Erster Pflichtspiel-Erfolg für die Hammer SpVg seit dem 2. Oktober 2019

Sieg im Pokalderby ist Balsam für  geschundene HSV-Seele

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Welch eine Befreiung für die HSV-Spieler am Mittwoch nach dem Sieg im Elfmeterschießen.

Der Erfolg am Mittwoch im Halbfinal-Derby um den Kreispokal gegen den SV Westfalia Rhynern war für alle bei der Hammer SpVg Balsam für die geschundene Seele. Schließlich war es der erste Erfolg in einem Pflichtspiel seit dem 2. Oktober 2019 im Pokal bei der SG Massen. 

Hamm – Alexander Lüggert zuckte nur mit den Schultern und lächelte verschmitzt. „Ich weiß nicht, wie sich so ein Derbysieg anfühlt. Ich glaube, ich habe achtmal gegen Rhynern gespielt, aber nicht einmal gewonnen“, sagte der frühere Co-Trainer der Hammer SpVg, der in der Halbzeitpause verabschiedet worden war, am Mittwochabend wenige Sekunden nach dem letzten Elfmeter in Richtung von Steven Degelmann. 

Der HSV-Coach grinste derweil über das ganze Gesicht. Gleich in seinem ersten Ortsduell gegen die Westfalia hatte Degelmann einen Sieg eingefahren und war durch den 5:4 (0:1, 1:1)-Erfolg nach Elfmeterschießen in das Kreispokalfinale eingezogen. „So ein Derbysieg ist schon ein schönes Gefühl“, gab er offen und ehrlich zu und schaute, wie seine neu zusammengestellte Mannschaft ausgelassen den Überraschungscoup gegen die favorisierten Gäste aus dem Hammer Osten feierten. „Dieser Erfolg bringt Schwung in unser Team.“ 

Am Ende hatten die HSVer, die in der vergangenen Saison ohne Sieg in der Meisterschaft geblieben waren und nur aufgrund von Corona den Klassenerhalt in der Oberliga geschafft hatten, ihre Spontanparty aber auch ein wenig mehr verdient gehabt als die Westfalia. Sie hatten sich durch den 0:1-Rückstand durch einen von Hakan Sezer verwandelten Foulelfmeter (37.) nicht beirren lassen und nach dem Wechsel einfach mehr investiert als die Rhyneraner. 

Wechsel zur Pause der Schlüssel zum Sieg

„Im zweiten Durchgang hatten wir mehr Präzision in den tiefen Bällen, wir waren ballsicherer“, sagte Degelmann, der zur Pause Andrei Lorengel sowie Jonas Janetzki ins defensive und den gebürtigen Iraker Hosan Ahmed, für den die HSV erst kurz vor der Partie die Spielberechtigung erlangt hatte, ins offensive Mittelfeld beorderte. Dies zahlte sich aus, denn in der 73. Minute markierte Neuzugang Marcel Todte das mehr als verdiente 1:1. „Bei dem Tor hat man die Kaltschnäutzigkeit von Todte gesehen. Lange war er nicht zu sehen, aber dann ist er im entscheidenden Moment da. Er ist einfach ein richtiger Stürmer“, lobte Degelmann seinen Torjäger, der nach der Partie hoffte, dass dieser Sieg Balsam für die die im vergangenen Jahr geschundenen HSV-Seelen ist und neue Kräfte freisetzt.

"Positive Stimmung mitnehmen"

 „Wichtig ist, dass wir jetzt diese positive Stimmung mitnehmen und dann zum Saisonstart Anfang September richtig Gas geben. Wir haben jedenfalls gemerkt, dass wir mit Mannschaften wie Rhynern mithalten können“, sagte der 28-Jährige, der genauso wie Abwehrstratege Philipp Grodowski seine Teamkollegen während der 90 Minuten immer wieder angefeuert hatte. Entsprechend stolz war Grodowski am Ende. „Unsere kämpferische Leistung war hervorragend. Wir wollten es allen zeigen, dass wir eine starke Einheit sind“, sagte der Neuzugang vom SVE Heessen.

Hängende Köpfe bei der Westfalia

 Und während die HSVer tanzend, singend und überglücklich den Prestigeerfolg feierten, schlichen die Gäste mit hängenden Köpfen vom Platz. „Das war ein richtig schlechtes Spiel von uns. Wir waren in der ersten Hälfte zwar überlegen und hatten mehr Ballbesitz, aber wir hatten keine Kreativität und dadurch keine Chancen“, stellte Akhim Seber ernüchtert fest. Nach dem Wechsel war dann sogar noch das optische Übergewicht abhanden gekommen, nichts lief mehr bei der Westfalia zusammen – obwohl sie bis auf den Ex-HSVer Patrick Franke in der Anfangsformation keinen Neuzugang stehen hatte und dadurch auf ein eingespieltes Team zurückgreifen konnte.

Kaminski sieht noch viel Arbeit vor sich

 „In der zweiten Halbzeit haben wir nicht mehr mutig genug gespielt und haben viel zu oft auf lange Bälle gesetzt“, ärgerte sich Innenverteidiger Tim Neumann. „Damit haben wir nicht viel ausrichten können. Das ist nicht unser Spiel.“ Und so blieb Trainer Michael Kaminski letztlich nur die bittere Erkenntnis, dass er und seine Schützlinge bis zum Saisonstart noch einiges zu verbessern haben. „Wir haben uns nach dem Wechsel den Schneid abkaufen lassen. Man hat gesehen, dass wir noch hart an uns arbeiten müssen“, stellte er klar. 

Kurzer Ärger über verschossenen Elfer

Aber am Ende gab es nicht nur bei den Gästen enttäuschte Gesichter, auch ein Spieler der Hammer SpVg schob nach dem Abpfiff noch ein bisschen Frust. „Ich bin eigentlich ein sehr sicherer Elfmeterschütze. Das ärgert mich sehr und wird mich noch ein bisschen beschäftigen“, sagte Marcel Todte, feierte dann aber doch zusammen mit seinen neuen Teamkollegen und den Fans das so lange im Hammer Osten vermisste Erfolgserlebnis.

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