. Und fesselnder. So wünscht sich zumindest Thomas Bach, der Vorsitzende des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), die Sportarten bei den Olympischen Spielen – und plant daher, das Regelwerk in der einen oder anderen Disziplin gehörig durcheinanderzuwirbeln. Betroffen von diesen Ideen und Empfehlungen sind auch die Slalomkanuten – doch die Athleten sind davon alles andere als begeistert.

„Wir würden das nicht begrüßen. Denn das würde unsere Sportart von Grund auf verändern“, sagt Jürgen Schubert, Trainer der beiden Slalom-Asse Sebastian Schubert und Jasmin Schornberg vom Kanu-Ring Hamm.

Mit der ersten Änderung könnten sich die Slalomkanuten noch anfreunden. So soll der Start demnächst von einer rund zwei Meter hohen Rampe aus erfolgen, von der die Sportler mit ihrem Boot ins Wasser springen und dann lospaddeln. „Das wird im Februar entschieden“, weiß der Coach zu berichten.

Keineswegs angetan sind die Slalomfahrer allerdings von der zweiten Empfehlung. Denn während die Sportart mit dem draufgängerischen Wellenreiten in den drehfreudigen Booten an sich eigentlich alles mitbringt, was Bach fordert, gibt es laut IOC Nachhol- beziehungsweise Verbesserungsbedarf in Sachen Verständlichkeit. Daher sollen das Regelwerk vereinfacht und die aufgehängten Torstangen abgeschafft werden. „Vorstellbar wäre, anstelle der bisherigen Torstangen Tore wie im Ski alpin zu installieren, die aus dem Wasser ragen und berührt werden dürfen, dann aber mit vollem Körper durchfahren werden müssen“, erklärte Thomas Konietzko, der Präsident des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) und Leiter der Kommission zur Fortentwicklung des Olympiaprogrammes im internationalen Verband (ICF), gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Dadurch würden dann die bislang häufig entscheidenden, für die Zuschauer aber oft schwer verständlichen Zeitstrafen wegen Stangenberührungen entfallen.

„Ob das umgesetzt werden kann, ist meiner Meinung nach fraglich und ist daher mit Vorsicht zu genießen“, sagt Schubert – und fragt sich, wie diese Idee technisch zu realisieren sein soll: „Wir betreiben eine Sportart, bei der wir Wildwasser und starke Strömungen haben. Wie sollen die Stangen dann verankert werden? Wie sollen die bei der Strömung stehen bleiben und nicht wegknicken? Und wenn sie stehen bleiben, wie gefährlich ist es dann für die Sportler, wenn sie gegen die starren, harten Stangen knallen? Müssen die Kanuten dann mit einem Integralhelm und einer Schutzausrüstung fahren? Für uns ist das unvorstellbar.“

Sollte es dennoch eine Lösung geben, würde dies auch eine komplette Änderung der Lehr- und Lernmethodik nach sich ziehen – eine Tatsache, die besonders die Trainer wie Jürgen Schubert beschäftigt. „Ausbildungsinhalte, die wir über Jahrzehnte entwickelt haben, wie man die Tore anfährt, wären dann über den Haufen geworfen. Und dann würde ich mir die Frage stellen, ob ich das noch alles mitmachen will“, betont der Coach. Denn während es bislang besonders auf Präzision ankommt, wären bei den neuen Stangen vor allem Wucht und Power die entscheidenden Faktoren.

Dennoch: Als Test soll schon die Europameisterschaft in Markkleeberg im Mai dienen. -  –pad–

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare