Nach dem Karschau-Treffer

Soll die Helmpflicht auch im Rollhockey gelten?

+
Rollhockeyspieler wie Robin Schulz und Lucas Karschau tragen keinen Helm

Der Schuss an Lucas Karschaus Kopf war das Thema des vergangenen Rollhockey-Spieltages. Es stellt sich die Frage: Sollte auch im Rollhockey die Helmpflicht wie beim Eishockey gelten?

Hamm - Am vergangenen Samstag war Lucas Karschau, Kapitän des deutschen Rollhockey-Meisters SK Germania Herringen, von einem Schuss seines Bruders Kevin am Kopf getroffen worden und hatte kurzfristig kein Gefühl mehr in seinen Beinen und Armen. Das Problem: Die Rollhockeyspieler tragen keinen Helm.

Für Timo Tegethoff gibt es keine zwei Meinungen. „Ich kann es nicht nachvollziehen, warum bei uns nicht auch die Feldspieler einen Helm tragen müssen. Die Gefahr ist doch so groß“, sagt der Torwart des SK Germania Herringen. Für ihn selbst käme es nie in Frage, dass er sich ohne seinen Kopfschutz zwischen die Pfosten stellen würde – und kann daher diese Empfehlung auch nur an seine Kollegen weitergeben. „Ich finde das absolut sinnvoll“, sagt Tegethoff.

Tegethoff geht stets auf Nummer sicher

Daher kontrolliert der Goalie auch immer wieder beim Training oder während der Partien seinen Helm und das Visier auf eventuelle Risse, will in Sachen Kopfschutz absolut auf Nummer sicher gehen: „Wenn einem der Helm oder der Gesichtsschutz um die Ohren fliegt, ist die Verletzungsgefahr immens groß. Ich weiß, was da alles passieren kann“, betont Tegethoff. So hat der SKG-Torwart zuletzt beim Training auch den jungen Sercan Polat auf eine Beschädigung dessen Helmes aufmerksam gemacht und zu dem Nachwuchskeeper gesagt: „Feierabend. Damit spielst du nicht weiter.“

Doch anders als im Eishockey gilt die Helmpflicht im Rollhockey nur für die Torhüter, aber nicht für die Feldspieler. Im Eishockey-Sport müssen die Akteure seit mittlerweile 40 Jahren einen Kopfschutz tragen – warum aber nicht beim Rollhockey? Dabei sind die Spielgeräte ähnlich schwer. Der Puck wiegt zwischen 155 und 170 Gramm, die Hartplastikkugel beim Rollhockey zwischen 155 und 160 Gramm. Und auch die Geschwindigkeiten, die die Scheibe und der Ball bei einem Schuss erreichen, liegen jeweils über 100 km/h und können daher böse Verletzungen hervorrufen, wenn sie den Kopf treffen.

Thau geht nie ohne Helm aufs Eis

„Daher würde ich nie ohne einen Helm auf das Eis gehen“, stellt Kevin Thau vom Eishockey-Regionalligisten Hammer Eisbären unmissverständlich klar. „Das ist ja ohne einen Helm lebensgefährlich und in meinen Augen unverantwortlich.“ Thau hat sich seit dieser Saison sogar dafür entschieden, das Plexiglas vor seinem Gesicht durch ein Vollgitter zu ersetzen, um seinen Kopf noch besser zu schützen: „Ich hatte vorher einige Cuts im Gesicht. Ich bin froh, dass ich das Gitter jetzt habe und frage mich, warum ich das nicht schon viel früher gemacht habe.“

Für Kevin Thau von den Hammer Eisbären gehört der Kopfschutz genauso zur Ausrüstung wie seine Schlittschuhe und sein Schläger.

SKG-Trainer Christian Zarod verweist bei der Frage nach einer Helmpflicht erst einmal auf das bestehende Regelwerk. Demnach dürfen sich die Feldspieler mit Schienbein-, Knie- und Genitalschoner sowie verstärkten Handschuhen schützen. Zudem tragen einige Akteure noch einen Gebissschutz. Mehr ist nicht erlaubt. „Leider haben wir als kleiner Verband im internationalen Bereich wenig Mitspracherecht, um da mal etwas anzustoßen. Aber sinnvoll wäre es auf jeden Fall, wenn man sich mal über eine Helmpflicht Gedanken machen würde. Jedes kleine Kind trägt doch beim Fahrradfahren einen Helm, denn gerade am Kopf kann es zu bösen Verletzungen kommen“, sagt der Herringer Trainer und stellt klar: „Man sollte dieses Thema nicht erst dann anstoßen, wenn etwas Schlimmes passiert ist.“

Ein Helm wäre eine große Umstellung

Für die Akteure wäre das Tragen natürlich eine große Umstellung. Darüber sind sich die Spieler einig. „Ich glaube, wenn man das von kleinauf gewohnt ist, wäre das kein Problem. Jetzt wäre es für uns schon sehr gewöhnungsbedürftig“, merkt Lucas Karschau an, der am Samstag eine Menge Glück gehabt hatte. Denn wenn die Kugel nach dem Schuss seines Bruders Kevin drei oder vier Zentimeter tiefer seinen Kopf auf der linken Seite getroffen hätte, wäre sein Gehör in Mitleidenschaft gezogen worden und er hätte eventuell mit schwerwiegenderen Folgen rechnen müssen. „Wir sind froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist“, betont der SKG-Vorsitzende Michael Brandt und erinnert in diesem Zusammenhang an einen Unfall vor mehr als zehn Jahren, als ein Spieler aus Remscheid durch einen Treffer am Kopf das Augenlicht auf einer Seite verlor.

Daher will sich Lucas Karschau auch nicht generell gegen das Tragen eines Helmes wehren und kann sich durchaus vorstellen, als Versuchskaninchen herzuhalten. „Man müsste das mal im Training testen und für sich selbst analysieren. Aber jetzt von heute auf morgen einen Helm zu tragen, wäre schon komisch.“

Auch Milan Brandt will sich dem Helm-Thema nicht komplett verschließen. „Vorteilhaft gegen Verletzungen ist es auf jeden Fall. Und wenn man das von Lucas hört, dann hat man sich schon gewünscht, dass er einen Helm getragen hätte“, meint der derzeit nach seiner Rückkehr von Calenberg nach Herringen für die Bundesliga noch gesperrte Brandt. Allerdings gibt er zu, dass er sich beim Rollhockey ohne einen Kopfschutz wohler fühlen würde: „Ich glaube, für unsere Sportart wäre es eine gewisse Einschränkung. Ich persönlich finde, dass man aufgrund der Beweglichkeit ohne Helm besser zurecht kommt.“

Schläger dürfen nicht über Schulterhöhe

Vom Regelwerk her dürfte es eigentlich überhaupt nicht zu irgendwelchen Verletzungen am Kopf kommen. Denn der Schläger darf nicht über Schulterhöhe geführt werden. Und auch der Ball darf nicht über die Schulter hinaus über das Spielfeld geschossen werden. Entsprechende Vergehen werden direkt von den Unparteiischen unterbunden und mit einem Foul geahndet. Im Eifer des Gefechts passiert es jedoch immer wieder, dass die Schläger zu hoch sind oder dass eine Kugel auf direktem Weg oder auch dann, wenn sie abgefälscht wird, zu hoch fliegt.

Daher war, so erinnert ich Michael Brandt, das Tragen von Helmen in Deutschland früher sogar erlaubt. Und in Italien war es vor einigen Jahren im Jugendbereich sogar verpflichtend. Doch mittlerweile gehört der Helm nicht mehr zur Ausrüstung. „Letztlich müssen wir froh sein, dass selten etwas passiert“, sagt Michael Brandt und kann sich nach dem Kopftreffer von Lucas Karschau durchaus vorstellen, dass das Helm-Thema bei der nächsten Tagung der Bundesliga-Vereine im Januar angesprochen werden kann.

Für Kevin Thau ist eine entsprechende Regeländerung zwingend notwendig. Er kann es nicht verstehen, dass die Rollhockeyspieler ohne einen entsprechenden Schutz des Kopfes ihren Sport betreiben. „Ich weiß nicht, wie man sagen kann, dass man das nicht braucht und dass ein Helm stört. Die Jungs knallen doch auch gegen die Bande und können den Ball an den Kopf bekommen“, meint der Stürmer der Hammer Eisbären. „Mein Vater hätte mich früher erschlagen, wenn ich ohne Helm aufs Eis gegangen wäre. Der hätte mich erst gar nicht aufs Eis gelassen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare

rinkaAntwort
(0)(0)

''Als langjähriger Aktiver kann ich mich auf keinen Fall für eine Helmpflicht aussprechen''
Könnten Sie vielleicht auch eine Begründung für Ihren Standpunkt nachliefern?

Galileon
(1)(1)

Als langjähriger Aktiver kann ich mich auf keinen Fall für eine Helmpflicht aussprechen, demjenigen dem es wichtig ist, dem sollte es durch eine Optionalitätsklausel im Regelwerk aber erlaubt werden. Wir alle wissen vorher auf was wir uns einstellen, niemand steht von heute auf morgen unwissend auf dem Platz und bekommt zack zack Ball und Schläger am Kopf ab.

Gabriel
(0)(0)

Auch wenn Rollhockey insgesamt weniger ruppig ist als Eishockey, ist es doch ein sehr schneller Sport mit zahlreichen Gefahren für den Kopf.
Da sollte dee deutsche Verband ggfs. Die Helmpflicht für seinen Bereich einführen und auch dem Dachverband den entsprechenden Antrag zu allgemeinen Helmpflicht schicken.

Alles andere ist leichtsinnig.