Zwei Sekunden vor Schluss

ASV schafft späten Ausgleich gegen Leipzig – 28:28

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Björn Wiegers warf zwei Sekunden vor Schluss den Ausgleichstreffer für den ASV Hamm-Westfalen gegen Leipzig.

Hamm - Nach dem dramatischen Schlussakkord deutete alles auf einen Sieg des ASV Hamm-Westfalen hin. Die Spieler hüpften ausgelassen über das Parkett der Westpress-Arena, die Fans forderten eindringlich das traditionelle „Humba“-Tänzchen. Dabei hatte das Team von Trainer Kay Rothenpieler gegen den Aufstiegsaspiranten SC DHfK Leipzig „nur“ einen Punkt geholt. Doch dieser Zähler war ein gefühlter Sieg.

Denn er markierte das Ende einer Negativserie von vier Niederlagen in Folge. Und er war das Produkt einer herausragenden kämpferischen Leistung. Und eines unbändigen Willens.

Wofür die letzte Minute symptomatisch stand. In die gingen die Hammer mit einem Rückstand von zwei Treffern (26:28). Dann gab Markus Fuchs, obwohl er sich kurz zuvor verletzt hatte, mit seinem Treffer dem Team neue Hoffnung. Doch es schien, als würden die Leipziger den knappen Erfolg über die Runden bringen – bis sie sich zu sicher fühlten.

Als die ansonsten unsicher leitenden Unparteiischen Sebastian Grobe/Adrian Kinzel Zeitspiel pfiffen, reagierte Ondrej Zdrahala gedankenschnell, passte auf den nach vorne geeilten Björn Wiegers, der zum Ausgleich vollendete. Zwei Sekunden vor Schluss. Die Halle tobte, die Party konnte beginnen.

„Das war ganz wichtig für das Wohlbefinden“, freute sich Rothenpieler. „Wir wollten über den Kampf und über die Leidenschaft kommen. Das ist uns gelungen. Jeder hat richtig Gas gegeben. Diesen Punkt haben wir als Mannschaft geholt. Das war für die Köpfe sehr wichtig.“

Der ASV war von Beginn an deutlich präsenter als bei den jüngsten Auftritten, zeigte eine ganz andere Körpersprache. Und hatte in Durchgang eins einen starken Rückhalt: Felix Storbeck parierte gleich den ersten Wurf von Alexander Feld glänzend – es war die erste von elf Paraden vor dem Wechsel.

Das Remis gegen Leipzig in Bildern

Handball 2. Bundesliga, ASV Hamm-Westfalen - SC DHfK Leipzig 28:28

So legten die Gastgeber einen guten Start hin, waren bis zum 5:4 (11.) immer knapp vorne, ehe der Faden riss und die Sachsen in Führung gingen (5:7/16.). Vor allem, weil sich der ASV durch eine zu hohe Zahl an technischen Fehlern das Leben selbst schwer machte. Insbesondere Ondrej Zdrahala stand völlig neben sich, sodass früh Sebastian Schneider in die Rolle des Mittelmanns schlüpfte, im zweiten Abschnitt dann kurzzeitig David Wiencek. „Sebi hat das ganz gut gemacht“, meinte Rothenpieler mit Blick auf den „Aushilfs“-Mittelmann.

Überhaupt: Der Coach wechselte ordentlich durch, im Innenblock allerdings gezwungenermaßen. Denn Abwehrchef Jakob Macke musste nach einem Schlag gegen das Knie das Feld räumen (16.), Jan Brosch übernahm seinen Posten – und machte seine Sache ordentlich. Die Hammer ließen sich vom erstmaligen Rückstand nicht beeindrucken, bissen zurück, strahlten von allen Positionen Torgefahr aus – und rissen die 1606 Zuschauer so mit.

Durch vier Treffer in Serie wurde aus dem Rückstand eine 9:7-Führung (18.), die die Hammer zwischenzeitlich ausbauten (12:8/22.). Auch zur Halbzeit hatten die Gastgeber leicht die Nase vorne. Was sich nach dem Wechsel änderte. Kurzzeitig schnellte die Fehlerquote wieder hoch, weil Zdrahala sich erneut unerklärliche leichte Patzer leistete.

„Ich wollte es da noch einmal mit ihm probieren. Aber er hatte keinen glücklichen Tag“, meinte Rothenpieler. Die Leipziger übernahmen prompt wieder die Führung (17:18/40.). Doch der ASV ließ sich nicht beirren, arbeitete vor allem in der Deckung auf Hochtouren. Fast zwangsläufig kippte die Partie erneut, das 24:21 des deutlich verbesserten Matthias Struck bescherte den Hammern wieder einen klaren Vorsprung (48.).

Vorentscheidend war dieser in der auf des Messers Schneide stehenden Partie allerdings nicht. Im Gegenteil: In der Folge geriet das Rückraum-Spiel der Hammer ins Stocken, fehlte es den Aktionen an Druck. Ein Feldtor in elf Minuten war deutlich zu wenig – der Aufstiegskandidat drehte den Spieß abermals um und steuerte dem Erfolg entgegen.

Bis zum dramatischen Schluss-Punkt. Bis zum Wurf ins Glück von Björn Wiegers. Den hatten sich die Hammer redlich verdient. Denn, so der strahlende Torschütze: „Wir haben immer an uns geglaubt.“

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