Fußball

Sportplatz und Club geschlossen: So lebt Erdal Akyüz im Corona-Lockdown

In seinem Szene-Club in Dortmund begrüßt Erdal Akyüz auch immer wieder BVB-Spieler wie Pierre-Emerick Aubameyang, als dieser noch für die Borussia auflief.
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In seinem Szene-Club in Dortmund begrüßt Erdal Akyüz auch immer wieder BVB-Spieler wie Pierre-Emerick Aubameyang, als dieser noch für die Borussia auflief.

Alles, was Erdal Akyüz angeht, macht er mit Leib und Seele. Doch während der Corona-Pandemie darf der 49-Jährige weder sein Hobby noch seinen Beruf als Gastronom ausüben.

Hamm - Der 49-Jährige trainiert seit vielen Spielzeiten den aktuell in der Fußball-Kreisliga A beheimateten TSC Hamm – mit viel Herzblut und großem Engagement. Und mit genauso viel Leidenschaft betreibt er in Dortmund das iRoom, ein Tanzclub mit Cocktailbar. Doch seit Beginn der Corona-Pandemie Mitte März 2020 ist im Leben von Erdal Akyüz nichts mehr so, wie es jahrelang war. Ein Großteil dessen, was sonst sein Leben ausmacht, liegt brach. „Man lebt jetzt in den Tag hinein und hofft“, sagt er und fügt hinzu: „Glücklicherweise bin ich ein positiver Mensch und lasse mich nicht so schnell unterkriegen. Ich denke mir an jedem Abend, dass wir dem Ende der Pandemie wieder einen Tag näher gekommen sind.“

Der Fußball ist – seit er im Alter von sieben Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen ist – sein großes Hobby. Bereits mit neun Jahren trat er dem damaligen SV Herringen bei. Vor allem dem TSC, zu dem er im Sommer 2002 vom Lüner SV gewechselt war und dem er seit diesem Jahr die Treue hält, fühlt er sich überaus intensiv verbunden. Zuerst war er als Spieler aktiv, dann als Jugendtrainer und mittlerweile als Coach der ersten Mannschaft. Zudem ist er noch für den Marketingbereich des Vereins tätig, stellt Kontakte zu Geschäftsleuten her und holt die nötigen Gelder rein. Und obwohl er im Vorstand kein offizielles Amt inne hat, ist er im Laufe der Jahre doch zum Gesicht des TSC geworden. „Gefühlt gehen normalerweise 50 Prozent meines Lebens für den Verein drauf“, sagt er und betont, dass er diese Zeit mehr als gerne opfert. „Das ist eine Sache, die mache ich für mich. Da zwingt mich keiner zu, das ist kein Muss.“

Akyüz: „Das Kabinenleben ist diese Ruhrpott-Mentalität“

Vor allem liebt er es dabei, mit den jungen Leuten zu arbeiten, sie an seiner Leidenschaft für den Fußball teilhaben zu lassen und mit ihnen nach dem Training oder nach dem Spiel zusammenzusitzen. „So etwas prägt einen. Und irgendwie ist dieses Kabinenleben ja auch die Ruhrpott-Mentalität“, sagt er.

Umso mehr fehlt ihm all dies, seitdem der Spiel- und Trainingsbetrieb im Amateurbereich ruht. Lediglich im vergangenen Sommer durfte er so wie alle anderen Trainer auch mit seinen Schützlingen auf den Platz, doch seit Ende Oktober des vergangenen Jahres steht wieder alles still. „Man kann das gar nicht in Worte fassen, wie sehr man das alles vermisst – selbst das Mistlabern in der Kabine“, sagt er mit trauriger Stimme.

Doch Akyüz fehlt nicht nur der Sport und das Miteinander mit seinen Spielern, sondern auch in seinem Job ist er – abgesehen von wenigen Wochen im vergangenen Jahr – seit 13 Monaten zur Untätigkeit verdammt. „Ich bin Gastronom durch und durch, mache das mit Leib und Seele“, sagt er.

2006 eröffnete Akyüz seinen ersten Club

Vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland hatte er seinen ersten Club eröffnet, seitdem übe er diesen Job mit immens viel Hingabe und Freude aus. „Ich bin ein Typ, der sein Leben genießt, der Spaß haben will. Und genau das habe ich in diesem Job“, erklärt er, warum er so gerne in diese Branche tätig ist. Umso schmerzt es ihn, dass ihm durch die Corona-Beschränkungen auch dieser Lebensbereich weggebrochen ist.

Neben dem Spaß fehlen ihm natürlich auch die Einnahmen. Da es mit den staatlichen Hilfen nicht so läuft, wie er sich das vorstellt, und das Kurzarbeitergeld oft mit einer deutlichen Verspätung für ihn und seine Mitarbeiter überwiesen wird, lebt Akyüz derzeit vor allem von seinen Ersparnissen. Dabei hatte er sich extra für den Fall, dass es im Gastronomie-Bereich mal nicht so gut läuft, ein zweites Standbein aufgebaut und in Bochum ein Enthaarungsstudio eröffnet. Doch auch dieses muss derzeit die Türen geschlossen halten. „Ich hatte eigentlich gedacht, dass es in diesem Frühjahr Besserung gibt und wir wieder öffnen können. Aber das kann ich mir jetzt nicht mehr vorstellen. Der Lockdown wird ja immer wieder verlängert“, sagt er und fügt gefrustet hinzu: „Ich bin auf beiden Seiten komplett gesperrt.“

So hofft er nun, dass er sein Geschäft in Bochum bald wieder öffnen kann, wenn es eine entsprechende Regelung mit Schnelltests gibt. Und im iRoom in Dortmund wird er in der kommenden Woche ein Schnelltestcenter eröffnen. Am Mittwoch gab es für Akyüz und seine Mitarbeiter eine entsprechende Einweisung, in der nächsten Woche hofft er, dass er loslegen kann. „Ich versuche dadurch ein bisschen Geld einzunehmen“, erläutert er und verrät, dass er weiter an ein gutes Ende glaubt: „Corona ist gefährlich. Aber wir werden das hinbekommen. Davon bin ich überzeugt.“

Akyüz: „Fußball ist mein Leben“

Bis es so weit ist, übt er sich schweren Herzens in Geduld und wartet. „Ab und an geht man einkaufen. Ansonsten liegt man zuhause auf der Couch und guckt Fernsehen. Das soziale Leben ist ja eingeschränkt“, meint er. „Man fühlt sich wie Unkraut, das vor sich hinvegetiert. Man muss schon aufpassen, dass das nicht an die Psyche geht.“

Sich ein neues Hobby zu suchen oder vielleicht sogar den Job zu wechseln, daran verschwendet er allerdings keinen Gedanken. „Fußball ist mein Leben, daran gibt es genauso wie an meiner Arbeit nichts zu rütteln. Ich weiß zwar von einigen Gastronomen, dass sie für die Zukunft schwarz sehen und dass sie aufgeben wollen. Aber das ist für mich keine Option“, stellt er unmissverständlich klar und freut sich daher weiter über jeden Tag, durch den das Ende des Lockdowns näher rückt. Denn er wünscht sich nichts mehr, als bald wieder auf dem Fußballplatz zu stehen und in seinem Club Gäste begrüßen zu dürfen.

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