Vor Abflug nach Lissabon

Zarod über Lehren aus der Euroleague: "Haben Abgeklärtheit reinbekommen"

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SKG-Trainer Christian Zarod (vorne) und Lucas Karschau (links) freuen sich auf die Europareise.

Am frühen Freitagmorgen hebt der Flieger in Richtung Portugal ab. Es ist eine von drei zeitaufwendigen Auswärtspartien des Rollhockey-Bundesligisten SK Germania Herringen. "Das ist es auch wert", betont Trainer Christian Zarod.

Hamm – Bereits zum vierten Mal nach 2013, 2014 und 2018 nehmen die Rollhockey-Bundesligisten des SK Germania Herringen in dieser Saison an der Euroleague teil und messen sich dort mit den besten Mannschaften Europas. Die Statistik der Vergangenheit ist ernüchternd: Erst einen Punkt sammelten die Herringer in den drei Anläufen. Im Interview mit Sven Schneider verrät SKG-Trainer Christian Zarod, wieso die Vorfreude auf den Wettbewerb bei ihm dennoch riesengroß sei und welche Lehren aus den bisherigen Teilnahmen gezogen wurden.

Herr Zarod, Sie steigen am Freitag in den Flieger nach Portugal, um dort am Samstag die erste Gruppenpartie der Euroleague gegen Benfica Lissabon auszutragen. Wie groß ist Ihre Vorfreude und was macht den Wettbewerb so besonders? 

Die Vorfreude ist natürlich sehr groß. Alle Gegner, auf die wir in der Euroleague treffen, sind etwas Besonderes. Das sind nicht ganz unbekannte Namen, auf die wir dort treffen. Die Teams sind sportlich top besetzt und normalerweise nur auf Youtube zu bestaunen. Wer kann schon von sich behaupten, mit einer Randsportart wie dem Rollhockey all diese Länder und Städte bereisen zu dürfen? Natürlich steckt uns anschließend der Reisestress in den Knochen, wenn wir, so wie in den kommenden Tagen, Freitagmorgen anreisen und es für uns am Sonntag in der Früh wieder zurückgeht. Aber dafür nehmen sich die Spieler teilweise einen Tag mehr Urlaub – und das ist es auch wert. 

Sie treffen in der Gruppe C auf Lissabon, mit Barcelona auf die wohl erfolgreichste Mannschaft Europas und auf Sarzana aus Italien. Haben Sie einen persönlichen Favoriten, was das Reiseziel anbelangt? 

Definitiv Barcelona. Das ist so eine Art kleines i-Tüpfelchen für uns, dort antreten zu dürfen. Jedes Mal haben wir bei der Auslosung gesessen und gehofft: ‘Hoffentlich bekommen wir Barcelona zugelost’. Das blieb uns in den vergangenen Jahren verwehrt, diesmal jedoch hat es uns getroffen. Wenn wir im März dort ran dürfen, werden wir daraus einen längeren Aufenthalt machen und uns in aller Ruhe die Stadt anschauen. Das anschließende Duell wird natürlich ebenso ein absolutes Highlight werden. 

Aus sportlicher Sicht hat die SKG Herringen in den vergangenen Jahren in der Euroleague hauptsächlich Lehrgeld bezahlt. Haben Sie und die Spieler daraus trotzdem einen Lerneffekt gewinnen können? 

Diese Frage kann ich nur für mich beantworten. Ich bin jetzt in meinem vierten Jahr als Trainer in Herringen tätig und sehe, wie souverän wir zuletzt die Deutsche Meisterschaft gewonnen haben. Das liegt meiner Meinung nach auch daran, dass wir durch die Teilnahme an der Euroleague eine gewisse Abgeklärtheit in unser Auftreten reinbekommen haben. Spieler wie Liam Hages sind keine 20 Jahre alt mehr und haben bereits einige Wettbewerbe hinter sich. Sie gucken sich natürlich einige Dinge von den Profis ab. Das fängt schon während des Spiels an und geht mit der Analyse in der Nachbesprechung weiter. Die Spieler tauschen sich natürlich untereinander aus, sie kennen sich ja aus den Wettbewerben mit den Nationalmannschaften. Unter uns Trainern sieht das anders aus. Die einzigen Worte, die ich im vergangenen Jahr mit dem Trainer von Sporting Lissabon gewechselt hatte, war ein kurzes ‘Guten Tag’ und ein ‘Tschüss’ am Ende. Für sie ist es auf professioneller Ebene eine ganz andere Welt, für uns hingegen ist es ein mega Hobby. Wir in Herringen halten uns nach dem Schlusspfiff noch lange in der Halle auf und quatschen mit den Zuschauern, das wäre in Lissabon oder in Barcelona zum Beispiel undenkbar. 

Sie haben drei zeitaufwendige Reisen vor sich, die Sie mit wenig Hoffnung auf sportlichen Erfolg antreten werden. Spiegelt sich das in der Moral der Spieler wieder? 

Nein, überhaupt nicht. Das Reisen steckt uns anschließend in den Knochen, keine Frage. Aber in Sachen Motivationsarbeit muss ich da gar nicht viel leisten. Jeder will es so gut wie möglich machen und sich teuer verkaufen. Die Jungs freuen sich auf die Städte und Länder, das ist Anreiz genug. Die Hoffnung ist immer da, etwas Zählbares mitzunehmen. Das hat das vergangene Jahr gezeigt, als wir nur knapp an einem Punktgewinn vorbeigeschrammt sind. 

Und in diesem Jahr? Welches Ziel haben Sie sich gesetzt? 

Grundsätzlich muss man festhalten, dass uns Mannschaften wie Lissabon oder Barcelona haushoch überlegen sind. Dazu muss man bedenken, dass jedes Team zuhause stärker auftritt als auswärts. Das haben wir in der vergangenen Saison zu spüren bekommen, als wir bei Sporting Lissabon mit einem knappen 2:3-Rückstand in die Halbzeit gegangen waren und anschließend mit 2:10 vom Feld gefegt wurden. Da merkt man, was passiert, wenn die ernst machen. Das Ziel, den zweiten Punkt der Vereinsgeschichte in der Euroleague einzufahren, ist durchaus da. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit in Lissabon und Barcelona eher gering. Deshalb legen wir unsere Hoffnung auf unsere Heimpartien, vielleicht können wir dort etwas mitnehmen, besonders gegen Sarzana. Über das Team aus Italien wissen wir nur sehr wenig. Sie haben ein sehr junges Team, dessen bekanntester Akteur wohl der Trainer Alessandro Bertolucci ist. Unter dem Strich wollen wir die Ergebnisse positiv gestalten, gute Spiele bestreiten und uns teuer verkaufen.

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