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Siebter Neuzugang für den ASV Hamm-Westfalen

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Von: Günter Thomas

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Im Anflug auf Hamm: Mait Petrail, hier im Trikot der TSV Hannover-Burgdorf, spielt künftig für den ASV.
Im Anflug auf Hamm: Mait Patrail, hier im Trikot der TSV Hannover-Burgdorf, spielt künftig für den ASV. © Imago

Handball-Bundesligist ASV Hamm-Westfalen hat seine Kaderplanung beendet. Als siebter und letzter Neuzugang kommt Routinier Mait Patrail von den Rhein-Neckar Löwen.

Hamm – Das erste Bild, das dem Nutzer im Internet auf der Suche nach Mait Patrail anspringt, zeigt den Rückraumspieler, wie er im Trikot des Handball-Bundesligisten TBV Lemgo zum Torwurf am ehemaligen deutschen Nationalspieler Holger Glandorf (zu der Zeit SG Flensburg-Handewitt) vorbeifliegt. Mit fünf Treffern war der Este damals erfolgreichster Schütze des TBV und damit einer der Garanten für den knappen 31:29-Erfolg seiner Mannschaft. Elf Jahre Handball-Bundesliga hat das 2,01 Meter große Kraftpaket, das im zu der Zeit noch sowjetrussischen Põlva geboren wurde, seitdem bereits gesammelt – geballte Ligaerfahrung, die nun der ASV Hamm-Westfalen für sich nutzen möchte. Der 34-Jährige wird zumindest für ein Jahr Bestandteil des Kaders sein, mit dem der Aufsteiger den Versuch unternimmt, den Klassenerhalt in der höchsten deutschen Spielklasse zu schaffen.

„Wir haben immer gesagt, dass wir, wenn wir hoch gehen, Qualität in der Spitze und und keine Stärkung in der Breite brauchen“, sagt ASV-Geschäftsführer Thomas Lammers. „Und als uns signalisiert wurde, dass Mait frei wird, sind Trainer Michael Lerscht und ich extra nach Mannheim gefahren, um ihn zu treffen und mit ihm zu sprechen. Bei den Verhandlungen ging es dann ziemlich schnell, er hat nicht lange herumtaktiert. Mait ist ein super Typ. Da werden wir keine Probleme mit haben.“

Stabilisator in der Abwehr

Menschlich – aber vor allem sportlich nicht. Immerhin gehörte der Este bis zum Schluss bei den Neckar Löwen im Innenblock zum Stamm. Und in den Jahren von 2011 bis 2012 in Lemgo und danach von 2012 bis 2020 beim TSV Hannover-Burgdorf hat er zudem bewiesen, dass er auch im Angriff weiß, wo das Tor steht. 717 Tore in 267 Bundesliga-Spielen belegen das eindrucksvoll. „Er ist ein Spieler, der Physis und Erfahrung mitbringt“, lobt Lammers. „Und mit Savvas Savvas und Marian Orlowski haben wir ja noch zwei weitere Spieler im linken Rückraum, die spielerische Elemente setzen. Mait ist primär im Innenblock geplant, es wäre aber Vergeudung, jemanden, der zwölf Jahre in der ersten Liga gespielt hat, nur in der Abwehr einzusetzen.“

„Uns ging es darum, auf der letzten freien Position im Kader ein Gesamtpaket dazu zu gewinnen. das hilft. Rein physisch tut er das. Ich denke, dass er erstmal defensiv bestimmte Aufgaben übernehmen wird, wo er durch seine Erfahrung eine Stütze sein soll. Dann wollen wir natürlich auch offensiv von ihm profitieren. Wie, das müssen wir dann gemeinsam im Training erarbeiten“, freut sich Trainer Michael Lerscht auf die Zusammenarbeit mit dem Routinier, der von 2006 bis 2011 sechsmal in Folge zu Estlands Handballer des Jahres gekürt wurde.

Die Defensive des Aufsteigers zu einem Bollwerk zu machen, gehört auch zu den Zielen, die sich der Rechtshänder selbst setzt. „Den ersten Kontakt haben wir im April gehabt“, sagt Petrail, der gerade seinen kurzen Sommerurlaub mit Frau, Kind und Hund auf Menorca verbringt. „Und es sind viele junge Leute im Kader, ein junger Trainer. Die wollen in der Liga bleiben. Daran bin ich interessiert. Ich hoffe, dass ich mit meiner Erfahrung ein bisschen helfen kann.“

Empfehlungen kamen aus dem Umfeld

Dass er sich für Hamm als nächste Station entschieden hat, ist auch das Resultat von Empfehlungen aus seinem Umfeld. Mit den Ex-ASVern Martin Ziemer und Mario Clößner hat Patrail beim TSV Hannover-Burgdorf zusammen gespielt. „Die wissen aber noch gar nicht, dass ich jetzt in Hamm spiele“, sagt der Este. „Aber ich habe auch mit Niko Katsigiannis geredet, der sich in Hamm ganz gut auskennt.“

Der Löwen-Torhüter kommt gebürtig aus Kamen. Und in erster Linie ging es in den Gesprächen darum, ein Haus für sich und die Familie zu finden. Das soll möglichst in der Nähe der Halle stehen, und vor allem in der Nähe seiner Mitspieler. Denn der Este legt viel Wert auf das Miteinander neben dem Job. „In Hannover haben wir Spieler dicht beisammen gewohnt, viel zusammen gemacht und viel Spaß gehabt. Das war bei den Löwen nicht so, weil die Leute teilweise in verschiedenen Städten wohnen, wo du bis zu einer Stunde brauchst, wenn du einen besuchen willst.“

Der Sport hat aber natürlich Priorität. Dass dabei das einzige Ziel, der Klassenerhalt, sehr ambitioniert ist, weiß das bärtige Muskelpaket, das „in den vergangenen Jahren von schweren Verletzungen verschont geblieben“ ist und „richtig Bock darauf“ hat, mal wieder im Angriff zu spielen. Sollte die Liga gehalten werden, könnte sich seine Zeit in Hamm verlängern. „Ich habe erst einmal ein Jahr Vertrag“, sagt er. „Denn der Verein weiß nicht, wie es danach weitergeht. Lieber mache ich eigentlich Zweijahresverträge – gerade mit Familie. Aber wenn wir die Liga halten, könnte ja noch ein zweites Jahr dazu kommen.“

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