U20-Nationalspielerin

Tordebüt in der Bundesliga! Hammer Fußball-Talent will hoch hinaus

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Der erste Bundesligatreffer gelang Sjoeke Nüsken (links) gegen Duisburg – weitere sollen bald folgen.

Den Traum von der A-Nationalmannschaft will sich Fußballerin Sjoeke Nüsken bald erfüllen. Doch erst muss beim 1. FFC Frankfurt der Stammplatz her.

Frankfurt/Main – Mitten im Zimmer ihrer Frankfurter Wohnung im Stadtteil Rödelheim steht ein Tischkicker. Ein Mitbringsel aus der Heimat, an dem sich Sjoeke Nüsken gerne gelegentlich mit Ihrer Mitbewohnerin, der Schweizerin Sandrina Mauron, misst.

„Manchmal spielen wir abends eine Runde“, sagt Nüsken. „Im Moment allerdings eher weniger, weil wir nicht so viel Zeit haben.“ Kein Wunder, denn beide spielen beim Frauenfußball-Bundesligist 1. FFC Frankfurt – und am Sonntag endet für den aktuellen Tabellensechsten die Winterpause mit der Auswärtspartie beim Ligaschlusslicht FF USV Jena (14 Uhr).

Entsprechend arbeitsintensiv war die Vorbereitung, die Nüsken mit der Mannschaft bestritten hat. Täglich – Ausnahme dienstags – stand das 19-jährige Talent aus Hamm seit Mitte Januar wieder mit ihren Teamkolleginnen auf dem Trainingsplatz, um sich auf die Rückrunde vorzubereiten. Was nicht selbstverständlich ist für die Mittelfeldspielerin.

Aufwärmen steht für Sjoeke Nüsken auf dem Programm. Aktuell noch im Dress der U20-Nationalmnnschaft.

Denn kurz nachdem ihr Wechsel nach Frankfurt im Frühling perfekt war, verletzte sich Nüsken bei einem Spiel mit der männlichen A-Jugend von Westfalia Rhynern, zog sich einen Bruch an der Spitze des Wadenbeins zu, der sie weiter zurück geworfen hat, als sie gedacht hätte. „Das war sehr langwierig. Erst Weihnachten ist das Metall wieder rausgekommen“, sagt sie. „Das hat schon ein bisschen rausgeguckt und am Schuh gedrückt. Und als ich im Sommer nach Frankfurt gekommen bin, habe ich noch viel Reha gemacht, war nicht so viel bei der Mannschaft.“

Kein Vergleich zum Fußball mit den Jungs

Als sie dann zurück kam, musste sie sich vieles, was vorher selbstverständlich schien, mühsam wieder erarbeiten. „Das hätte ich nicht gedacht, dass es so lange dauern würde“, gibt Nüsken zu, die sich aber beim Frankfurter Trainerteam um Chefcoach Nico Arnautis („Der ist mega cool, hat echt Ahnung“) sehr gut aufgehoben fühlt. „Im Training durfte ich anfangs keine Zweikämpfe machen, war dann immer als freie Spielerin dabei.“

Und auch die Umstellung vom Fußball mit den Jungs, den sie während ihrer gesamten Jugendzeit in Rhynern gespielt hat, zum Frauenfußball war größer, als sie es erwartet hatte. „Das war ein komplett anderes Gefühl, nicht mehr bei den Jungs zu spielen. Hier wird viel mehr Wert auf Taktik gelegt“, sagt sie. „Vor jedem Spiel gibt es eine Videoanalyse – und bei den Jungs ging es eher über Körper und Tempo, jetzt über Technik und Taktik.“

Behutsame Wiedereingliederung bedeutete für die Mittelfeldspielerin allerdings auch viel Zeit auf der Bank zu verbringen. Nur einmal kam sie während der Hinrunde von Beginn an zum Einsatz – beim 0:3 gegen den FC Sand. Eine Niederlage, die sie aber „schnell abgehakt“ hat. Viel mehr bleibt da schon das 4:2 aus dem Hinspiel gegen Jena im Kopf, in dem sie in der 74. Minute vor 1410 Zuschauern erstmals eingewechselt wurde. „Das war richtig cool, da reinzukommen“, erinnert sie sich gerne an die Partie. „Das werde ich auch nicht vergessen.“ Genauso wenig wie ihren 2:1-Siegtreffer gegen den MSV Duisburg am achten Spieltag – ihr erstes Tor in der Bundesliga.

Der erste Treffer nur ein Anfang

Spielen möchte die 19-Jährige künftig öfter. Am Wochenende im letzten Test beim 2:1 gegen Freiburg spielte sie 80 Minuten, erzielte einen Treffer und bereitete einen vor – die perfekte Empfehlung der jüngsten Spielerin des FFC-Kaders für die Startformation gegen Jena. „Von der Verletzung merke ich jetzt gar nichts mehr“, fühlt sie sich bereit. „Es fehlt vielleicht noch ein bisschen Kraft und Ausdauer, aber das kommt auch langsam.“

Dafür hat sie hart trainiert, war unter anderem mit der Mannschaft im Trainingslager an der portugiesischen Algarve, das neben der Arbeit mit dem Ball auch ein wenig Abwechslung zu bieten hatte. „Wir waren direkt am Strand, haben da morgens zum Sonnenaufgang trainiert“, sagt Nüsken, die trotz Temperaturen von 14, 15 Grad auch einen Sprung ins kalte Wasser gewagt hat.

So gestählt fühlt sie sich bereit für neue Taten in der Liga, will da „erstmal wieder ein paar und dann später 90 Minuten spielen und immer wichtiger für die Mannschaft werden, in der ich hoffe, einmal eine Führungsrolle übernehmen zu können – egal, ob auf der Position sechs, acht oder zehn. Hauptsache, auf dem Platz.“

Nüsken will in die A-Nationalmannschaft

Denn ein Traum Nüskens, die in allen U-Mannschaften des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gespielt hat, bleibt der Sprung in die A-Nationalmannschaft. Kontakt zu Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg gab es nach einer ersten Einladung im Frühling zum DFB-Lehrgang auch. „Sie hat gesagt, ich soll mich jetzt erst einmal auf die U20-WM in Costa Rica konzentrieren“, so die gebürtige Hammerin, die sich um so mehr durch gute Leistungen im Verein empfehlen möchte. „Da wollen wir möglichst viele Spiele gewinnen. Es ist ärgerlich, dass wir zum Ende der Hinrunde immer knapp verloren haben. Daher nimmt man sich schon vor, jetzt besser zu spielen und nicht so unnötige Gegentore zu bekommen.“

Schließlich ist der 1. FFC einer der erfolgreichsten Vereine im Frauenfußball und möchte wieder an seine beste Zeit mit sieben Deutschen Meisterschaften anknüpfen, die 2015 im Gewinn der Champions League gipfelte. „Ich wusste, dass die früher ein paar Titel gewonnen haben, aber das hat meine Entscheidung, herzukommen, nicht beeinflusst. Mich hat einfach die Atmosphäre im Team überzeugt – und der Trainer. Nico setzt auf junge Spielerinnen“, sagt Nüsken, die in Frankfurt als Studentin des Bauingenieurwesens eingeschrieben und gerade in der Klausurenphase ist.

„Das ist schon viel Aufwand, jeden Tag in der Uni zu sein und danach Training zu haben. Das ist viel Stress, aber im Moment klappt es noch ganz gut. Ich habe mir ja nicht vorgenommen, in sechs Semestern zum Bachelor zu kommen.“ Schließlich muss sie noch für andere Dinge ein wenig Zeit einplanen – Kickern mit Sandrina Mauron, zum Beispiel.

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