Mitgliedersammlung bei S04

„Nur dann ...“: Aufsichtsratskandidat bei Schalke 04 stellt klare Forderung

Am 13. Juni findet beim FC Schalke 04 die Mitgliederversammlung statt. Gewählt wird der neue Aufsichtsrat. Ein Kandidat aus Hamm spricht nun Klartext.

Hamm - Er hat als kleiner Steppke mit gerade einmal sieben Jahren beim VfL Berge das Fußballspielen gelernt, rannte dann auch später bei der damaligen SSG Hamm dem runden Leder nach. „Ich war ein begnadeter Kreis- und Bezirksliga-Fußballer”, sagt Heinz-Jürgen Kallerhoff mit einer gehörigen Portion Selbstironie, ehe er hinzufügt: „Zu mehr reichte es nicht.” Jetzt will der 66 Jahre alte Hammer im großen Fußball-Geschäft mit am Rad drehen und möchte sich am 13. Juni beim FC Schalke 04 in den Aufsichtsrat des Bundesliga-Absteigers wählen lassen.

VereinFC Schalke 04
TrainerDimitrios Grammozis
Arena/StadionVeltins Arena
OrtGelsenkirchen

Schalke 04: Aufsichtsratskandidat spricht vor der Mitgliederversammlung Klartext

„Aufgrund meines Berufslebens glaube ich, helfen zu können. Durch meine private Lebenssituation habe ich die Zeit und richtig Bock darauf”, erklärt Kallerhoff. „Außerdem bin ich auf Schalke nicht vorbelastet durch irgendwelche Themen. Das sehe ich als großen Vorteil an. Ich gucke nicht zurück, ich schaue nur nach vorne. Das ist etwas, was in diesen Tagen sehr wichtig ist.”

Die Liebe zum FC Schalke 04 liegt ganz offensichtlich tief in den Genen der Familie Kallerhoff verwurzelt. So besuchte er schon als kleiner Junge mit seinem Vater Spiele in der Glückauf-Kampfbahn. „Das war echt ein tolles Stadion. Alleine die Fahrt dahin war für mich eine Weltreise. Ich habe da wirklich wunderbare Erinnerungen dran“, sagt Kallerhoff, dessen Leidenschaft dann aber mit dem Umzug der Knappen Anfang der 1970er Jahre ins Parkstadion ein wenig litt und weniger wurde.

Schalke 04: Aufsichtsratskandidat ist seit 2001 Mitglied des Vereins

„Da ist es für mich zwischendurch ein wenig ruhiger geworden. Das Parkstadion war nicht so der Kracher. Ich erinnere mich noch gut an ein Pokalspiel gegen Magdeburg. Da hat es nur geregnet – und ich saß auf der nicht überdachten Gegengeraden. Da kam so die rechte Stimmung nicht auf“, berichtet er, bekam aber weiterhin mit, was bei seinem Herzensverein passierte – und nicht passierte: „Natürlich war man immer irgendwie beteiligt mit den Aufs und Abs oder mit den Skandalen.“

Mit dem Bau der Arena 2000/01 kam das Schalke-Gefühl bei dem gebürtigen Hammer, der mittlerweile seit zwei Jahren mit seiner Frau in Wiesbaden wohnt, zurück: „Da hat mich die Atmosphäre wieder gepackt.“ Und seitdem auch nicht mehr losgelassen. So ist er seit 2001 Vereinsmitglied bei S04 und trat den beiden Fanclubs Rhynern Auf Schalke 05 und 04 Wiesbaden bei. Die Vier-Minuten-38-Sekunden-Meisterschaft, die Vize-Titel, Pokalsiege, Trainerwechsel, Spiele in der Champions League, tabellarische Abstürze – der Hammer nahm in den vergangenen Jahren alles mit und hatte Königsblau endgültig in sich aufgesaugt: „Da war der Virus endgültig da, und die Achterfahrt ging los. Ich lebe das Thema schon. Bei diesem Verein kann man ja jubeln und heulen an einem Tag.“

Heinz-Jürgen Kallerhoff steht bei einem Spiel der Traditionsmannschaft hinter Rüdiger Abramczik, Klaus Fichtel, Olaf Thon und Klaus Fischer.

Vor sechs Jahren stieg auf Betreiben von Kallerhoff auch sein damaliger Arbeitsgeber R+V-Versicherungen als Sponsor auf Schalke ein, so dass die Verbundenheit und das Miteinander mit den handelnden Personen noch enger wurden. „Das war ein Kraftakt. Denn Fußball polarisiert natürlich“, betont er. Doch der 66-Jährige begeisterte letztlich die Entscheidungsträger des Unternehmens, so dass die Versicherung den Schalkern fest zur Seite stehen und als Sponsor mit einem angepassten Vertrag mit in die 2. Liga gehen wird.

Schalke 04: Aufsichtsratskandidat hat berufliche Erfahrung als Führungskraft

Und diesen Weg will auch Kallerhoff mitgehen, allerdings weitaus aktiver als in den Jahren zuvor. Er will sich am 13. Juni in den Aufsichtsrat wählen lassen und ab diesem Zeitpunkt seinen Teil dazu beitragen, dass es mit den Knappen wieder bergauf geht. Diesen Schritt hat er sich persönlich gut überlegt. Und auch mit seiner Familie abgesprochen. Denn Kallerhoff ist sich darüber bewusst, dass eine Menge Arbeit auf die neuen Entscheidungsträger des heftig abgestürzten Traditionsvereins wartet. Und dass unpopuläre, aber notwendige Entscheidungen für eine Menge Ärger sorgen können.

„Durch meine beruflich Erfahrung als Führungskraft, Vorstand und Aufsichtsrat weiß ich, was es bedeutet, mit Krisen umzugehen. R+V hat rund 17 000 Mitarbeiter, für die ich die Verantwortung hatte“, betont er und ist davon überzeugt, dass er mit seinem Alter und seiner Lebenserfahrung helfen und sich einbringen kann sowie „die richtigen Fragen stellen kann“.

Schalke 04: Aufsichtsratskandidat fordert ausreichend Zeit und Nerven

Zudem, so verrät er, würde ein Aufsichtsratmandat auch optimal in seine derzeitige Lebenssituation passen. Nach seiner Pensionierung hatte er sich erst einmal um private Dinge gekümmert, für die er vorher nie die nötige Zeit gefunden hatte. So hatte er unter anderem einen Segel- und einen Seeküstenführerschein gemacht. „Mitte letzten Jahres hatte ich das alles hinter mir. Und da dachte ich mir: Jürgen, du hängst nun hier in der Wohnung herum und fängst an zu modern. Jetzt habe ich Zeit und Nerven dafür, um mich einzubringen. Leute wie ich, die sich in der Wirtschaft auskennen und Kompetenz mitbringen, sind jetzt gefordert“, erläutert er.

Ende des vergangenen Jahres fasste er dann den endgültigen Beschluss und stieg in das Verfahren ein. Zuerst erfolgte die Prüfung durch den Vorstand, dann ging es vor den Wahlausschuss, um aus über 20 Bewerbern die besten zehn Kandidaten für die fünf freien Plätze im Aufsichtsrat auszusuchen. Nun muss Kallerhoff Werbung in eigener Sache machen, hat unter anderem ein Video erstellt, das er auf youtube hochgeladen hat, und hofft, dass er Mitte Juni gewählt und anschließend aktiv die Neugestaltung des FC Schalke 04 mitgestalten kann.

Schalke 04: Aufsichtsratskandidat hatte schon vor fünf Jahren gemahnt

Denn so wie in den vergangenen Jahren möchte er seinen Verein nicht länger erleben. „Schon vor fünf Jahren habe ich gesagt, dass der Wert dieser Marke Schalke 04 schwindet. Das war mal eine stolze Marke, aber wenn man so weiter macht, fallen wir im Image immer weiter ab“, ärgert sich der Hammer über viele Dinge, die in der jüngeren Vergangenheit verbockt wurden und bei denen er eine Menge Verbesserungspotenzial ist.

So bemängelt er unter anderem, dass das sportliche Konzept „vorne und hinten“ nicht passen würde; „Wir haben ja keine Mannschaft. Es wurden Einzelspieler geholt, die bei uns eher schlechter als besser wurden und die nie zusammenpassten“, beklagt er und führt fort: „Wir haben Spieler geholt, die nie bei uns angekommen sind. Die wollten noch nicht einmal in Gelsenkirchen leben, sondern lieber in Düsseldorf. Die haben sich mit der besonderen Situation der Stadt Gelsenkirchen überhaupt nicht identifiziert.“

Zudem kann er nicht nachvollziehen, dass zwischen den Investitionen und dem Ertrag eine dermaßen große Diskrepanz besteht. „Wir hatten einen Etat, der wahrscheinlich der dritt- oder vierthöchste der Bundesliga war“, erläutert er. „Und wir haben 16 Punkte geholt. Wir spielen auf dem Niveau von Tasmania Berlin mit einer Mannschaft, in der Nationalspieler stehen und einem Etat, der sich im vorderen Drittel bewegt. Das sind Management-Fehler.“

Schalke 04: Aufsichtsratskandidat will die Schalker „hinter einer Idee versammeln“

Es gibt also eine Menge Dinge, die auf Schalke alles andere als gut laufen. Und bei denen der Hammer helfen will, um sie wieder auf den richtigen Weg zu bringen. „Im Aufsichtsrat ist man einer von elf Personen. Man muss sich mit seinen Argumenten durchsetzen. Aber dafür sitzt man ja da“, betont er und ist zuversichtlich, dass er im Falle seiner Wahl einiges bei den Königsblauen bewegen kann. „Ich glaube, der neue Aufsichtsrat wird ein bisschen anders zusammengesetzt sein. Da wird schon eine Möglichkeit da sein, etwas zu verändern.“

Denn, das macht auch Kallerhoff unmissverständlich klar, „der Verein ist sportlich und finanziell abgesackt.“ Umso wichtiger ist ihm daher das Thema Geschlossenheit: „Hinter einer Idee versammeln, das wird eine der wesentlichen Aufgaben in diesem Aufsichtsrat sein. Ich bin nicht vorbelastet, ich gehöre keiner Gruppe an. Ich kann sagen: Alles, was ihr gemacht habt, ist Vergangenheit. Jetzt machen wir einen Punkt, schauen nach vorne und machen das, was notwendig ist. Wir müssen, wenn wir den Raum nach einer Besprechung verlassen, mit einer Stimme reden. Nur dann können wir was erreichen.“

Daher ist es ihm sehr wichtig, dass das Thema Zusammenhalt bei den Knappen wieder an die erste Stelle gerückt werden. „Das Miteinander von Vorstand, Aufsichtsrat, Fans, Mitglieder hat arg gelitten. Das muss wieder zusammengebracht werden“, sagt er, warnt aber gleichzeitig: „Man muss in dieser aufgeheizten Stimmung aufpassen, wenn sich einer dahin stellt und über eine Rechtsformänderung reden will. Daher ist dieser neue Aufsichtsrat so wichtig, der muss mit einer Stimme sprechen. Ich bin jedenfalls bereit dafür.“

Rubriklistenbild: © Kallerhoff

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