Kanu-Slalom

Abschied vom Leistungssport: Das Ende einer großen Erfolgsstory

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Mit einer Party beim KC Heessen wurde eine langjährige Erfolgsstory offiziell beendet. Von links: NRW-Fachwart Thorsten Bremer, KC-Vorsitzende Heike Schubert, Randolf Wojdowski (Geschäftsführer des Kanu-Verbandes NRW), Sebastian Schubert, Reindhard Niggemann (Vorsitzender Bezirk Obere Lippe), Kanu-Ring Vorsitzende Sabine Matzke und KR-Trainer Jürgen Schubert.

Im Klubhaus seines Heimatvereins KC Heessen wurde am Samstag an der Fährstraße noch einmal eine der größten Erfolgsstorys der Hammer Sportgeschichte gewürdigt.

Hamm – „So eine grandiose Karriere kann man nicht so einfach enden lassen“, erklärte Jürgen Schubert, Kanu-Slalom-Cheftrainer des Kanu-Rings Hamm, der eine große Party für seinen Sohn Sebastian Schubert organisierte, der im Januar das offizielle Ende seiner aktiven Laufbahn verkündet hatte.

Neben zahlreichen Freunden und Weggefährten waren auch der Geschäftsführer des Kanu-Verbandes Nordrhein Westfalen, Randolf Wojdowski, Fachwart Thorsten Bremer sowie der Vorsitzende des Bezirks I Obere Lippe, Reinhard Niggemann, zur Verabschiedung erschienen. „Sebastian war über viele Jahre unser Aushängeschild und Vorzeigeathlet“, erklärte die Vorsitzende des Kanu-Rings Hamm, Sabine Matzka.

„Wir bedauern natürlich sehr, dass wir ihm jetzt nicht mehr zuschauen können, doch verstehen wir seine Entscheidung.“ Die reifte schon in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres, nachdem Schubert sich erstmals nicht mehr für den deutschen A-Kader qualifiziert hatte, was auch automatisch das Aus für Tokio 2020 bedeutete. Eine Teilnahme an Olympischen Spielen war das einzige große Ziel, das er nicht erreichte.

Kein Olympia-Drang mehr 

Doch den Frust hat er inzwischen überwunden. Der 31-Jährige war sichtlich gerührt und musste gemeinsam mit Frau Heike und der dreijährigen Tochter Nora im Klubhaus viele Hände schütteln. „Ich bin schon seit September nicht mehr in ein Kajak gestiegen, verspüre derzeit auch keinen Drang mehr danach“, erklärte der Heessener, der seit längerer Zeit seinen Lebensmittelpunkt nach Augsburg verlegt hat. „Ich genieße den neuen Abschnitt mit meiner Familie.“

25 Jahre seines Lebens hat er fast ausschließlich auf dem Wasser verbracht. 1995 begann er als Schüler mit dem Kanu-Slalom, trat 2003 erstmals international auf und gehörte von 2004 bis 2018 ununterbrochen den deutschen Nationalmannschaften der verschiedenen Altersklassen an. Er nahm an 16 Europameisterschaften teil, startete bei acht Weltmeisterschaften, stand dabei zehn Mal auf dem Podest, davon viermal ganz oben. 2013 und 2014 gewann Schubert den Gesamtweltcup, zählte seit 2011 ständig zu den Top Ten der Weltrangliste, die er von 2014 bis 2016 als Nummer 1 anführte. Insgesamt gewann er in seiner Laufbahn 28 internationale Medaillen. Hinzu kamen zahlreiche nationale Titel.

„Neben seinem großen Talent besaß er eine technische Eleganz“, beschrieb Trainer und Vater Jürgen Schubert die sportlichen Qualitäten seines Sohnes. Hinzu kam, so der Coach, eine Form von spielerischem Ehrgeiz. „Sebastian hatte immer Lust auf Training. Man musste ihn förmlich aus dem Wasser ziehen.“ NRW-Kanu-Slalom Fachwart Bremer stellte heraus, dass Schubert ein sehr effizienter Fahrer war, der während des Wettkampfs keinen Paddelschlag zu viel machte.

Lehrer werden so wie seine Frau

Und Mutter Heike freute sich riesig darüber, dass er neben dem zeitraubenden Leistungssport konsequent seinen Weg ging und die Schule sowie berufliche Zukunft nicht vernachlässigte. Nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Sparkasse in Hamm schloss er in seiner Zeit als Sportsoldat der Förderkompanie in Augsburg ein Studium im internationalen Management ab. Inzwischen hat er ein weiteres Studium aufgenommen, möchte wie seine Frau Heike gerne Lehrer werden.

Als Überraschung gab es noch einen Videogruß seiner langjährigen Weggefährtin Jasmin Schornberg, die sich derzeit mit der deutschen Nationalmannschaft im Warmwassertrainingslager in Neuseeland befindet. „Es ist natürlich schade, dass so eine erfolgreiche Laufbahn endet. Doch ich verstehe Sebastian, ich bin ja auch kurz davor“, teilte die Ex-Weltmeisterin mit und wünschte ihrem Vereinskameraden für die Zukunft alles Gute.

Sebastian Schubert selbst will sich auch in naher Zukunft erst einmal vom Wasser fernhalten, neben seiner beruflichen Qualifikation privat viele andere Dinge genießen, auf die er über mehr als zwei Jahrzehnte verzichten musste. Ob er noch einmal in ein Boot steigen wird, ließ er offen: „Vielleicht kommt der Spaß ja irgendwann einmal zurück, doch momentan brauche ich das einfach nicht mehr.“

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