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Hammer Vorschoter wird erstmals Weltmeister

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Von: Günter Thomas

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Viel Arbeit für die Weltmeister: Lüdtke und Schäfers in ihrem Element. Viel Arbeit für die Weltmeister: Lüdtke und Schäfers in ihrem Element.
Viel Arbeit für die Weltmeister: Lüdtke und Schäfers in ihrem Element. © Vacondio

Dreimal waren der Hammer Vorschoter Kai Schäfers und sein Berliner Skipper Kay-Uwe Lüdtke in den vergangenen Jahren seit 2016 Vize-Weltmeister in der Bootsklasse Flying Dutchman. Im italienischen Campione am Gardasee wurden sie jetzt erstmals Weltmeister.

Hamm – Die letzten Stunden vor dem großen Triumph plätscherten nur so vor sich hin. Am Morgen war der finale Lauf noch wegen zu starker Winde verschoben worden. Dann herrschte Flaute vor Campione – einem kleinen Örtchen am lombardischen Ufer des Gardasees. Das zehnte und letzte Rennen um die Weltmeisterschaft der Bootsklasse Flying Dutchman stand kurz vor der Absage. „Wir waren seit 13 Uhr auf dem Wasser, dümpelten so herum, weil kein Wind war“, sagt der Hammer Segler Kai Schäfers, der zu diesem Zeitpunkt mit seinem Partner Kay-Uwe Lüdtke das Klassement mit 67 Booten aus zwölf Nationen anführte. „Wir hatten schon die Hoffnung, dass das Rennen gar nicht mehr stattfindet. Dann wäre es durch gewesen. Und dann schießt er es doch noch an.“

Endlich Weltmeister: Der Hammer Kai Schäfers (links) und Kay-Uwe Lüdtke (Berlin).
Endlich Weltmeister: Der Hammer Kai Schäfers (links) und Kay-Uwe Lüdtke (Berlin). © Vacondio

Um 16 Uhr wäre die Wettfahrt den Statuten zufolge abgebrochen worden – fünf Minuten vor der Deadline fiel der Startschuss. „Dann hieß es nochmal volle Konzentration“, schildert Schäfers den Moment, in dem das Adrenalin ein letztes Mal bei dieser WM in die Adern schoss. 50 Minuten später wurde der Hammer Vorschoter gemeinsam mit Skipper Lüdtke – wie es die Tradition vorschreibt – von den Kollegen ins kalte Wasser geworfen. Und zwar als Weltmeister. „Die Freude kam erst später, weil wir uns so akribisch auf diese WM vorbereitet hatten“, atmete Schäfers auf, als er endlich realisierte, dass er am Ziel seiner Träume angekommen war. „Ich habe unfassbar viele Glückwünsche von Leuten bekommen, wo man gar nicht gedacht hat, dass sie es mitbekommen haben, von internationalen Seglern – und die Dänen haben uns mit als Erste gratuliert.“

Dreimal waren Lüdtke/Schäfers in den vergangenen Jahren bereits Vize-Weltmeister geworden: 2016 am Steinhuder Meer hinter den Dänen Jørgen und Jacob Bojsen-Møller, 2019 in Nelson (Neuseeland) und 2021 in Atea (Spanien) jeweils hinter den Ungarn Szabolcs Majthény/András Domokos. „Dieses Mal hatten wir alle drei vor dem letzten Rennen noch Chancen auf den WM-Titel.“

Doch Lüdtke, der für den Yacht Club Berlin Grünau startet, und Schäfers (Yachtclub Westfalia Arnsberg) gaben sich keine Blöße, hielten die Dänen, die bei schwacher Brise ihre größten Qualitäten besitzen, und die Ungarn in Schach und fuhren zum dritten Mal bei dieser WM als Sieger ins Ziel.

Super ereignisreich

„Die ganze Woche war super ereignisreich. Von Flaute bis Starkwind war alles vertreten. Und es ging heiß her“, sagt Schäfers, der gemeinsam mit seinem Partner „über die ganze Windbreite sehr konstant“ und schnell unterwegs ist. „Eigentlich hatten wir gedacht, dass es ein Zweikampf wird. Dann sind die Dänen auch noch mit reingekommen in den Titelkampf.“

Dass der große Coup für das Berlin/Hammer Duo in diesem Jahr gelingen könnte, hatte sich schon im August bei den internationalen Deutschen Meisterschaften angedeutet. „Bei der Kieler Woche waren wir noch Zweiter hinter den Ungarn, bei der DM haben wir dann vor ihnen gewonnen. Da hat sich abgezeichnet, dass wir Druck ausüben können und die schneller Fehler verursachen“, so der Vorschoter.

Das war in den vergangenen 21 Jahren nicht so. Denn seit 2001 haben sich die beiden anderen Teams die WM-Titel geteilt – mit Ausnahme von 2013, als ein niederländisches Boot den Titel gewann,

An fünf Tagen wurden die Wettfahrten bei vornehmlich Wind aus Nord, dem Pelèr, gefahren. Dieser war manchmal so stark, dass er die Durchführung der Regatten einschränkte und zwei der angesetzten zwölf Läufe abgesetzt wurden. Nach Sieben Wettfahrten lagen Lüdtke/Schäfers und Majthény/Domokos gleichauf – vor den Bojsen-Møller-Brüdern.

Wenig Zeit zum Feiern

Viel Zeit zum Feiern hatte das Berlin/Hammer Duo noch nicht. Denn am Tag nach der WM ging es gleich auf die Autobahn zurück von Italien nach Deutschland – und an die Arbeit. „Aber es werden sicher noch einige Feiern und Ehrungen folgen“, ist sich Schäfers sicher.

Dass seine Sportart seit 1992 nicht mehr olympisch ist, sieht der 43-Jährige als nicht sonderlich tragisch an. „Wenn man sich den Olympia-Zirkus anguckt, wäre das für uns so gar nicht möglich“, sagt Schäfers, der vor allem die familiäre Atmosphäre beim FD schätzt. „Olympioniken sind fast 300 Tage im Jahr auf dem Wasser. Da wäre der Spaß gar nicht mehr gegeben. Und wenn es olympisch wäre, wüsste ich nicht, ob ich noch FD segeln würde. Das wäre ja so, als wenn man einfach so sagen würde, ich fahre mal Formel 1.“

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