Sebastian Schubert blickt der WM entspannt entgegen

Sebastian Schubert

London - Es ist eine neue Rolle für Sebastian Schubert. Aber durchaus eine, mit der er sich anfreunden kann. Und die ihm vielleicht Glück bringt. Denn nachdem der 27-Jährige vom Kanu-Ring Hamm in den vergangenen zwei Jahren nach dem Sieg im Gesamt-Weltcup jeweils als Topfavorit zur Weltmeisterschaft gereist war, dann aber als 35. in Prag (2013) und Neunter in den USA (2014) den Sprung auf das Treppchen verpasst hatte, werden nun im Vorfeld der Titelkämpfe in London andere Fahrer als Goldkandidaten gehandelt.

„Dieses Jahr bin ich sicherlich nicht der heiße Tipp auf den Sieg, nachdem es in dieser Saison für mich gute, aber auch nicht so gute Rennen gab“, sagt Schubert. „Es ist nicht so einfach zu sagen, was ich erwarte. Wenn ich im Finale gut fahre und meine Leistung abgerufen habe, dann bin ich zufrieden. Ich schaue mal, wie ich runterkomme und was letztlich dabei herausspringt.“

Dass es etwas Gutes werden kann, dafür hat der Heessener, der in diesem Jahr bereits dreimal in London war, zuletzt eine Menge getan. Bereits seit über einer Woche weilt er in England, hat sich dabei lediglich einen freien Tag gegönnt. „Am Sonntag war ich mit ein paar Team-Kollegen in der Stadt bummeln“, sagt er. Die andere Tage hat er intensiv genutzt, um sich mit der schwierigen Strecke im Lee Valley White Water Centre, dem Olympiakurs von 2012, anzufreunden. Aber dies ist nicht allzu leicht, denn der Kanal vor den Toren der britischen Hauptstadt gilt als recht schwer. Während die Strecken in Augsburg von Start bis Ziel ein Gefälle von 3,8 Meter und die in Leipzig von 4,1 Meter aufweisen, beträgt der Höhenunterschied in London 5,5 Meter. Zudem kann der Kurs durch Kunststoffhindernisse immer wieder verändert werden, so dass die Wellen größer und die Strömungen schneller werden. „Das ist eben die modernste Strecke, die es zurzeit gibt“, erklärt Schubert. „Aber wir haben viel trainiert, jeden Tag unsere Wildwassereinheit absolviert und alles dafür getan, dass wir ein gutes Gefühl für die meisten Torkombinationen haben. Im Wettkampf sieht das oft allerdings wieder ganz anders aus.“ Zumal der Streckenplan für die WM-Rennen erst am Dienstagabend bekannt gegeben wurde – und die Fahrer nun nicht mehr auf dem Kurs trainieren dürfen.

Bis Freitag hat der Heessener dann Zeit, sich die Torkombinationen einzuprägen. Denn dann steht für ihn um 10.30 Uhr das erste Qualifikationsrennen im Kajak-Einer auf dem Programm. Sollte er weiterkommen, wovon Schubert fest ausgeht, würde es für ihn am Sonntag ab 9 Uhr mit dem Halbfinale und ab 13.30 Uhr mit dem Endlauf weitergehen. Zudem gehört er zusammen mit den beiden Augsburgern Hannes Aigner und Alexander Grimm zum deutschen Team, das am Sonntag ab 16 Uhr versucht, in der Mannschaftswertung besser abzuschneiden als im vergangenen Jahr. „Da haben wir noch eine Rechnung offen“, betont Schubert – und fügt hinzu: „Es wäre echt schön, mit der Mannschaft eine Medaille zu gewinnen.“

Dieses Team-Rennen wird dann der letzte Wettkampf für Schubert in diesem Jahr sein. Nach der WM wird er eine dreiwöchige Pause einlegen und sich dann langsam auf das nächste Jahr vorbereiten, in dem er sich den Traum von einem Start bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro erfüllen möchte. Doch an Brasilien verschwendet er derzeit noch keine Gedanken. „Erst einmal geht es um den WM-Titel“, sagt er – und fügt hinzu: „Aber auch als Weltmeister hat man keinen Olympiabonus und muss durch die Qualifikation.“

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