ASV-Spielmacher kehrt rechtzeitig zurück

Sören Südmeier Handball ASV Hamm-Westfalen
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Zurück auf der Platte: ASV-Spielmacher Sören Südmeier.

Nach langer Verletzungszeit ist Sören Südmeier, Spielmacher des Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen, wieder einsatzbereit. Gerade rechtzeitig für den Saison-Auftakt am Freitag gegen den TV Emsdetten (19.15 Uhr/Westpress Arena).

Hamm – Die Testfrage ist für Sören Südmeier kein Problem. „Herter ist es“, lautet die Antwort darauf, ob er wisse, wer zum neuen Oberbürgermeister der Stadt Hamm gewählt worden ist. „Das habe ich tatsächlich auf dem Liveticker des WA verfolgt.“ Die Antwort auf eine andere Frage zu geben, fällt dem Spielmacher des Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen schon wesentlich schwerer: die, ob er glaubt, dass die am Freitag mit der Partie gegen den TV Emsdetten beginnende Spielzeit (19.15 Uhr/Westpress Arena) auch tatsächlich bis zum 38. und damit letzten Spieltag durchgezogen wird. „In dieser Saison ist nichts planbar“, sagt der 29-Jährige zögernd. „Wir müssen bereit sein für alles, die Situation so annehmen, wie sie ist.“

Das macht Südmeier, für den die Rückkehr in die Mannschaft am Freitag gegen Hagen nach wochenlanger Verletzungspause ein harter Test war, den er trotz einer Attacke der VfL-Defensivabteilung gegen seinen lädierten Arm halbwegs gut überstanden hat. Viel härter war für ihn die lange Zeit der Vorbereitung, in der er nicht am Mannschaftstraining teilnehmen konnte. Als es richtig losging, war der Mittelmann raus. Diagnose nach einer MRT-Untersuchung: Risse in der Sehne, eine dicke Entzündung – und ein Kalksporn, der an der Sehne gerieben hat. „Daher musste ich die Schulter erst einmal ruhig stellen und habe dann ein langes Aufbautraining absolviert, Defizite in den ganzen kleinen Muskeln aufgearbeitet“, sagt Südmeier. „In der vergangenen Woche habe ich das erste Mal normale Pässe gespielt und versucht, auf das Tor zu werfen.“

Gegen Hagen stand er dann fast die vollen 60 Minuten auf der Platte. „Der Plan war, dass ich ein Testspiel bestreiten kann“, sagt er. „Dass das ein bisschen zu viel für die Schulter war, ist auch klar. Aber wir hatten danach ein paar Tage frei, so dass sich das erholen konnte.“ Wichtig war nach dieser Partie vor allem die Erkenntnis, dass die Schulter gehalten hat. „Als die Aktion gegen meinen Arm kam, war das schon erstmal ein Schock“, erinnert sich der frühere Mindener. „Dann habe ich aber relativ schnell gemerkt, dass da nichts aufgebrochen ist. Das gibt Vertrauen – aber das größte Vertrauen hole ich mir, wenn ich wieder ohne Bedenken aufs Tor werfen kann.“

Lockdown nicht noch einmal erleben

Und das möglichst oft in der kommenden Spielzeit. Denn so einen Lockdown wie im März möchte er nicht noch einmal erleben. „Das war nicht schön. Wir hatten die Hoffnung, dass wir noch oben angreifen können“, erinnert er sich. „Dann sitzt du zuhause und wartest auf Nachrichten. Und wenn du dann hörst, dass die Saison abgebrochen wird, bist du erstmal leer. Das kann man gar nicht beschreiben. Daher hoffe ich, dass diese Saison vernünftig gespielt werden kann.“

Dass seine Vorfreude noch nicht ganz so groß wie in den Vorjahren ist, hat nichts mit Corona zu tun, dessen Auswirkungen auf sein privates Leben für ihn gar nicht so belastend sind. „Freuen tut man sich schon, dass es wieder losgeht, aber von mir aus hätte es ruhig ein, zwei Wochen später beginnen können“, hätte er sich etwas mehr gemeinsame Zeit mit den Kollegen auf dem Spielfeld gewünscht. „Den Rückraum, den wir zurzeit haben, die Laufwege von Gerrit Genz kenne ich noch nicht so wirklich. Mit David Spiekermann habe ich auch noch nicht so viel zusammen gespielt. Das ist jetzt eine Findungssache, wo wir das Training intensiv nutzen müssen.“ Immerhin: Die Abwehr steht ordentlich. „Nur vorne werfen wir zu wenig Tore. Das ist jetzt meine Aufgabe als Chef im Angriff, als Mittelmann, den Angriff in den Gang zu kriegen“, nimmt sich der langjährige Erstligaakteur selbst in die Pflicht. „Insgesamt müssen wir jetzt enger zusammenrücken. Wir haben keine Unterstützung von den Zuschauern, was uns sonst ein paar Prozentpunkte bringt und den Gegner einschüchtert.“

Dass ein schwacher Auftakt bereits die angepeilten Saisonziele zunichte machen kann, wissen alle im ASV-Lager. Die sind zwar nur intern besprochen, dürften sich allerdings von denen der vergangenen zwei Jahre kaum unterscheiden. Der ASV ganz oben mitreden – die Verletzungen sollen da nicht schon vor dem Start zur Ausrede werden. „Die anderen Mannschaften werde auch nicht ohne dadurch gehen“, betont der 29-Jährige. „Und wir haben einen zu guten Kader, als dass wir uns über die Verletzten die ganze Zeit Gedanken machen müssten. Ich denke, wir haben gute Jungs in der zweiten Reihe, die jetzt direkt große Spielanteile bekommen.“

Das Ziel Aufstieg, für das er vor zwei Jahren von Minden nach Hamm gewechselt ist, hat Südmeier jedenfalls noch nicht ad acta gelegt. „Natürlich zählen wir zu den Mannschaften, die oben mitspielen“, sagt er überzeugt. „Und ich würde gerne nochmal in Kiel einlaufen – am liebsten vor 10 000 Zuschauern. Das ist mein Ziel mit dem ASV.“

Zwei Jahre läuft sein Vertrag noch beim ASV – mindestens. Und in der Stadt fühlt sich Sören Südmeier sehr wohl. Was vor allem an den Mitspielern und der guten Stimmung im Team liegt, das wie eine Ansammlung von Freunden auf ihn wirkt. „Hamm ist mein zweites Zuhause“, sagt er. Und damit das so bleiben kann, hofft er auch auf einen guten Auftakt. Die Schlagzeile, die er nach dem Spiel gegen Emsdetten lesen möchte? „ASV startet mit zwei Punkten in die Saison.“ Wie viele Südmeier-Tore dann auf dem Zettel stehen? „Das ist mir wirklich völlig egal“.

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