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Rückzug aus der 2. Liga - Neustart in der Verbandsliga

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Von: Günter Thomas

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Ein Bild aus früheren Tagen: Der SC Rote Erde zieht sich freiwillig aus der 2. Bundesliga zurück.
Ein Bild aus früheren Tagen: Der SC Rote Erde Hamm zieht sich freiwillig aus der 2. Bundesliga zurück. © Reiner Mroß / Digitalfoto

Nach einer ordentlichen Saison muss der SC Rote Erde Hamm seine erste Mannschaft vom Spielbetrieb der 2. Wasserball-Bundesliga abmelden. Der Verein startet mit einer Mischung aus Talenten und Routiniers einen Neuanfang in der Verbandsliga.

Hamm – Gerade erst hatte der U16-Nachwuchs des SC Rote Erde im TuS 59 Hamm mit einer souveränen Vorstellung den Sieg in seiner Vorrundengruppe auf dem Weg zur Deutschen Meisterschaft eingefahren und damit positive Signale für die Zukunft gesetzt. Doch dann zogen die Verantwortlichen des Hammer Wasserball-Klubs überraschend die Reißleine: „Wir werden in der kommenden Saison unsere erste Mannschaft vom Spielbetrieb der 2. Bundesliga zurückziehen“, sagt Christian Müller, Vorsitzender der Wasserballabteilung des mittlerweile unter dem Dach des TuS 59 Hamm firmierenden SC Rote Erde.

Grund ist in erster Linie ein immenser personeller Aderlass, den der Kader des Zweitliga-Teams nach Ablauf der vergangenen Saison nicht hat auffangen können. „Mit der verbliebenen Truppe wären wir in der 2. Liga nicht konkurrenzfähig gewesen“, erklärt Müller die Entscheidung, „die so sicherlich nicht geplant war, aber aus unserer Sicht der einzig vernünftige Schritt ist“.

Dabei hatte der Hammer Traditionsklub die abgelaufene Saison noch als Erfolg verbucht. Schließlich beendete die Mannschaft die Serie in der oberen Hälfte der Tabelle der 2. Liga – weit entfernt von den Abstiegssorgen der Vorjahre.

Ein schmerzhafter Schritt

Der Abstieg folgte jetzt gar doppelt. Denn die Mannschaft wird in der kommenden Saison gleich zwei Spielklassen tiefer in der Verbandsliga – der vierthöchsten Liga – um Punkte spielen. Ein schmerzhafter Schritt, zu dem sich die Verantwortlichen gezwungen sahen.

Grund dafür ist ein unerwartet Umbruch in der Mannschaft. Ein großer Teil der Leistungsträger hört auf, muss kürzer treten oder wechselt den Verein. So will Top-Torjäger Vitor Pavicic-Capucho noch einen Anlauf in der 1. Bundesliga wagen und hat sich dem SV Ludwigsburg angeschlossen. Linkshänder Colin Hess kehrt zum SV Blau-Weiß Bochum, Philip Terhorst zum Bocholter WSV zurück. Stephan Kersting und Lars Teske haben angekündigt, sich aus privaten und beruflichen Gründen zurückzuziehen. Dazu kommen mit Stammtorwart Felix Bartels und Thomas Batt besonders bittere Abgänge. Beide wären gerne geblieben. Allerdings zieht es Bartels aus beruflichen Gründen ins Rheinland. Er wechselt zum Düsseldorfer SC. Batt wird künftig ebenfalls aus beruflichen Gründen für Iserlohn spielen.

Neues Team um U16-Nationaltorhüter Justus Berg

Ein großer Teil der Mannschaft wird sich daher künftig aus jungen Talenten rekrutieren. Das Tor hüten soll U-16-Nationalspieler Justus Berg. Hinzu kommen mit Finn Constapel und Aleksandar Ilic zwei weitere Nachwuchsspieler, die eine wichtige Rolle im neuen Team spielen sollen. Aus der alten Mannschaft sind unter anderem Kapitän Justus Theismann, Simon Brinkmann, Marc Brinner, Nils Rose, Marlon Müller sowie Henning und Sören Kohle dabei. Hinzu kommt mit Bendix Biermann ein Rückkehrer. Er hat das Wasserballspielen in Hamm gelernt, zuletzt aber in Düsseldorf in der Oberliga gespielt. Die Verantwortung am Beckenrand übernimmt Kristian Berg, der zuvor die zweite Mannschaft des SC Rote Erde in der Verbandsliga betreut hatte.

In der vergangenen Saison hatte sein Bruder Carsten Berg die erste Mannschaft trainiert. Dieser hatte allerdings schon Anfang des Jahres dem Vorstand mitgeteilt, dass er aus privaten Gründen nicht mehr als Chefcoach des Teams zur Verfügung stehen werde und diesen Schritt im Sommer dann auch öffentlich gemacht.

„Möglicherweise hätten wir uns mit dieser Truppe auch in der Oberliga halten können. Aber wir wollen uns jetzt erst einmal konsolidieren – und möglichst den Aufstieg in die Oberliga schaffen. Es wäre sicherlich nicht gut, das junge Team gleich in den Abstiegskampf zu schicken“, erklärt Spartenleiter Müller.

Die neue Situation sei auch eine Chance, „dem Nachwuchs konsequent Entwicklungsmöglichkeiten zu geben. Die Verbandsliga ist dafür sicherlich eine gute Liga“. Trotz dieses Einschnittes im Herrenbereich habe der SC Rote Erde eine „sehr lebendige Wasserballabteilung“. Sowohl die U16 als auch die U12 gehörten in ihrer Klasse zu den besten vier Teams in Nordrhein-Westfalen, so Müller.

INTERVIEW mit dem neuen RE-Trainer Kristian Berg

Kristian Berg, neuer Coach des Rote-Erde-Teams, will um den Aufstieg mitspielen.
Kristian Berg, neuer Coach des Rote-Erde-Teams, will um den Aufstieg mitspielen. © Berg

Herzlichen Glückwunsch zur Beförderung vom Trainer der zweiten zum Coach der ersten Mannschaft...

Na ja, wir machen das ja in der Combo. Ich soll die Mannschaft bei den Spielen betreuen, trainingsmäßig ist aber Kolja Funk, der die U16 und U18 betreut, federführend – und mein Bruder Carsten wird mich auch beim Trainig unterstützen.

Warum war der Schritt zurück in die Verbandsliga notwendig?

Wir hätten vielleicht auch in der Oberliga spielen können, wollten jetzt aber mit einem Mix aus Jung und Alt neu starten. Dafür ist das die richtige Entscheidung. Und die Oberliga wäre von den Fahrten und Gegnern her schon unangenehm gewesen. Klar, das hätte funktionieren können, mit ein bisschen Spielpech aber auch anders ausgehen können Und in einen negativen Strudel zu geraten, wäre für das überwiegend junge Team nicht so gut gewesen.

Sie waren jahrelang Bestandteil der Bundesligamannschaft – werden Sie selbst künftig noch spielen oder sich ganz auf den Trainerjob konzentrieren?

Letztes Jahr war ich noch Spielertrainer in der Zweiten. Ich habe aber nicht mehr großartig Zeit zu trainieren und werde daher nur, wenn Not am Mann ist, spielen – der Fokus liegt auf Jugend und Stammspielern.

Sie kennen die Mannschaft gut, haben sie selbst trainiert. Welches Potenzial steckt im Team?

Potenzial ist definitiv da. Wenn das Team gut trainiert und zusammenwächst, werden wir eine gute Rolle spielen. Die Jungen müssen noch ein bisschen lernen, das ist so. Weil es in der Verbandsliga körperlich zur Sache geht. Da müssen sie ihre schwimmerischen Vorteile nutzen. Jetzt haben wir vor allem auch ein bisschen mehr Kadervolumen – es sind erfahrene Spieler dabei, die 2. und zum Teil 1. Bundesliga gespielt haben.

Die Saison startet für Sie am 18. November in Iserlohn. Welches Ziel haben Sie sich gesteckt?

Erst einmal spielen wir am 15. Oktober im DSV-Pokal in Warnemünde. Die spielen 3. Liga Nord, vergleichbar mit Ober- oder Verbandsliga bei uns. Zum Ziel: Mit der Zweiten sind wir zuletzt Dritter geworden. Jetzt wollen wir auf jeden Fall um den Aufstieg mitspielen.

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