Marian Orlowski genießt „unglaubliches Gefühl“

+
Marian Orlowski soll bald auch im Zweitliga-Team wieder zum Einsatz kommen.

Hamm - Als die lange Leidenszeit beendet war, konnte Marian Orlowski seine Emotionen kaum in Worte fassen. „Das“, sagt der 22-Jährige, „war wirklich ein unglaubliches Gefühl.“ Er hatte wieder auf der Platte gestanden. In einer Meisterschafts-Begegnung. Erstmals nach einer quälend langen Pause von zehn Monaten.

Dass der Halblinke des Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen „nur“ bei der zweiten Garnitur des Klubs zum Einsatz gekommen war, störte ihn da herzlich wenig. „Es hat unheimlich viel Spaß gemacht. Ich bin einfach nur froh, wieder Handball spielen zu können“, betont er – und durfte sich zumindest ein wenig als Gewinner fühlen im Team der SG Handball Hamm II, die im Derby bei der Ahlener SG eine derbe 23:34-Packung kassiert hatte. Sechs Treffer hatte der Rückraum-shooter für die Gäste erzielt – offiziell. „Eigentlich waren es sieben. Aber einen Siebenmeter haben sie mir nicht angerechnet“, sagt der gebürtige Meinerzhagener grinsend – und fügt den viel bedeutenderen Aspekt hinzu: „Das Allerwichtigste ist, dass der Körper hält. Und das tut er.“

Hinter Orlowski liegen keine einfachen Monate. Mitte Dezember hatte er sich einen Kreuzbandriss zugezogen – bereits zum zweiten Mal in seiner Karriere. Diesmal im rechten Knie, nachdem 2013 das linke betroffen gewesen war. Entsprechend wusste der Student der Fernuni Hagen, was auf ihn zukommen würde. Und was er vor allem brauchte: Geduld. So arbeitete er sich beharrlich durch Reha und Physiotherapie zurück – und stieg Anfang September wieder ins Training beim ASV ein. Zunächst allerdings mit leichter Zurückhaltung. Auch eine Erfahrung aus der ersten Zwangspause. „Damals war ich voll euphorisch, ich konnte es kaum abwarten“, erinnert sich Orlowski. „Diesmal lassen wir es ein bisschen langsamer angehen. Ich bin ein wenig sensibler für den eigenen Körper geworden, man hört schon genauer in sich hinein. Ich will nichts überstürzen.“

Zumal da auch noch der mentale Aspekt war, der Respekt, der bei einer schweren Verletzung nicht ausbleibt. Bei den ersten Übungseinheiten „hatte ich schon ein paar Hemmungen“, gesteht der Halblinke, der 2012 vom VfL Gummersbach in den Hammer Osten gekommen war, ein: „Aber ich glaube, dass ich die mittlerweile abgebaut habe. Erst recht nach dem Spiel in Ahlen.“

Seit gut drei Wochen bestreitet Orlowski bei den Übungseinheiten des ASV, der am Freitag (19.15 Uhr/Westpress-Arena) auf den TuS Ferndorf trifft, das volle Pensum mit. Mittlerweile „habe ich überhaupt keine Probleme mehr mit dem Körperkontakt und fühle mich auch körperlich gut vorbereitet“, erzählt der 1,95-Meter-Mann, der vor seinem Auftritt in Ahlen bereits die beiden Testspiele in Dortmund und Altenbögge-Bönen mit den Kollegen des Zweitligateams bestritt. „Aber das habe ich eher als erweitertes Training gesehen“, wollten sich da noch keine Comeback-Gefühle bei Orlowski einstellen. „Richtig cool war es erst in Ahlen.“

Zumal die Partie auch ein erster Gradmesser für seinen Leistungsstand war. „Handballerisch bin ich sicherlich noch nicht wieder da, wo ich sein möchte“, sagt er. Doch auch das soll sich möglichst bald ändern. Schließlich weiß Orlowski, woran er vornehmlich arbeiten muss. „Es geht für mich darum, wieder die Sicherheit in meinem Spiel zu finden“, erklärt er. „Darum, dass ich meine Aktionen mit der vollen Überzeugung durchziehe und die passenden Entscheidungen treffe.“

Was auch für den Zeitpunkt der „richtigen“ Rückkehr gilt. Orlowski, zuletzt der „Statistiker“ auf der ASV-Bank, steht an der Schwelle zum Comeback in der 2. Liga. Wann er diese überschreitet, „werden wir sehen“. Der Halblinke will sich von seinem persönlichen Empfinden leiten lassen, der Zeitpunkt wird dann in Abstimmung mit Trainer Niels Pfannenschmidt festgelegt. Fest steht für Orlowski aber jetzt schon: „Wenn ich das erste Mal wieder in der 2. Liga spiele, wird das nochmal ein ganz anderes Gefühl sein.“ Eins, das sich wohl noch weniger in Worte fassen lässt.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare