Gemischte Reaktionen

Das sind die neuen Regeln - und das sagen die Hammer Fußball-Trainer

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Steven Degelmann, Trainer des TuS Wiescherhöfen.

Die neue Fußballsaison bringt einige Regeländerungen mit sich, die bei den Hammern Trainern eher gemischte Reaktionen auslösen – Kritik und Zustimmung.

Hamm - Wir erklären die neuen Regeln, aufgestellt vom International Football Association Boards (IFAB), die in der Saison 2019/20 in Kraft treten werden. 

Schiedsrichterball: Ab der neuen Saison wird der Schiedsrichter den Ball einem Spieler aus der Mannschaft überlassen, die zuletzt im Ballbesitz war. 

Regeländerung im Fußball: Keine Seitenwahl mehr

Anstoß: Der Sieger der Platzwahl darf zukünftig darüber entscheiden, ob seine Mannschaft die Spielhälfte wählen oder Anstoß haben möchte. Zuvor hatte der Gewinner die Seite bestimmt und der Verlierer Anstoß.

Disziplinarmaßnahmen: Neben den Spielern kann der Schiedsrichter ab der kommenden Saison auch den Trainern und den Betreuen Gelbe oder Rote Karten zeigen. Das soll bei den Zuschauern für weniger Verwirrung sorgen, wenn ein Trainer des Feldes verwiesen wird. Zusätzlich können Trainer nach einer Verwarnung die Emotionen senken, ohne gleich mit einem Feldverweis eine Geldstrafe in Kauf nehmen zu müssen. Eine Verwarnung kann dem Trainer auch ausgesprochen werden, wenn ein Auswechselspieler eine verbale Entgleisung begeht. Steven Degelmann, Coach des Fußball-Landesligisten TuS Wiescherhöfen, begrüßt diese Regel: „Ich finde es gut und sinnvoll, dass die Trainer Karten bekommen können, da diese sich somit bei kleineren Auseinandersetzungen zusammenreißen können und nicht direkt einen Feldverweis ausgesprochen bekommen.“ Auch Jörg Fiebig, Coach des Bezirksligisten TuS Germania Lohauserholz, findet die Regel grundsätzlich gut, hat aber auch Befürchtungen, dass die Schiedsrichter die menschliche Seite außer Acht lassen: „Ich hoffe nicht, dass der Schiedsrichter weniger Fingerspitzengefühl zeigt und von der Gelben Karte viel zu schnell Gebrauch macht. Wenn Trainer und Schiedsrichter miteinander reden, nimmt das den Druck raus.“ Für Erdal Akyüz, Trainer des A-Ligisten TSC Hamm, ist die neue Regel dagegen absolut überflüssig: „Der Fußball lebt von Emotionen und der laute Ton gehört an der Seitenlinie dazu.“ Michael Kaminski vom Oberligisten SV Westfalia Rhynern macht sich dagegen keine Sorgen, dass sein Team von der Regel betroffen ist: „Die Spieler und wir Betreuer sind gut erzogen. Jedoch finde ich es nicht gut, dass der Trainer für die gesamte Mannschaft hinhalten muss.“ Damit das Problem nicht entsteht, könnte laut Fiebig eine Regel in Kraft treten, die besagen soll, dass „eine zehnminütige Strafe einem Spieler ausgesprochen wird, wenn nicht identifiziert werden kann, wem eine verbale Entgleisung zuzuschreiben ist“. 

Regeländerung im Fußball: Verzögerungen bei Auswechslungen sollen vermieden werden

Auswechslung: Der ausgewechselte Akteur muss das Spielfeld ab der neuen Saison an der nächstmöglichen Stelle verlassen, damit Zeitspiel bei Auswechslungen verhindert wird. „Die Regel ist nicht verkehrt, wenn man wichtige Sekunden oder Minuten benötigt, um ein Tor zu erzielen“, so Kaminski. Akyüz meint dagegen: „Taktik gehört im Fußball dazu, und die 30 Sekunden, die von der Uhr gehen, sind nicht ausschlaggebend. Das hat mit dem Sinn vom Fußball nichts zu tun und bringt das Spiel nicht weiter.“ Auch Degelmann findet kein Gefallen: „Damit werden Taktik und Emotionen aus dem Spiel herausgenommen.“ 

Regeländerung im Fußball: Schiedsrichter ist nicht mehr Luft

Ballkontakt des Schiedsrichters: Wenn der Schiedsrichter den Ball berührt, kann der Referee das Spielgeschehen zukünftig unterbrechen, und die Partie wird mit einem Schiedsrichterball fortgeführt. Abstoß Einem Mitspieler wird es ab der kommenden Saison möglich sein, einen Ball vom Torwart im eigenen Strafraum annehmen zu dürfen. Gegenspieler müssen sich außerhalb des Strafraums aufhalten und dürfen um den Ball kämpfen, sobald dieser mit dem Fuß gespielt wurde. „Der Torwart muss den Ball nicht mehr direkt rausschlagen“, sieht Kaminski Vorteile im Spielaufbau. 

Gesperrte Bälle: Ein Freistoß kann durch diese Änderung von einem Spieler schnell ausgeführt werden, ohne dass der Unparteiische den Gegenspieler bestraft. Diese ist für ihn dann bei der nächsten Spielunterbrechung fällig. Kaminski macht deutlich, dass seine Mannschaft dadurch noch konzentrierter auftreten muss: „Wenn ein Freistoß schnell ausgeführt wird, müssen bei den Jungs alle Sinne geschärft sein, da sie auf den Gegner, aber auch auf den Schiedsrichter achten müssen.“ Auch Fiebig kann sich mit der Regel anfreunden, da sein Team „bei Fouls immer wach sein muss“.

Regeländerung im Fußball: "Mauerverbot" beim Freistoß

Mauerstellung: Wenn mehr als drei Verteidiger eine Mauer bilden, müssen Angreifer einen Abstand von mindestens einem Meter einhalten. Wird dieser nicht eingehalten, wird das Spiel mit einem indirekten Freistoß fortgesetzt. Dadurch sollen die Rangeleien reduziert und dem Torwart eine bessere Sicht ermöglicht werden. Besteht die Mauer aus weniger als drei Spielern, dürfen weiterhin Angreifer in die Mauer rücken: „Durch den Meter Abstand wird es weniger Geschubse geben. Eine Sichtbehinderung für den Torwart wird es weiterhin geben, da die Spieler seitlich versetzt zur Mauer stehen können“, sagt Fiebig. 

Elfmeter: Diese Regel betrifft die Schlussmänner der Vereine. Der Torwart muss bei einem Elfmeter nur noch mit einem Fuß auf der Linie stehen. 

Regeländerung im Fußball: So steht's um Handspiel

Handspiel: Bei einem der wohl meist diskutierten Themen der vergangenen Saison wird es auch in der neuen Saison Platz für Diskussionen geben. Es wurde sich darauf geeinigt, dass Tore, die mit der Hand oder dem Arm erzielt werden, nicht zählen. Zudem kann in Zukunft auch unabsichtliches Handspiel durch den Schiedsrichter bestraft werden, wenn daraus eine Torchance oder ein Tor entstanden ist. 

Einwechslung: Den Teams wird es ab der kommenden Saison erlaubt sein, in der regulären Spielzeit einen vierten Spieler einzuwechseln. Die Verantwortlichen sehen dabei einige Vorteile. „Unser Kader ist breit aufgestellt, und mit einer weiteren Einwechslung können wir taktische Veränderungen in Form von einem Doppelwechsel durchführen“, zeigt sich Degelmann glücklich. „Für jeden Spieler ist die Chance auf eine Einwechslung höher, und für den Trainer ist es besser.“ Auch Kaminski sieht diese Regeländerung als sinnvoll an. „Dadurch habe ich als Trainer eine Option mehr. Insgesamt sind die Regeln nicht verkehrt, wenn sie nicht zu konfus ausgeführt werden.“

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