Reiten

Sophie Leube hat sich einen Traum erfüllt - und noch viel vor

Sophie Leube und Malachit in Rhynern beim Sieg mit der Note 9,2 im Stilgeländeritt der Klasse L.
+
Sophie Leube und Malachit in Rhynern beim Sieg mit der Note 9,2 im Stilgeländeritt der Klasse L.

Es ist ein Heimspiel für Sophie Leube im Rahmen der Turnierwochen beim RV Rhynern. Nur 4,2 Kilometer sind es für sie von der Straße „In Süddinker“ bis zur Reitanlage am Holthöfener Weg.

Hamm - Gute Gelegenheit, ihren erst 7-jährigen Trakehner Malachit an den Start zu bringen – was in Zeiten von Corona nicht so oft möglich ist.

Etwas mehr als die Hälfte der Anfahrt ist die Wegstrecke lang, die Leube dabei mit dem Sohn des berühmten Hirtentanz in der Stilgeländeprüfung der Klasse L zurücklegt. An der Runde haben die Richter nichts auszusetzen – Traumnote 9,2.

Seit zwei Jahren wohnt die 33-Jährige, eine der besten deutschen Vielseitigkeitsreiterinnen, in Hamm – und erfüllt sich damit einen Traum. „Mein Mann und ich haben hier jetzt unseren eigenen Hof“, sagt Leube, und: „Mein Mann hat beruflich mit dem Reiten zwar nichts zu tun, aber er unterstützt mich sehr viel in seiner Freizeit.“

Sophie Leube wächst in Tübingen auf, will ihre Leidenschaft für Pferde zum Beruf machen. Sie studiert an der Veterinärmedizinischen Universität in Wien und schreibt im Fach Pferdewissenschaften ihre Bachelor-Arbeit. Thema: „Veränderungen von Abstammung und Vollblutanteil von Vielseitigkeitspferden bei den Bundeschampionaten des Deutschen Reitpferdes 1987 bis 2008“.

Erstklassige Ausbilder

„Um mich danach auf meine sportliche Weiterentwicklung zu konzentrieren“, sagt Sophie Leube. Das führt sie zu erstklassigen Ausbildern: Zunächst zu Peter Thomsen, dann – ab 2010 – zu Reitmeisterin Klimke nach Münster. „Ingrid hat mich nicht nur sportlich, sondern auch persönlich enorm geprägt“, sagt Leube.

2013 macht sie sich auf dem Hof Plaas-Beisemann in Fröndenberg erstmals selbstständig und entwickelt sich mit der Zeit zu einer der besten deutschen Reiterinnen. 2019 debütiert sie schließlich mit Erfolg in der Viersterne-Kategorie. Sie belegt mit ihrem 10-jährigen Spitzenpferd Jadore Moi von Conthargos in Strzegom (Polen) auf Anhieb den fünften und in Baborowko gar den zweiten Platz.

Und mit dem 6-jährigen Sweetwaters Ziethen beweist sie ihre Klasse als Ausbilderin bei der Weltmeisterschaft der jungen Vielseitigkeitspferde in Le Lion d‘ Angers. Ihr Geschick in der Arbeit mit dem Nachwuchs hat sich zuvor längst herumgesprochen. Anvertraut wird ihr Ziehten vom Schweizer Jörg Mühletaler, der in Bulgarien einen landwirtschaftlichen Betrieb namens „Sweetwater Stud“ führt.

Platz 132 der Weltrangliste

Das alles bringt Sophie Leube auf Platz 132 der Weltrangliste und in die nationalen Top 20. „Dadurch bin ich Kader-Anwärterin geworden und ich hoffe darauf, dass ich mich in diesem Jahr beweisen kann und auch in den Kader komme“, sagt sie, und: „Das habe ich bisher noch nicht geschafft. Ich komme nicht aus einer Reiterfamilie. Das macht alles etwas schwieriger, auch wenn meine Eltern mich immer toll unterstützt haben.“

Ihr Turnierplan für 2020 sei eigentlich toll, sagt Leube, doch es gebe aus bekannten Gründen wenig Gelegenheit, sich zu beweisen. „Dabei waren wir diejenigen, die am frühesten wieder losgelegt haben. Aber so langsam läuft es ja wieder an“, sagt sie. Morgen ist noch einmal Rhynern an der Reihe, am kommenden Wochenende reitet sie im polnischen Strzegom ihr erstes Viersterne-Event in diesem Jahr. Sie reist dort mit Ziethen und Jadore Moi an.

Erste Erfolge in 2020 stehen inzwischen zu Buche: In Westersteede belegt Leube mit Ziethen Platz eins in einer Zweisterne- und mit Jadore Moi Platz zwei in einer Dreisterne-Prüfung. Und bei dem Dreisterne-Event in Luhmühlen belegt sie Platz drei – eingerahmt von Sandra Auffarth und Michael Jung. „Das kann sich doch sehen und hören lassen“, sagt Sophie Leube mit einem Leuchten in den Augen.

Neben dem Aufstieg zur Kaderreiterin soll es in diesem Jahr noch etwas werden mit einer Medaille bei der WM der jungen Pferde. „Die ist jedenfalls noch nicht abgesagt“, sagt Leube, die dann mit Ziehten in der Klasse der 7-Jährigen wieder angreifen will: „Im letzten Jahr lagen wir nach Dressur und Cross auf Platz zwei, es hätte Gold werden können.“ Dann gab’s im Springen einen Steher und „nur“ den fünften Platz.

Für die Zukunft ist Sophie Leube mit diesen beiden Pferden bestens beritten. Dass sie bei Jadore Moi zur Besitzergemeinschaft gehört, gibt Sicherheit: „Die geht nie wieder aus meinem Stall“, sagt sie, und: „Sie ist das absolute Spitzenpferd, sie hat alle Möglichkeiten.“ Auch für die ganz große Nummer? „Ja, auch dafür“, sagt Sophie Leube, „aber ein Schritt nach dem anderen. Erst einmal müssen wir sicher werden auf Viersterne-Niveau.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare