Orlowski abermals vor einem steinigen Weg zurück

+
Marian Orlowski

HAMM - Weil die Erinnerung an den ersten Kreuzbandriss noch recht frisch war, hatte Marian Orlowski,  Halblinker des Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen im Dezember, als er sich gegen Leipzig direkt im ersten Angriff verletzte, keinen Zweifel, dass ihn abermals die niederschmetternde Diagnose treffen würde: Kreuzbandriss.

„Das“, so Orlowski, „ist echt ein Schicksalsschlag, gerade für jemanden, der so gerne Handball spielt.“ In der vergangenen Woche ist Orlowski in Wuppertal operiert worden, an einen Einsatz noch in dieser Saison ist allerdings nicht zu denken.

Der ASV hat in der WM-Pause entsprechend reagiert und bis zum Sommer Edgar Landim vom FC Porto ausgeliehen. Auf Orlowski wartet derweil der steinige Weg zurück. Einer, den der 21-Jährige aus leidvoller Erfahrung kennt, hatte er doch wegen der gleichen Blessur die erste Saisonhälfte 2013/14 verpasst.

Einziger Unterschied: Diesmal ist das andere, das linke Gelenk betroffen. „Wenn es überhaupt irgendetwas Positives an der Sache gibt, dann ist es wohl das. Denn das heißt ja auch, dass das rechte Knie hält“, sagt Orlowski.

An solche Dinge klammert sich der sprungstarke und wurfgewaltige 1,95-Meter-Mann in der noch Monate währenden Leidenszeit. Bereits die ersten Tage unmittelbar nach der Diagnose waren psychisch alles andere als einfach.

Mit einer Mischung aus „Schock und Trauer“ habe er auf die Nachricht reagiert, habe gehadert, „weil man sich natürlich fragt, woran das liegt“, dass er erneut einen Kreuzbandriss erlitt.

„Es hat länger gedauert, bis ich im Kopf wieder klar war“, erzählt Orlowski. „Eigentlich muss man das selbst mal erlebt haben, um es nachfühlen zu können. Aber das wünsche ich natürlich niemandem.“

Nun beginnt der langwierige Prozess, der ihn zurück zum Handball führen soll. Mehr als Kraftübungen für den Oberkörper sind derzeit nicht möglich, hinzu kommt die Physiotherapie.

Sobald Orlowski die Krücken ablegen kann, startet die Belastung des lädierten Knies, die allmählich gesteigert wird. „Diesmal“, sagt er, „sind zumindest die Schmerzen nicht so stark wie beim ersten Mal.“

Da er vieles kennt, kann Orlowski sehr genau einschätzen, was auf ihn zukommt. Leichter wird es deshalb nicht. Er weiß, dass wohl manches mentale „Tal“ warten, weiß, dass gerade gegen Ende die Ungeduld zunehmen wird, „wenn man das Gefühl hat, dass man schon wieder spielen kann, aber der Verstand sagt, dass es noch nicht geht“.

Und so muss sich der Rechtshänder einstweilen damit begnügen, die „total positive Entwicklung“ der Mannschaft aus der Zuschauerrolle zu verfolgen, ohne den Draht ins Team zu verlieren.

Per Handy hält er Kontakt zu den Kollegen. Bei den Heimspielen möchte er vor Ort sein, möglichst auch am Mittwoch (19.45 Uhr, Westpress-Arena) bei der Partie gegen Bayer Dormagen.

„Wann immer es ging, war ich in letzter Zeit da“, erzählt Orlowski. Auch die Vorstellung Niels Pfannenschmidts, des Trainers für die kommende Saison, erlebte er „vor Ort“.

Noch aber ist unklar, ob Orlowski nächstes Jahr weiter im Kader stehen wird. Sein Vertrag läuft am Saisonende aus, irgendwann in den nächsten Wochen „werden wir uns mit Marian zusammensetzen und in Ruhe über die Zukunftspläne sprechen“, sagt Trainer-Manager Kay Rothenpieler. Im Moment allerdings gilt die ganze Konzentration der Reha – und dem steinigen Weg zurück. - fh

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare