1. wa.de
  2. Sport
  3. Hamm

Eine neue Rolle für Sjoeke Nüsken

Erstellt:

Von: Frank Hellmann

Kommentare

Sjoeke Nüsken gab beim 2:1 der Nationalmannschaft gegen Frankreich ein starkes Debüt in der Innenverteidigung.
Sjoeke Nüsken gab beim 2:1 der Nationalmannschaft gegen Frankreich ein starkes Debüt in der Innenverteidigung. © IMAGO/Sven Sonntag

Die Hammer Fußball-Nationalspielerin Sjoeke Nüsken tritt beim Bundesligisten Eintracht Frankfurt schon seit einiger Zeit in einer neuen Rolle auf. Nach ihrem überzeugenden Debüt als Innenverteidigerin im Nationalteam beim 2:1 gegen Frankreich will Eintracht-Coach Niko Arnautis Nüsken jetzt auch im Verein weiterhin in der Defensiv-Zentrale einsetzen.

Hamm – Wenn Niko Arnautis über Sjoeke Nüsken redet, dann gerät der Trainer der Frauen von Eintracht Frankfurt schnell ins Schwärmen. Es hat ja Gründe, dass die 21-Jährige, die das Fußballspielen am Papenloh in Hamm beim SV Westfalia Rhynern erlernte, seine neue Abwehrchefin gibt, die auch fürs Auswärtsspiel bei der SGS Essen (Sonntag, 16 Uhr) in zentraler Rolle nicht mehr im Mittelfeld, sondern in der Viererkette gesetzt ist.

Eine polyvalente Spielerin

„Sie ist variabel einsetzbar: Sie hat eine super Eröffnung mit dem rechten Fuß, aber auch mit dem linken.“ Das sei nicht nur gegen tief stehende Mannschaften „eine Waffe“, sagt Arnautis, sondern auch gegen Topteams, die hoch pressen. Deswegen bot sich der Rollenwechsel ja an. „Sie ist zweikampf- und kopfballstark. Von daher bringt sie alles mit, um Innenverteidigerin zu spielen. Sie ist eine polyvalente Spielerin.“

Es passt zur recht bewegten Karriere dieser Fußballerin, dass sie diesen Part nun auch im Nationalteam gespielt hat: Es gab viele überraschende Blicke auf der Pressetribüne des Rudolf-Harbig-Stadions in Dresden, als vor dem Länderspiel Deutschland gegen Frankreich (2:1) die Aufstellung die Runde machte: mit Nüsken, die den langfristigen Ausfall von Abwehrchefin Marina Hegering kompensierte. Umsichtig, abgeklärt, einsatzfreudig. „Es war auch für mich interessant zu sehen, wie sie die Aufgabe gemeistert hat“, lobte Arnautis, der wie alle Augenzeugen „eine gute Performance“ gesehen hatte.

EM-Enttäuschung verflogen

„Ich denke, ich kann zufrieden sein. Es war ein gutes Spiel“, sagte auch Nüsken nach ihrem elften Länderspiel. Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg hatte ihr zuvor übermittelt, „dass sie bei mir mehr Potenzial auf der Innenverteidigerposition sieht“. Diejenige, die vor der EM noch ausgebootet wurde, ist auf einmal wichtig. Die Enttäuschung darüber ist bei der im Frühjahr auch vom FC Chelsea umworbenen Allrounderin indes verflogen. Zunächst habe sie die Spiele vor dem Fernseher verfolgt, dann flog sie zum Finale nach. „Ich war ja in London dabei, wurde vom DFB eingeladen und habe die Mannschaft unterstützt.“

„Sjoeke hat noch nicht so viele Spiele auf diesem Niveau gespielt und wir müssen einfach wissen, ob sie es kann. Sie hat gezeigt, dass sie es kann. Sie hat gezeigt, wo sie ihre Kompetenzen hat – in der Zweikampfhärte, aber auch in der Spielkompetenz“, stellte Voss-Tecklenburg nach der Bewährungsprobe gegen Frankreich heraus. Die 54-Jährige bedauert, dass die Eintracht es nicht in die Gruppenphase der Champions League gepackt hat, weswegen den fünf Frankfurter Nationalspielerinnen wichtige internationalen Erfahrungen fehlen.

Ein spannender Zweikampf

Wenn ihnen das im Verein nicht geboten wird, dann eben im Nationalteam – so geht die Lehre der Bundestrainerin. Nüsken ist neuerdings im DFB-Team zur unmittelbaren Konkurrentin für ihre Vereinskollegin Sara Doorsoun geworden. Die 31-Jährige war bei der EM stets für die angeschlagene Hegering gekommen. Es könnte spannend werden, wie dieser Zweikampf um den zweiten Platz der deutschen Deckung – Kathrin Hendrich ist gesetzt – mit Blick auf die WM in Australien und Neuseeland 2023 ausfällt.

Sachdienliche Hinweise sind vor allem bei der Länderspielreise in die USA mit gleich zwei Vergleichen gegen die Weltmeisterinnen (11. und 13. November) zu erwarten.

Auch interessant

Kommentare