Handball

Sieben-gegen-Sechs-Regel: Trainer der Region sind dagegen

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Andreas Wolff, Torhüter der deutschen Handball-Nationalmannschaft, war schon 2016 mit der Einführung der aktuell geltenden Sieben-gegen-Sechs-Regel wenig glücklich.

Hamm/Bönen/Bergkamen - „Meine Begeisterung hält sich in Grenzen“, sagt Wolff damals. „Diese Regel kann einen Sport kaputt machen, der sehr attraktiv war.“ Was Wolff bereits vor vier Jahren vermutete, haben jetzt die Bundestrainer Alfred Gislason (Männer) und Henk Groener (Frauen) thematisch aufgenommen. Sie fordern, die Regel wieder zu kippen, die in ihrer ursprünglichen Variante doch eigentlich nur bedeutete, dass jeder beliebige Spieler für den Torhüter ins Spiel kommen kann, um als siebter Angreifer zu agieren. Bis zu dieser Änderung musste der Wechselspieler noch durch ein andersfarbiges Leibchen markiert werden.

Die Folgen für den Sport sind beträchtlich – aber für das Spiel nicht förderlich, wie ein großer Teil der Handball-Trainer meint. Denn mittlerweile wird das Sieben-gegen-Sechs als taktisches Mittel eingesetzt – von einigen Mannschaften so perfektioniert, dass sie stets im Angriff eine eigene Überzahl auf dem Feld herstellen. 

Das Spiel ist statischer geworden

Das Spiel habe darunter gelitten, sei schlicht statischer geworden, sagen viele Trainer. Auch Dirk Schmidtmeier, neuer Coach des Drittliga-Aufsteigers ASV Hamm-Westfalen II, vertritt diese Meinung. „Es war schon attraktiver ohne diese Regel“, sagt er. „Die Spieler agieren auf dem Feld nicht mehr so frei, weil sie Angst haben, Fehler zu machen und leichte Gegentore zu kassieren.“ Zudem sei der Vorteil dieses taktischen Mittels eher fraglich. „Es gab mal eine Auswertung, bei der herauskam, dass bei zehn Angriffen der Ball fünf Mal im Tor war. Ich finde die Regel persönlich nicht gut. Mit 13 Spielern ist das Feld schon überfüllt. Dass man bei einer Zeitstrafe die Unterzahl eines Teams durch das Herausnehmen des Torhüters ausgleichen kann, finde ich dagegen okay.“ Solange es das Regelwerk hergibt, wird aber auch Schmidtmeier weiter das Sieben-gegen-Sechs im Trainingsplan haben. „Ich habe es bisher nicht oft eingesetzt, weil meine Spieler dann immer sehr nervös gewesen sind“, sagt er. „Aber wir werden bestimmt darauf hin trainieren – wenn die Möglichkeit gegeben ist, will ich sie auch nutzen.“

Für Jens Schulte-Vögeling hat die Regel in der Praxis bisher wenig Bedeutung gehabt. „Ich habe diese Diskussion natürlich mitbekommen, aber wir haben das eher selten praktiziert, weil die Gefahr zu groß war, Fehler zu machen und dann schnell das Vertrauen in das System verloren geht“, sagt der Trainer des RSV Altenbögge, der gerade mit seinem Team in die Verbandsliga aufgestiegen ist. „Bei Überzahlsituationen geht die Dynamik des Angriffsspiels total verloren, weil dann selten Konzepte gespielt werden – das ist kein ansehnlicher Handball mehr. Am Ende werden aber doch eher die Bundesligisten entscheiden, wie es weiter geht.“

Rycharski: "Nicht mehr der Handball wie vor ein paar Jahren"

Auch für Thomas Rycharski ist die 7/6-Regel nicht mehr als ein notwendiges Übel. „Wenn Topvereine wie der THW Kiel den siebten Mann bringen, ist das für andere Mannschaften, die nicht so gut sind, eine harte Nummer in der Abwehr“, sagt der Coach des Oberligisten HC TuRa Bergkamen. „Ich selbst habe das schon mal genutzt, auch wenn ich kein Freund davon bin. Wir spielen in der Oberliga um den Klassenerhalt – da man muss gucken, wie man die Punkte kriegt. Das heute ist nicht mehr der Handball wie er vor ein paar Jahren noch war, als in der Abwehr noch verschiedene Systeme gespielt wurden. Aber solange die Regel besteht, müssen wir sie auch anwenden – wenn beim 6:6 nichts geht, muss ich das als Trainer ja probieren.“

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