Schwimmen

Darum trainiert Anna-Lena Kuhn vom Swim Team fast täglich

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Anna-Lena Kuhn träumt von einer Teilnahme an Junioren-Welt- oder -Europameisterschaften.

Anna-Lena Kuhn, 14 Jahre alte Schülerin des Beisenkamp-Gymnasiums, ist das derzeit größte Talent in Reihen des Swim Teams. Um sich ihre sportlichen Träume zu erfüllen, absolviert sie ein enormes Trainingspensum.

Hamm - Ein Gelegenheitsschwimmer nimmt ihn sofort wahr, wenn er ein Hallenbad betritt – den penetranten Geruch nach Chlor. Doch Anna-Lena Kuhn, 14 Jahre altes Talent des Swim Teams Hamm im TuS 59, schenkt diesem besonderen Duft des chemischen Elements überhaupt keine Beachtung. „Ich rieche das nicht mehr“, sagt sie. Kein Wunder, denn die Schülerin des Beisenkamp-Gymnasiums verbringt im Sportbecken des Maximare fast ihre komplette Freizeit und zieht dort tagtäglich eine Bahn nach der anderen, um sich ihren Traum zu erfüllen, an einer Junioren-Welt- oder -Europameisterschaft teilzunehmen.

Ihren ersten Wettkampf hatte Kuhn im Alter von acht Jahren bestritten, seitdem kommt sie vom Schwimmen nicht mehr los und versucht, immer wieder ihre Bestzeiten zu steigern. Dafür nimmt sie eine Menge auf sich. Zweimal die Woche absolviert sie unter der Regie ihres Coaches Marcel Karow von 6 bis 7.15 Uhr oder 8 Uhr Frühtraining. Natürlich ist sie auch jeden Nachmittag im Maximare im Einsatz. 

Nur sonntags hat Anna-Lena Kuhn frei - wenn kein Wettkampf stattfindet

Mindestens zwei Stunden dauert dabei das Wassertraining, hinzu kommen Einheiten im Kraft- und Athletikbereich. Lediglich sonntags hat sie frei, außer wenn am Wochenende ein Wettkampf ansteht. „Das frühe Aufstehen fällt mir oftmals schon schwer. Und wenn mein Vater dann um 5 Uhr in mein Zimmer kommt und das Fenster öffnet, denke ich schon mal: Was für ein Mist“, sagt Kuhn. „Aber ich mache das jetzt schon seit ein paar Jahren und habe mich an das Training gewöhnt. Es gibt allerdings auch Tage, wo die Lust nicht so groß ist.“

Doch wenn sie ihre Ziele erreichen will, dann darf sie sich nicht hängen lassen. Das macht ihr Coach ihr immer wieder klar. „Sie hat eine Menge Talent mitbekommen. Sie hat ein Gefühl für die Bewegung, für die Züge unter Wasser, hat eine gute Wasserlage und hat ein relativ schnelles Verständnis für die Korrekturen, die sie von mir bekommt“, sagt der 28 Jahre alte Karow. Aber Kuhn sei jetzt an einem Punkt angelangt, wo das große Talent, das sie mitbringt, alleine nicht mehr reichen würde. 

Trainer Marcel Karow (rechts) überwacht Kuhns Training.

Vielmehr würde es jetzt nur noch mit extrem harten Arbeiten weiter vorangehen. „Das ist sicherlich nicht leicht für jemanden, bei dem zuvor das Talent alleine gereicht hat. Aber jetzt zählt nur noch konsequentes und diszipliniertes Training“, stellt Karow klar. „Es geht nicht ohne konzentriertes Arbeiten und ohne die nötige Disziplin. Für das, was man erreichen will, muss man was tun. Ohne Anstrengung ist da nichts mehr zu holen.“

Trainer Marcel Karow sorgt für anspruchsvolle Einheiten

Daher hat der Coach auch an diesem Dienstagnachmittag wieder ein knackiges Pensum für seinen Schützling zusammengestellt. Nach 600 Meter Einschwimmen stehen sechsmal 15 Meter Sprints auf dem Programm, um die Schnelligkeit zu trainieren. Anschließend muss Kuhn achtmal 25 Meter mit Flossen in höchstem Tempo schwimmen, um ihre Maximalschnelligkeit zu verbessern. Weiter geht es – erneut mit Flossen – viermal über 200 Meter, ehe sie 400 m locker schwimmen darf, um die Muskulatur etwas zu entspannen. 

Zum Abschluss des Tages hat sie noch fünfmal vier Einheiten Schmetterling über jeweils 50 Meter zu bestreiten und muss noch mit einem Gürtel um den Bauch gegen einen Gummiwiderstand schwimmen. Insgesamt hat sie an diesem Nachmittag 3,3 Kilometer im Wasser zurückgelegt. „Montags und mittwochs, wenn wir mehr Ausdauer trainieren, sind das dann 6 bis 6,5 Kilometer“, sagt Karow, der seinen Schützling mittlerweile seit drei Jahren betreut und sagt: „Anna-Lena ist seit einigen Jahren das größte Talent bei uns im Verein.“

2017 wurde die Schwimmerin des Swim Teams schon Deutsche Meisterin

Kuhn, die am liebsten im Freistil unterwegs ist, auf den Delphin-Strecken aber am stärksten ist, hat auch schon einige eindrucksvolle Erfolge vorzuweisen. Im Jahr 2017 wurde sie in ihrer Altersklasse Deutsche Meisterin über 200 m Schmetterling und gewann DM-Silber in der gleichen Disziplin über 100 Meter. Im vergangenen Jahr reichte es immerhin noch zur Vize-Meisterschaft über 100 m Schmetterling. 

Hinzu kommen zahlreiche Titel bei NRW-Meisterschaften. „Ich will in diesem Jahr bei der deutschen Meisterschaft wieder auf das Podest. Das ist mein nächster Wunsch. Und dann möchte ich gerne bei den Junioren an einer Europ- oder Weltmeisterschaft teilnehmen. Ich traue mir da auch zu, dass ich das schaffe“, sagt sie.

An den Muskelkater hat Anna-Lena Kuhn sich gewöhnt

Den Geruch des Chlors nimmt Kuhn nicht mehr wahr, dafür aber ist sie fast per Du mit jeder einzelnen Kachel auf dem Boden des Sportbeckens im Maximare. „Ich begrüße jede einzelne Kachel. Und ich kenne auch schon die Fliesen, die kaputt sind, genau. Denn die sieht man ja auf jeder Bahn aufs Neue“, sagt sie, schaut kurz auf den auf ein Styroporbrett geklebten Trainingsplan und springt wieder in das Sportbecken des Maximare, um ihre nächste Einheit zu absolvieren. So wie sie es seit einigen Jahren jeden Tag macht. 

Und auch in den nächsten Jahren machen will. Denn trotz des hohen Umfangs, den sie zu absolvieren hat, und der körperlichen Schmerzen, die sie oftmals ertragen muss, will sie die Schinderei und den Schwimmsport auf keinen Fall missen. „Ich habe sehr oft einen Muskelkater. Und dann hofft man, morgen wird es besser. Aber es wird am nächsten Tag nicht besser, sondern eher noch schlimmer“, sagt sie, ehe sie hinzufügt: „Mir macht das trotzdem Spaß.“

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