Rollhockey

SK Germania streitet mit Weltverband - Brandt: „Bodenlose Frechheit“

Michael Brandt (links), Vorsitzender des SK Germania Herringen.
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Michael Brandt (links), Vorsitzender des SK Germania Herringen.

Michael Brandt lässt sich normalerweise nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Dafür ist der Vorsitzende des deutschen Rollhockey-Meisters SK Germania Herringen schon zu lange im Geschäft. Jetzt aber kann sich auch der Vereinsboss kaum zurückhalten.

Hamm - „Das ist eine bodenlose Frechheit“, poltert Brandt. „Das gibt mächtig Stress, und ich bin gespannt, wie das noch ausgeht. Das spitzt sich im Moment richtig zu, es kann einen richtigen Knall geben.“

Der Grund seines Ärgers: Der Verband World Skate Europe (WSE) behält die Startgelder aus der Euroleague und den anderen Europapokalwettbewerben ein, obwohl diese Saison aufgrund der Corona-Pandemie noch kein Spiel auf internationalem Parkett ausgetragen worden ist. So ist es den Mannschaften aus Deutschland, Frankreich, Österreich, Schweiz und England, die den Rollhockeysport nicht professionell betreiben, schlichtweg nicht möglich, an den europäischen Wettbewerben teilzunehmen, weil es behördlich verboten ist, Kontaktsport auszuüben.

In Italien, Portugal und Spanien darf gespielt werden

Anders sieht es bei den Teams aus Italien, Spanien und Portugal aus, die jetzt den Europapokal unter sich austragen. Denn in diesen Ländern gilt Rollhockey als Profisport, es gibt entsprechende Ausnahmegenehmigungen vom Lockdown. Hinzu kommt, dass der prestigeträchtige Wettbewerb im Fernsehen übertragen wird und die Vereine entsprechende Einnahmen durch die TV-Übertragungen generieren. Letztlich werden von anfangs 58 gemeldeten Teams jetzt nur noch 24 antreten, mehr als die Hälfte ist also nicht mehr dabei. „Es ist ja kein Verein freiwillig ausgeschieden, wir hatten doch keine andere Wahl als unseren Start abzusagen. Das war quasi höhere Gewalt“, erklärt Brandt. „Und trotzdem sagt der Verband, wir hätten keinen Anspruch auf die Rückerstattung des Startgeldes. Das geht doch gar nicht.“

Der SKG-Vorsitzende hätte sogar noch halbwegs Verständnis dafür aufgebracht, wenn der Verband einen Teil des Geldes einbehalten hätte. „Es gab ja eine Auslosung. Und es wurde auch ein Spielplan erstellt. Aber uns jetzt, wo wir nicht spielen, gar nichts zurückzuzahlen, das geht gar nicht“, schimpft Brandt. Die WSE beruft sich auf ihre eigenen Vorgaben und erklärt, die Regularien würden eine Rückzahlung nicht zulassen.

Der Verband behält rund 15 000 Euro ein

Zwischen 500 und 700 Euro mussten die Vereine als Startgeld zahlen. Und tritt ein Klub sowohl mit einer Herren- als auch einer Damenmannschaft auf internationalem Parkett auf, wird für jedes Team abkassiert. Insgesamt beläuft sich Summe damit auf rund 15 000 Euro, die World Skate Europe von den Amateurvereinen einbehält. Daher wollen sich die deutschen Rollhockey-Vereine noch in dieser Woche zu einer Videokonferenz treffen und das weitere Vorgehen besprechen. Anschließend soll es dann ein gemeinsames Abstimmen mit den Ländern geben, die den Rollhockeysport ebenfalls auf Amateurebene betreiben. „Gut möglich, dass es am Ende eine Absplitterung der Nationen von der WSE geben wird, die nicht unter Profibedingungen spielen“, erklärt Brandt.

Doch auch in Italien, Spanien und Portugal rumort es gewaltig. Nachdem feststeht, dass nur noch die Teams aus diesen drei Ländern international spielen werden, musste die WSE einen neuen Austragungsmodus und -plan entwickeln und fordert nun von den verbliebenen Mannschaften zusätzliches Geld. „Da stehen pro Verein Summen von bis zu 10 000 Euro im Raum. Das sorgt für viel Zündstoff“, sagt Brandt und ist gespannt, ob sich letztlich auch die in Europa führenden Rollhockey-Nationen vom europäischen Verband distanzieren.

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