Fußball

Saisonaus für Sjoeke Nüsken - aber auch Glück im Unglück

Saisonaus: Sjoeke Nüsken verletzte sich beim 5:1-Sieg der Frankfurterinnen gegen Duisburg.
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Saisonaus: Sjoeke Nüsken verletzte sich beim 5:1-Sieg der Frankfurterinnen gegen Duisburg.

Eine unnötige Szene im Mittelfeld, ein kurzer Moment, eine falsche Entscheidung der Gegenspielerin – dann war die erste Saison für Sjoeke Nüsken in der Frauenfußball-Bundesliga beendet.

Hamm - Den Abpfiff beim 5:1-Sieg ihres 1. FFC Frankfurt gegen den MSV Duisburg bekam die 19-jährige Hammerin schon gar nicht mehr mit. „Mir war sofort klar, dass ich raus musste“, schildert die Junioren-Nationalspielerin die Szene aus der 33. Minute, in der ihr eine Duisburger Spielerin an der Seitenlinie übermotiviert in die Beine gegrätscht war. „Die ist in mich reingesprungen und hat eigentlich eher den Knöchel getroffen. Ich habe gehört, dass es geknackt hat, bin dann noch an der Außenlinie ein bisschen hin und her gegangen, habe aber gemerkt, dass das Bein nach außen kippt.“

Am nächsten Tag folgten die MRT-Untersuchung im Krankenhaus und die bittere Diagnose: Außenbandriss im rechten Knie. Mindestens sechs bis acht Wochen Pause. Saisonaus. Nur drei Begegnungen,nachdem die Liga die Corona-bedingte Auszeit beendet und den Spielbetrieb wieder aufgenommen hatte.

Nüsken muss nicht operiert werden

Mit ein paar Tagen Abstand hat die Hammerin den Schock verdaut, kann der Diagnose sogar Positives abringen, zumal sie um eine Operation herumkommen wird. „Im ersten Moment war das natürlich ein Schock für mich“, sagt Nüsken. „Da dachte ich, dass es viel schlimmer ist. Es hätte ja auch das Kreuzband gerissen sein können. So gesehen war das Glück im Unglück. Ich denke, dass ich zur Vorbereitung auf die neue Saison wieder dabei sein kann.“

Die Szene hat sich die Mittelfeldspielerin mittlerweile mehrfach auf dem Video angesehen und jedes Mal aufs Neue einen kleinen Stich gespürt. Die Aktion ihrer Gegenspielerin empfindet sie immer noch als völlig überzogen. „Aber immerhin hat sie sich entschuldigt.“

Dabei hatte die Partie perfekt begonnen für Nüsken, die bis vor einem Jahr noch für Westfalia Rhynern in der männlichen Jugend aufgelaufen und dann aus der A-Jugend direkt in die Frauen-Bundesliga gewechselt war. Nach 13 Minuten hatte die Mittelfeldspielerin das 1:0 für Frankfurt erzielt und damit den Grundstein zum Sieg des Tabellenvierten gegen den Liga-Vorletzten gelegt. Das 2:0 durch Tanja Pawollek (31.) hatte sie noch auf dem Platz erlebt. Dann kam das Foul, und Nüsken humpelte mit Schmerz verzerrtem Gesicht in die Kabine. „Da habe ich erstmal meinen Vater angerufen“, sagt sie. „Der meinte auch, dass die Szene nicht so gut ausgesehen hat, aber er hat sofort versucht, mich wieder aufzubauen.“

Medizinische Versorgung vor Ort

Nach Hause fahren wird die Hammerin in naher Zukunft trotz der Verletzung nicht. Denn die medizinische Versorgung setzte sofort nach der Verletzung ein. Bereits am Montag begann das Reha-Programm für die talentierte Nachwuchsspielerin des Deutschen Fußball-Bundes in Neu-Isenburg. „Dahin muss ich jeden Tag zur Behandlung“, wird für sie auch in ihrer Fußball-Zwangspause keine Langeweile aufkommen. „Ich denke, dass ich nach zwei Wochen schon wieder in den Kraftraum der Reha gehen kann und relativ schnell wieder fit werde. Mein Ziel ist es jedenfalls, zum Saisonstart wieder dabei zu sein.“ Wann die Vorbereitung auf die neue Serie beginnen wird, steht aufgrund der Corona-Unsicherheit derzeit ohnehin noch nicht fest. Und auch ein Urlaub nach der Saison war nicht geplant. „Die Corona-Pause war ja schon lang genug“, sagt Nüsken. „Und im Sommer etwas zu planen, ist zurzeit ja auch schwierig.“

Zumal für private Planungen keine Zeit bleibt. Das Semester ihres Bauingenieurwesen-Studiums endet in vier Wochen. Dann muss sie sich auf die Prüfungen vorbereiten. Parallel startet Anfang Juli für die 19-Jährige eine einjährige Bundeswehrzeit in einer Sportfördergruppe. „Das hätte mit einer vierwöchigen Grundausbildung begonnen, die ich jetzt aber am Ende der Zeit im nächsten Jahr nachholen muss“, sagt Nüsken. Was sie schade findet. Denn gerade auf diese „coole Erfahrung“ in den ersten Wochen bei der Bundeswehr hatte sie sich gefreut.

Nüsken ist eine feste Größe beim 1. FFC Frankfurt

Dass sie in Frankfurt mittlerweile zu einer festen Größe geworden ist, belegt die Tatsache, dass sie sich nach ihrer ersten Zwangspause, bedingt durch eine Knöchel/Wadenbein-Verletzung, die sie sich Ende der vergangenen Saison noch in Rhynern zugezogen hatte, immer häufiger in der Startformation wiederfand und zuletzt zu den Leistungsträgerinnen des Teams gehörte. „Sjoeke hat nach ihrer Verletzung im vergangenen Sommer gerade ihre Fähigkeiten und ihr Talent vollständig zur Entfaltung gebracht“, zeigt sich FFC-Manager Siegfried Dietrich sehr zufrieden mit der ersten Saison seines Neuzugangs.

Bereits am Mittwoch musste sich die Hammerin allerdings mit einer neuen Aufgabe anfreunden, die sie für die letzten drei Saisonspiele ausfüllen wird. In den Partien gegen Essen, Hoffenheim und Freiburg „bin ich als Betreuerin eingetragen“, sagt sie. „Da muss ich dann die Trikots zusammen legen und solche Sachen.“ Ihren Mitspielerinnen traut sie durchaus zu, dass sie Platz vier verteidigen werden. Gemeinsam soll dann in der kommenden Spielzeit die Champions League angepeilt werden. Denn trotz der zweiten schweren Verletzung innerhalb eines Jahres hat Sjoeke Nüsken die Lust am Fußball noch lange nicht verloren.

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