Lange Busfahrt für die Herringer nach Viareggio

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Liam Hages in Aktion.

HAMM - Der Pokerkoffer darf auf keinen Fall fehlen. Schließlich ist die Fahrt lang. Sehr lang. Wenn sich die Spieler des Rollhockey-Bundesligisten SK Germania Herringen am Donnerstagabend um 23 Uhr treffen, liegt eine gut zwölfstündige Busreise vor ihnen.

Und dabei sind die Pausen noch nicht einmal eingerechnet. Es ist eine außergewöhnliche Tour zum letzten Gruppenspiel in der European League beim italienischen Klub CGC Viareggio, das am Samstag um 21 Uhr beginnt.

Aber Stress? Strapazen? Lucas Karschau lächelt. „Nein“, versichert der Kapitän. „Ich glaube, das wird ganz lustig.“ Für einige Spieler sind lange Reisen ohnehin nichts Ungewöhnliches, auch mit der Nationalmannschaft erfolgen die Fahrten aus Kostengründen oft mit Kleinbussen. Das wird im Sommer nicht anders sein, wenn die Europameisterschaft vor den Toren Madrids stattfindet.

Auch für den SKG spielten finanzielle Überlegungen eine gewichtige Rolle bei der Planung der Abschlussfahrt, nachdem die Anreise zu den ersten Partien nach Barcelona und Porto mit dem Flieger erfolgte. Günstige Flüge gab es nicht, die jetzige Lösung bietet die Möglichkeit, den ohnehin strapazierten Etat ein wenig zu schonen. „Auch eine Busfahrt kann sehr interessant sein“, sagt der Sportliche Leiter Norbert Hages lächelnd.

Finden die sieben SKG-Akteure in dem rund 30-köpfigen Herringer Tross sowieso. „Alle, die hier spielen, sind aus einem Dorf, das darf man nie vergessen. Sie sind fast alle befreundet. Das ist doch in keiner anderen Mannschaft so“, verweist Trainer Detlef Schulz auf das enorme Zusammengehörigkeitsgefühl in seinem Team, das es natürlich erleichtert, die lange Reise gut zu „überstehen“. „Natürlich dauert das alles etwas länger als ein Flug, und irgendwann tut einem der Hintern weh. Aber eine Fahrt im Mannschaftskreis macht auch richtig Bock. So etwas muss man mal erlebt haben“, weiß Liam Hages, und Lucas Karschau ergänzt: „Da wird auch immer viel Quatsch untereinander erzählt. Und wir haben ja ein bisschen Programm für uns vorbereitet.“ Pokern zum Beispiel.

Auch wenn es nach hohem Spaßfaktor klingt – „das ist keine Vergnügungsfahrt“, sagt Norbert Hages. Was vor allem in sportlicher Hinsicht gilt. Der Ehrgeiz ist groß, erstmals in der Vereinsgeschichte in der European League zu punkten. Bei der 4:5-Niederlage im Hinspiel gegen den Klub aus der Toskana fehlte schon nicht viel. Wegen der heutigen Abreise wurde die zweite Übungseinheit in dieser Wochen vom Donnerstag auf den Mittwoch vorgezogen.

Nach der Ankunft in Viareggio wird nicht viel Zeit vergehen, bis die Herringer die Halle der Italiener, die größer als die heimische ist und über einen Betonboden verfügt, unter die Lupe nehmen. Für Freitagabend ist ein Training angesetzt, nach der anschließenden Nacht im Hotel und dem gemeinsamen Frühstück „werden wir ein bisschen laufen“, sagt Detlef Schulz. Ansonsten steht der Tag zur freien Verfügung – bis es am Abend ernst wird.

Und erst dann wird die letzte Partie endgültig in den Fokus der Spieler rücken. „Wir werden den Tag da genießen. Richtig los geht’s erst, wenn wir zum ersten Mal mit den Rollschuhen in der Halle stehen“, sagt Liam Hages, und Lucas Karschau fügt hinzu: „Wenn man sich zu früh mit dem Spiel beschäftigt, dann verkrampft man zu sehr.“

Das wollen die Germanen auf keinen Fall, zu groß ist der Wunsch, in Italien zu punkten. „Aber auch eine knappe Niederlage wäre ein weiterer Beweis dafür, dass wir in dieser extrem schweren Gruppe richtig gut mitgehalten haben“, betont Norbert Hages. Und das würde die Rückfahrt, die die Herringer übrigens unmittelbar nach der Begegnung antreten werden, noch deutlich kurzweiliger gestalten würde als die Hinreise. Trotz des Pokerkoffers. - fh

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