Rollhockey

Turbulente Zeiten für den SK Germania Herringen

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Hier schaut Niklas Nohlen noch gefrustet, als Christoph Rindfleisch und Liam Hages einen Treffer bejubeln. In der neuen Saison können die drei zusammen feiern.

Es sind derzeit turbulente Tage für Germania Herringen. In der Bundesliga trifft das Team nur noch auf sechs Gegner, die Auftritte auf internationalem Parkett in der European League bringen den Verein in finanzielle Nöte – und der Klub von der Schachtstraße meldet noch einen externen Zugang.

Hamm - Das Gute vorweg. Rollhockey-Bundesligist SK Germania Herringen hat auf den Abgang von Milan Brandt reagiert und mit Niklas Nohlen (Jahrgang 1996) einen Neuzugang präsentiert. „Niklas ist ähnlich gebaut wie Milan, aber auch genauso schnell auf Rollschuhen unterwegs“, freut sich der SKG-Vorsitzende Michael Brandt. „Niklas wird oft unterschätzt, aber gegen ihn möchte kaum einer gerne spielen.“

Diese positive Nachricht hängt aber mit einer weniger guten zusammen. Denn Nohlen hat den Herringern seine Zusage nur deswegen gegeben, weil sein bisheriger Verein, der RHC Recklinghausen, in der kommenden Saison nicht mehr in der 1. Bundesliga antreten wird. Nach dem freiwilligen Abstieg der SG Blue Lions, dem Rückzug von ERG Iserlohn (der WA berichtete) und dem Aufstieg des SC Bison Calenberg, der den Bundesliga-Startplatz als Spielgemeinschaft mit dem Valkenswaardse RC wahrnehmen wird, schrumpft die erste Liga damit auf nur noch sieben Teams zusammen. „Das ist ein Schlag für uns alle“, sagt Brandt, der mit anderen Bundesliga-Vereinen noch versucht hatte, dem RHC in diesen aufgrund der Corona-Pandemie schweren Zeiten zu helfen. „Aber letztlich war die Spielerdecke in Recklinghausen zu dünn. Der Verein hat nochmal versucht, Akteure zu finden, ist aber letztlich gescheitert“, berichtet Brandt. Damit haben die Herringer in der Bundesliga-Runde nur noch jeweils sechs Partien in der Hin- und Rückrunde zu bestreiten. „Wir haben dann an zwei weiteren Wochenenden spielfrei. Dadurch wird die Saison enorm in die Länge gezogen. Das passt uns nicht“, so der SKG-Vorsitzende.

An dem geplanten Saisonstart am 26. September – die Herringer bestreiten ihr Auftaktmatch in Cronenberg – wird der Verband genauso festhalten wie an dem Plan, dass letztlich die vier Bestplatzierten die Playoff-Spiele um die Deutsche Meisterschaft bestreiten.

Zumindest haben die Herringer dann genügend Zeit, um wieder in der European League mitzumischen. Denn der internationale Verband hält trotz der Pandemie mit immer neuen Risikogebieten in Europa und trotz noch einer fehlenden Zusage aus Italien weiter daran fest, die Königsklasse auszurichten. Demnach werden die Herringer am 17. Oktober mit einem Auswärtsspiel in die neue Saison der European League starten. „Es soll wieder in vier Gruppen mit vier Teams gespielt werden“, erklärt Brandt.

Allerdings haben die gastgebenden Mannschaften jeweils bis eine Woche vor dem angesetzten Spiel die Möglichkeit, die Partie aufgrund einer veränderten Corona-Risikolage kurzfristig auf einen anderen Termin zu schieben. Für die Herringer bedeutet dies, dass sie nicht im Vorfeld nach günstigen Flügen schauen und auch keine Unterkunft buchen können. Vielmehr wird das Team zu den Spielen in Italien, Spanien und Portugal jeweils per Bulli oder Pkw anreisen. Zudem dürfen nach derzeitigem Stand lediglich 100 Zuschauer die Heimspiele in der Glückauf-Sporthalle verfolgen. „Das ist natürlich eine Tragödie, wenn man weiß, dass in der vergangenen Saison unsere Spiele gegen Barcelona und Lissabon jeweils vor vollem Haus stattgefunden haben“, sagt Brandt und fügt angesichts der fehlenden Einnahmen hinzu: „Wir haben ja nicht nur weniger Zuschauer, sondern auch der Verzehr bricht weg. Es werden uns zwei Drittel unserer sonstigen Einnahmen fehlen. Wir gehen da ans Limit. Das wird für uns eine ganz enge Geschichte.“

Daher sind die Herringer froh, dass sie finanzielle Unterstützung durch die Stadt und durch die Förderung des Leistungssports erhalten. Zudem überlegen sie, bei den Heimspielen mit Sponsoren zusammenarbeiten, um das finanzielle Loch nicht allzu groß werden zu lassen.

Außerdem wird der Verein seine Unterstützung für die Materialbeschaffung bei den Spielern herunterfahren – ein Schritt, den die Akteure durchaus verstehen. „Wir wissen alle, wie es wegen Corona um die Sportvereine bestellt ist. Wir lieben nun mal unseren Sport. Und auch unseren Verein. Da muss man dann auch mal als Spieler zurückstecken“, sagt Mannschaftskapitän Lucas Karschau. „Das ist leider so, geht aber nicht anders.“

Die Herringer hatten auch über einen Verzicht an der Teilnahme der European League nachgedacht, diesen Gedanken aber schnell wieder verworfen. Der Verein hätte dann 5000 Euro Strafe zahlen müssen und wäre für die Saison 2021/22 mit einer Sperre für internationale Spiele belegt worden.

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